Sonntag, 29. Mai 2011

Fundstellen am Innerste-Stausee (3)


Im Gegental

Irgendwie habe ich meine Funde doch im Rucksack verstauen können. Meine Notration Toilettenpapier musste als Schutz empfindlicher Stufenteile herhalten. Viele Stufen lagen aber lose ohne Verpackung, entsprechende "Verluste" nahm ich Kauf.

Weiter geht es bei fast 30°C auf der westlichen Stausee-Seite in Richtung Staumauer. Links oberhalb des Weges konnte man erste Pingen auf dem Gegentaler-Gangzug erblicken. Na ja … "erahnen" wäre wahrscheinlich passender: sie sind alle stark zugewachsen und mit Laub gefüllt. Ihre Lage entspricht aber den Angaben der in Teil 1 genannten Karte (auch nach 30 Jahren) noch mit hoher Genauigkeit. Eine Suche im Randbereich der Vertiefungen brachte leider keine Mineralfunde, die man in eine Sammlung einreihen sollte.

Am Innerste-Stausee. Blick zur Staumauer
Am Innerste-Stausee. Blick zurück zur Halde des 
Friederiken-Stollens (Pfeil)
Am Innerste-Stausee. 
Blick nach Westen in das Gegental

Kurz bevor die Uferstraße an einer markanten Landzunge im Stausee nach links biegt, nutze ich die Gelegenheit des sehr niedrigen Wasserpegels und steige zu einem recht markanten Riff am Ufer herab. Steilgestellte Tonschiefer aus dem Devon (Nehden-Stufe) mit starker Griffelbildung sowie alte ausgeblichene Baustümpfe dazwischen sind farblich nicht voneinander zu unterscheiden. Die Felsspartien liegen die meiste Zeit des Jahres unter Wasser. Vis-à-vis liegt auf der anderen Seeseite der Gasthof "Berghof".

Zurück auf die Uferstraße, die ich kurz darauf wieder verlasse und in das Gegental hineingehe. Nach MOHR (1975)(*) soll unmittelbar nach der Wegegabelung an einer hohen Wegeböschung der Oberharzer Kersantitgang durchstreichen, der schon die Geologen im ausgehenden 19. Jahrhundert stark beschäftigte. MOHR beschreibt den Kersantit (heute: als Silizium-reicher, shoshonitischer Lamprophyr  bezeichnet)als "meist tiefschwarzes Gestein mit bräunlicher Verwitterungsrinde. In der Grundmasse schwimmen stellenweise glasglänzende Quarze. Auffällig sind auch hellgrüne unregelmäßige Flecken aus Serpentin".
Die Lage des Ganganschnittes ist gut erkennbar. Leider ist der Aufschluss stark verwachsen. Von einer Probenahme des Gesteins sehe ich deshalb ab. Weiter talaufwärts – an einem Geotop - soll der Gang ja erneut aufgeschlossen sein. Ich gehe davon aus, dass dort bessere Aufschlussverhältnisse vorliegen.

Verwachsener Kersantitgang am Taleingang

Fundstelle: Pingen und Halden am Hoffnungsstollen

Der Weg im Gegental steigt nur leicht an. Mein Marschgepäck macht sich bislang kaum in den Beinen bemerkbar. Ca. 150 m weiter quert ein kleiner, von Süden kommender Bachlauf die Gegentalstraße (wie sie ausgeschildert ist). Der Bach ist ausgetrocknet, die Brücke ist kaum als solche erkennbar. Nur ein Holzpflock mit blauer Farbe angemaltem Kopf zeigt den Bachlauf an. Hier, unmittelbar am Bachlauf soll hangaufwärts, inmitten eines umfangreichen Pingenfeldes das ehemalige Mundloch des Hoffnungsstollens liegen. Aus diesem wurde zeitweilig das hereingewonnene Eisenerz des Gegentales gefördert.
Ich verlasse den Weg und steige weglos den Hang hinauf. Das Gelände wirkt extrem zerfurcht und wellig. Durch die enormen Mengen an Buchenlaub am Waldboden lässt sich kaum eindeutig klären, ob die Furchen Pingenzüge, stark erodierende, temporäre Bachläufe (bei Starkregen) oder alte Wirtschaftswege der alten Köhler darstellen. Baumstämme und Reisig – beide gerne von den Forstarbeitern zum Abdecken alter Bergbauanlagen benutzt – liegen wild durcheinander. Nach einigen Stunden Auf-und-Ab quer durch den Wald gelang es mir trotz detailliertem Kartenwerk und ausgeprägtem Orientierungssinn nicht, das Mundloch ausfindig zu machen. Mit einem GPS-Gerät hätte ich mich bestimmt leichter getan, denn die Koordinaten waren bekannt: R 3587380 bis R 3587371 / H 5753510 bis H 5753474). Vielleicht waren die beiden stark voneinander differierenden Hochwerte die Ursache meines Scheiterns.

Waldstück am Hoffnungsstollen

Trotzdem war die Suche nicht ganz erfolglos. Tief im Wald, mitten in dem zerfurchten Gelände fanden sich ab und an kleine Haldenreste. Obwohl teilweise von dichtem Laub bedeckt, konnte das erfahrene Auge diese schnell ausmachen. Leichtes, oberflächliches Kratzen an der Haldenoberfläche brachte dann erste Quarz- und Brauneisenerzstufen zum Vorschein, von der die eine oder andere ihren Weg in den Rucksack fand. Da ich mich im Landschaftsschutzgebiet befinde, respektiere ich das Verbot von Grabungen bzw. der Beschädigung des belebten Bodens.  "Ausgedehnte Halden", wie mancherorts beschrieben, kann ich nicht bestätigen. Es wäre aber möglich, dass sich diese unter einer dicken Laub- und Erdschicht befinden und nicht sofort als solche erkennbar sind.  

Haldenrest (Pfeil), 
Pingenzug am Hoffnungsstollen
Haldenrest


Fundstelle: Halden am Schwarzenberg-Stollen


Durch den hohen Buchenwald geht es hangabwärts zurück zur Gegentalstraße. Ich erreiche nach wenigen Minuten die in mancher Fundstellenliteratur beschriebene Wildfütterung bzw. Hütte auf der linken Wegeseite. Hier sollen sich einerseits rechts der Straße Pingen und Halden befinden, die eine Suche nach kleinen Bergkristallen und Glaskopf lohnen sollen. Nach meiner Karte war an fast gleicher Stelle ein Schlackenplatz verzeichnet. Andererseits sollen sich auch hier mineralhöffige Halden links (hangaufwärts), quasi schräg hinter der Hütte befinden. Letzteres war sehr wahrscheinlich, weil sich hier (R 3587215 bis R3587220/ H5753685 bis H5753700 / auf 292 m üNN. ) das ehemalige Mundloch des Schwarzenberg-Stollens  liegt. Es ist gut im Gelände zu erkennen, obwohl es sich unter einer dicken Laubschicht versteckt. Eine tiefe Einsturzpinge unmittelbar hinter dem Mundloch zeigt an, dass der vordere Bereich des Stollens verbrochen sein mag. In unmittelbarer Umgebung konnte ich allerdings keine Mineralfunde tätigen.

Wildfütterung/Hütte
Schwarzenberg-Stollen. 
Mundloch und Stollenpinge (Pfeil)

Die Bereiche rechts der Straße sehen da schon lohnender aus. Die kleine bohnenförmige Halde unmittelbar neben der Straße ist durch seinen abweichenden Bewuchs schnell zu erkennen. Allerdings mischen sich hier neben hohen Brennnesseln auch dichte Brombeeren. Ein oberflächliches Scharren an den Haldenflanken brachte einige Funde zu Tage. Allerdings entsprachen diese nicht meinen Vorstellungen (und Erwartungen). Auf weitere "Aktionen" habe ich dann nicht zuletzt aus Gründen des Grabverbotes verzichtet. Ich nehme aber an, dass die Halde noch für mache nette Funde gut sein sollte …
Den Schlackenplatz habe ich (heute) nicht weiter verfolgt, da er recht unzugänglich im Unterholz am Bach zu liegen scheint.

Am Geotop 4027/01
Kurz nach der Wildfütterung/Hütte zweigt von der Gegentalstraße in einer Kehre ein breiter Wirtschaftsweg ab. Ich halte mich zunächst rechts (in östlicher Richtung), um - "an kulmischen Grauwacken, Posidonienschiefer und Kieselschiefer"  vorbei" (*) -  zum Geotop 4027/01 
zu gelangen. Kurz vor der Wegebiegeung stehen an einer hohen Böschung Kieselschiefer an, die vom Kersantitgang durchschlagen werden, den ich schon weiter unten im Tal anschauen wollte. Es macht schon ein bisschen Mühe, den Gang zu lokalisieren. Wer ein Schild "Achtung Geotop. Bitte nicht verändern" oder so ähnlich erwartet hat, wird bitter enttäuscht. Die ganze Sache spielt sich unspektakulär hinter einer kaum einsehbaren Stelle mit hohem Bewuchs ab. Kersantit bzw. Lamprophyr konnte ich oberflächlich nicht erkennen, der eigentliche Gang scheint verschüttet bzw. zugewachsen zu sein. Zum Freilegen hatte ich auch keine Lust mehr. Enttäuscht ging ich wieder zur Wegegabelung an der kleinen Hütte im Gegental, um anschließend der Gegentalstraße weitere 250 Meter bis zu einer scharfen Linkskehre zu folgen.


Fundstelle: Schlackenplatz bei "Schwarze Kappe"

Schlackeplatz an der "Schwarzen Kappe" 
(Bachbett)
Schlackeprobe. Bildbreite 5,6 cm
 

Ich verlasse die breite Gegentalstraße und folge der Fahrspur auf der rechten Seite des Baches noch etwa 50 m. Ich hatte die Suche schon aufgegeben, aber nach einigen Minuten gelang es mir doch, das erste kleine Stück Schlacke zu finden. Dann ging es Schlag-auf-Schlag: Auf einem kleinen Areal ließen sich mühelos bis handtellergroße Stücke erkennen. Nach Zerteilen auf dem weichen Waldboden zeigten sich diese allerdings recht "inhaltsarm". Der erste Fund eines grün-blauen Schlacke-Stückes ließ dann mein Jagdfieber steigen, die stundenlangen Strapazen vorher vergessen. Schon das erste bunte Stück wies eine prachtvolle Kupfer-Mineralisation neben eingeschlossenen Holzkohlestückchen auf. Bald war das nächste Fach im Rucksack gefüllt. 

Die Fundstelle
Schlacke im ausgetrockneten Bachbett
Ich verlagerte meine Aktivitäten zum ausgetrockneten Bachlauf. Dort nahm die Anzahl der grün-blau verkrusteten Schlacke-Stücke signifikant ab. Dafür fanden sich aber Schlacke-Fladenstücke bis 25 cm Durchmesser mit einer bekannten Mineralisation von Aragonit, Gips, Goethit u.a. (alle in Kristallen).

Schlackeprobe, aufgeschlagen. Bildbreite 5 cm
Schlacke mit Kupfer-Mineralisation. Bildbreite ca. 4 cm

Aufgrund der Kupferreste in der Schlacke kann man davon ausgehen, dass die Schlacke nicht beim Verhütten von Erz aus diesem Bereiches des Gegentaler-Gangzuges stammt, da kupferhaltige Erze erst in großen Teufen in den 30'er-Jahren des letzten Jahrhunderts gefunden wurden. Der "Altbergbau" fand nur oberflächlich statt und ist auch jüngeren Datums.
Das Erz der hier gefundenen Schlacke könnte entweder vom östlichen Teil des Gegentaler-Gangzuges – heute auf der Ostseite des Innerste-Stausees – z.B. von der Grube St. Anna im Ochsental oder sogar vom Rammelsberg, der nicht sehr weit entfernt ist, stammen. Die Schlacke wäre demnach als früh- bis mittelalterlich zu bezeichnen.
Zuhause ließen sich - neben 11 Unbekannten - viele typische Kupfer-Schlackenminerale bestimmen, wie z.B. Malachit, Brochantit, Cuprit, ged. Kupfer und Serpierit. Vermutet werden weiter Beudantit, Posnjakit und Schulenbergit.

Schlacke mit Kupfer-Mineralisation. Bildbreite ca. 4 cm
Auf die geplante Begehung des westlichen Bereiches des Pingenzuges habe ich dann doch verzichtet. Auch die weiteren Schlackenplätze (am Lindtalskopf und Vereinsweg) ließ ich aus. Der Rucksack war voll, langsam dehydrierte ich. Zeit für den Rückweg zum Parkplatz, den ich erschöpft nach 35 Minuten erreichte.



Ein kleines Fazit:
  • Die Suche auf der Halde des Friederiken-Stollens am Ufer des Innerste-Stausees lohnt sich immer noch, wenn der Wasserpegel niedrig ist;
  • Die wenigen Halden im Gegental könnten noch aussichtsreich sein, wenn nicht die Belange des Landschaftsschutzes dem entgegenstünden;
  • Sofern man Schlackenminerale sammelt, scheint hier noch der Tisch reicher gedeckt zu sein, da die Plätze im Gegental nicht im Fokus der Sammler stehen. Bei der oberflächlichen Suche gerät man auch nicht in Konflikt mit dem Landschaftsschutz.
  • Suche die entferntesten Fundstellen zuerst auf, nimm ausreichend Proviant und Verpackungsmaterial mit. Spare dafür an Ausrüstung: Ein kleiner Pickhammer reicht hier völlig aus.
Noch zwei Hinweise zum Schluss:
Ich habe überlegt, ob ich nicht ein Fahrrad mitnehmen sollte. Nachträglich wäre das gar nicht so abwegig gewesen, sofern ich meine Suche auf die Halden am Friederiken-Stollen und den einen Schlackenplatz beschränkt hätte. Das Gelände ist Montainbike-freundlich. Auf der Uferstraße bietet sich sogar ein kleiner Fahrradanhänger an, der reichlich mit Glaskopf und Siderit bepackt werden könnte.
Kurz nachdem ich mein Wagen erreichte, kam ein Dienstfahrzeug der Nieders. Landesforsten vorbei bzw. hinterher. Rechnen Sie auch an Sonn- und Feiertagen mit Kontrollen der Forstbehörden! Was Sie als Mineralsammler im (West-)Harz dürfen – und was nicht – schreibe ich in Kürze in einem weiteren Artikel in diesem Blog.

Bis dahin, Glückauf und gute Funde.



(*): MOHR: "Geologische Wanderungen rund um die Westharzer Talsperren", Clausthal-Zellerfeld, 1975




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