Mittwoch, 29. Februar 2012

Geosammlung der TU Clausthal (3)


Abb. 38:
Südfassade des Hauptgebäudes der TU Clausthal
zum Marktplatz, der derzeit umgestaltet wird. Auch der Haupteingang
zur TU soll hierhin zurückverlagert werden. Hinter der 2. Fensterreihe
von oben befinden sich 4 der 5 Räume der Geosammlung.

Vom Ausstellungsbereich "Harzmineralogie" (Schilderung meiner Eindrücke in Teil 2) geht es zu den nächsten Räumen, in denen zum einen die Naturgeschichte des Harzes sowie seines Vorlandes und zum anderen die allg. Erdgeschichte und Entwicklungsgeschichte des Lebens thematisiert wird. Mich zog es jedoch an diesem Tag direkt (ohne damit hier eine Wertung zu den beiden Räumen abgegeben zu wollen) weiter zum letzten "Brocken" der Clausthaler Geosammlung, der Lagerstättensammlung, die im Westflügel des Universiäts-Hauptgebäudes untergebracht ist (siehe Abb. 1 in Teil 1).


Abb. 39:
Blick in den Ausstellungsraum "Naturgeschichte des Harzes",
einem geologisch-paläontologischen Teil der Geosammlung (2.2.)

Abb. 40:
Eindrucksvoller Lackabzug eines Bodenprofils.
Leider ohne Hinweise auf Herkunft, Bodenart und Alter.
Abb. 41:
Blick in den Ausstellungsraum "Erdgeschichte und Paläontologie" (2.1)

Abb. 42:
Ohne Worte

In der Lagerstättensammlung (Teil 1.3)

Obwohl die durchgehende Fensterfront zur Adolph-Roemer-Straße und die als Trennwand zum Treppenhaus ausgebildete Vollglasvitrine genug Licht spenden sollte, wirkte der Raum der Lagerstätten-Sammlung an diesem Tag recht düster und nicht so einladend. Da ich mich in einer zu wissenschaftlichen Zwecken aufgebauten Sammlung und nicht in einem "Showroom", wie z.B. in der "Terra Mineralia" in Freiberg, befinde, möchte ich das auch nicht überbewerten. Allerdings, geht man von den "hellen" Räumen der Systematik und Harzmineralogie anschließend zur "dunklen" Lagerstättensammlung, fällt dieses besonders auf. Ein Austausch der dunklen Vitrinen-Hintergrundgestaltung in der Raummitte durch eine hellere Variante wäre vorteilhaft, wird allerdings aus Kostengründen wohl nicht realisiert.


Abb. 43:
Vitrinen der Lagerstättensammlung
Aus dem Gesamtfundus von ca. 25.000 Einzelproben werden in diesem Raum ca. 3.000 Erz- und Gesteinsproben ausgestellt. Begleittexte in den Vitrinen erläutern kurz und (manchmal etwas sehr knapp) die Prozesse, die zur Bildung der jeweiligen Lagerstätte bzw. des  Lagerstätten-Typs geführt haben. Die 10 freistehenden Vitrinen in der Raummitte sind sehr vorteilhaft nach den chemischen Elementen abschnittsweise gegliedert. Zu jedem Element, z.B. Eisen, Blei, Kupfer, Nickel, Silber, Titan, Vanadium usw. werden die entsprechenden Minerale mit den entsprechenden Element-Mengenanteilen sowie deren wesentliche Lagerstätten-Typen genannt. Kleine Karten zeigen beispielhaft, wo sich entsprechende Lager- und Abbaustätten befinden. Von allen wirtschaftlich oder wissenschaftlich wichtigen und bedeutenden Lagerstätten der Erde sind die Erze, Erzminerale und auch wichtige Nebengesteine ausgestellt.


Abb. 44:
Wolframit in Siderit
Tirpersdorf, Oelsnitz, Sächs. Vogtland
Bildbreite ca. 8 cm

Einige Vitrinensegmente widmen sich den nichtmetallischen Rohstoffen, wie Flußspat, Schwefel, Baryt, Kali-/Steinsalz, Graphit und Diamant. Kiese und Karbonatite werden ebenfalls thematisiert.


Abb. 45:
Laterit (Hämatit-Limonit-Gemisch)
Indien
Bildbreite ca. 15 cm

Abb. 46:
Vitrine am der hinteren Stirnseite des Raumes. Hier sind die Exponate
nach den lagerstättenbildenden Prozessen (magmatisch, hydrothermal,
sedimentär und metamorph) geordnet.

Abb. 47:
Hämatit als Roter Glaskopf,
Knollengrube, Bad Lauterberg
Bildbreite ca. 40 cm

Die als Raumteiler fungierende Vitrine enthält überwiegend Proben von Erzen und Nebengesteinen aus den bedeutendsten deutschen Lagerstätten-Bezirken. Dem Sammler und Interessent heimischer Minerale werden hierbei sicherlich die interessantesten Exponate dargeboten, sind doch die meisten Gruben nicht mehr zugänglich oder erloschen.
Als Beispiele nenne ich Proben aus Wölsendorf (Flussspat), Passau (Graphit), dem Fichtelgebirge (Gold, Hämatit), dem Schwarzwald (Flussspat, Pb, Zn, Baryt), dem Siegerland (Eisen) und dem Rheinischen Schiefergebirge (Pb, Zn, Baryt). Selbstverständlich darf auch der Harz nicht fehlen. Annähernd die Hälfte der Vitrinen-Segmente widmen sich den Lagerstätten des Harzes (Pb, Zn, Ag, Sb, Flussspat); Neudorf, Ilfeld, Bad Lauterberg und Goslar sind die dazugehörigen bekannten Orte.

"Insgesamt zeigt die Lagerstätten-Sammlung eine repräsentative Auswahl von Erzen historischer und moderner Lagerstätten, die für die Gewinnung von Rohstoffen bedeutend waren und sind", so das Begleitheft zur Ausstellung, das man für einen geringen Geldbetrag vor Ort kaufen kann.

 Hinzufügen möchte ich, dass dieser Teil der Geosammlung sicherlich der wissenschaftlich "wertvollste" sein dürfte. Für uns Mineralsammler bedeutet das leider auch, dass hier kaum beeindruckende "Eyecatcher" zu entdecken sind. Trotzdem sollte dieser Raum bei einem Besuch nicht ausgespart werden, liefert die Zusammenstellung der Exponate "Wissen pur", das  man auf engem Raum nicht so schnell woanders öffentlich geboten bekommt. Nutzen Sie diese Gelegenheit unbedingt.
Problematisch ist die hohe Anzahl an Exponate. Was heißt das? Sofern für Ihren Besuch der Geosammlung nur ein einziger Tag zur Verfügung steht, so sollten Sie sich entscheiden, ob Sie sich mehr an den Schönheiten der Kristalle erfreuen oder Ihr Wissen in lagerstättenkundlichen Themen aufbauen oder auffrischen wollen. Möchten Sie beides, bleibt ein Aspekt mit Sicherheit auf der Strecke, es sei denn, Sie rennen durch die Gänge zwischen den Vitrinen. Schon nach Besuch des Systematik-Raumes werden Sie einen  gewissen Sättigungszustand erreicht haben; die Lagerstättensammlung werden Sie dann anschließend eher lustlos durchstreifen und die Exponate nur oberflächlich wahrnehmen. Umgekehrt, also zuerst Lagerstätten, danach Systematik (und Harz) gilt das genauso. Ich denke an meinen Besuch der Mineraliensammlung im Berliner Naturkundemuseum zurück, in der "nur" 4.000 Proben der Öffentlichkeit gezeigt werden, und an meinen Zustand danach, den ich nur als "groggy" bezeichnen kann. Erinnern Sie sich: In Clausthal werden mehr als die doppelte Anzahl Exponate geboten. Wenn möglich, sollte die Geosammlung an zwei (oder mehren) Tagen erkundet werden. Die als "lächerlich niedrig" zu bezeichnenden Eintrittspreise von 1,50 Euro (für Erwachsene) und 1,00 Euro (für Studenten, Schüler und Behinderte) sollten dabei kein Hinderungsgrund sein.

Weitere Informationen:


Vor über 10 Jahren wurde die Geosammlung, wie in Teil 1 kurz angerissen, um die Abteilungen Erdgeschichte, Paläontologie und Naturgeschichte des Harzes erweitert. Hierfür hatte die damalige Hochschulleitung Räume und Flächen zur Verfügung gestellt, die jetzt anderen Zwecken dienen sollen. Im Rahmen anstehender Umbaumaßnahmen und der geplante Einzug der NTH-Geschäftsstelle soll die Geosammlung "auf frühere Ausmaße reduziert" werden.
Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang ein Manko beseitigen, das vor allem die Interessenten an den Lagerstätten und Minerale des Harzes betrifft: Die Exponate sind momentan auf 4 Räume verteilt. Manche Stufe aus der Systematik wünschte man sich im Raum der Harz-Sammlung, manche Lagerstätten-Stufe wäre in der Systematik besser aufgehoben. In der Naturgeschichte des Harzes liegen auch noch Proben herum. Es ist mühsam, sich einen umfassenden Überblick zu verschaffen, besonders wenn man, wie oben geraten, die Geosammlung an zwei Terminen besucht. Hier liegt leider Einiges im Argen. Nachdem die in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene, aber eine wichtige Lücke schließende Mineralien-Ausstellung im Goslarer Museum so-mir-nichts-dir-nichts verschwunden ist, sollte der Bereich der Harzmineralogie bedeutend und merklich mit besseren und neuen Stufen aufgewertet werden. Spenden und Leihgaben werden gerne vom Kustos der Geosammlung angenommen.




Wer noch nicht genug Steine angeguckt hat, der wird auch in der sehenswerten und bedeutenden Marktkirche (zum H. Geist), die größte Holzkirche in Deutschland, gegenüber fündig: Zwischen Altar und Bänken befinden sich noch vier weitere typische Proben aus dem Oberharzer Gangerzbergbau. Aber auch so lohnt ein Blick hinein.

Abb. 48A bis 48C
Marktkirche Clausthal

Vis-à-Vis befindet sich das Amtsgebäude des ehemaligen "Oberbergamtes" (heute: Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie), genauso sehenswert. Folgende Bilder als kleiner "Rausschmeißer" und Endpunkt vom meinem Besuch der Geosammlung in Clausthal:


Abb. 49A bis 49C
Gebäude des "Oberbergamts" in Clausthal

Abb. 50:
Am Torflügel zum Innenhof des "Oberbergamtes"







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