Freitag, 29. April 2011

Im Museum für Naturkunde in Berlin (3)



(Fortsetzung und Schluss)


Ein paar Worte zu den Mineralstufen: Man darf nicht vergessen, dass die öffentlich dargebotenen Objekte Bestandteil einer alten Lehr- und Studiensammlung sind und in einer Zeit geborgen bzw. gesammelt wurden, als die Mineralogie als Wissenschaft noch am Anfang stand. So wird man hier nach absoluten Prachtstufen bzw. ästhetischen Meisterwerken vergebens suchen. Bei manchen Mineralien wird der eine oder andere erfahrene Sammler denken, die habe ich zu Hause in meiner Vitrine "besser" - und damit oft Recht behalten.

Abb. 24: Im Hintergrund die benachbarte Saurier-Halle

Allerdings möchte ich den Wert dieser Sammlung nicht in Abrede stellen. Man entdeckt viele Mineralarten, die man in anderen Museen und Sammlungen nicht gezeigt bekommt. Es sollen über 1.000 Mineralarten ausgestellt sein. Viele seltene Minerale, die wir nur als Mikromounts kennen, sind hier als Beleg vorhanden, die man auch ohne optisches Hilfsmittel erkennen könnte. Ich schrieb bewusst "könnte", denn die genaue Zuordnung des betitelten Minerals auf einer Mischprobe (mit breiter Paragenese) ist oft nicht möglich.

Lösen Sie sich beim Besuch des Mineralien-Saales innerhalb des Museums für Naturkunde an der Humboldt-Universität in Berlin-Mitte von der Vorstellung, dass Ihnen Grundlagen und Hintergrundwissen vermittelt werden. Sie sehen den Ausschnitt einer großen historischen Sammlung, die feinsäuberlich nach der Strunz'schen Systematik sortiert und in einem historischen Ambiente präsentiert ist. Mehr nicht. Sie lernen nichts über die Entstehung der Minerale, über deren genaue chemische Zusammensetzung oder Kristallklasse. Die Fundortangaben sind nicht sehr detailliert.

Abb. 25: 30 cm breite Schaustufe
Abb. 26: Harmotom und Calcit. Sankt Andreasberg, Harz.
Abb. 27: Ein weiterer Hingucker

Die Glasschaukästen im Mittelgang mit Edelsteinen, Elementen und thematischen Betrachtungen (vgl. Abb. 28) entsprechen einer modernen musealen Darstellungsform. Hier wird ihnen ansatzweise auch ein wenig zusammenhängendes Wissen vermittelt. Aber diese neuen Glaskästen bleiben nicht nur optische Fremdkörper im Raum: auch den Zusammenhang zu den restlichen Exponaten sucht man vergebens. Sie werten weder den Saal noch die Sammlung auf; selbst die zugedachte Alibi-Funktion wird nicht erfüllt.

Abb. 28: Moderne Vitrine im Mittelgang
Abb. 29: Blick zurück in den Mineralien-Saal

Nach Verlassen des Saales, ehe es mich kurz durch die Saurier-Halle zum Ausgang drängt, bleibt ein zwiespältiger Eindruck zurück.

Abb. 30: Exponat aus dem Bayer. Plattenkalk

Abb. 31: Eichstätt? Solnhofen? Zandt?
Abb. 32: Weitere Jura-Fossilien

Der Eintrittspreis in Höhe von 6,-- Euro für das ganze Museum kann man unter Berücksichtigung des Gebotenen als günstig betrachten. Man sollte sich beim Besuch sehr viel Zeit mitnehmen. Planen Sie für den Mineralien-Saal wenigstens 90 Minuten ein.
Beschränkt sich Ihr Besuch nur auf den Mineral-Bereich, dann sollten Sie auf die Möglichkeit der Zuhilfenahme eines "Audio-Guides" (erhältlich am Eingang bei der Kontrolle der Eintrittskarte) verzichten. Nach Eintippen der auf einigen Vitrinen verzeichneten Nummer auf der Tastatur des Handgerätes werden Ihnen Erläuterungen vorgesprochen, die ich nicht gerade als hilfreich angesehen habe. Es blieben viele Fragen offen. Nach dem vierten Eintippen nervten mich die recht oberflächlichen Informationen sogar. Ich habe den "Audio-Guide" nicht weiter benutzt. Anschließend war das sperrige Teil eher hinderlich und schlug, um den Hals baumelnd, öfters an die Vitrinen. Sorry.

Abb. 33: Blick in die "Saurier-Halle"

Falls meine persönlichen Eindrücke auch von Mitarbeitern des Museums gelesen werden sollten, rate ich denen, das Audio-Guide-System für den Mineralbereich zu erweitern und besonderen Stufen eine eigene Kennziffer zu verpassen, um dann gezielte Hintergrundinformationen zur jeweiligen Einzelstufe abrufen zu können. Hinweise zum Alter, welcher Sammlung sie entspringt, vielleicht besondere Fundumstände oder sonstige historisch bemerkenswerte Aspekte können ohne Eingriff in die historische Raumgestaltung transportiert werden. So wird "ein Schuh d'raus".

Trotzdem: Berlin ist eine Reise wert, wie es heißt. Auch das Naturkundemuseum sollte auf Ihrem Programm stehen.






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