Donnerstag, 12. Dezember 2013

Mineralogisches Museum Hamburg (8)




Viel Licht

Meine Bilderserie in den Teilen (2) bis (6) zeigt einen nicht-repräsentativen Querschnitt der Ausstellung. Ich denke, sie verdeutlicht die gelungene Umsetzung eines eher nicht alltäglichen Museumskonzeptes. Bei vielen Museen ist mehr die mineralogische Systematik dominierend (z.B. in Berlin und Clausthal) oder sie sind regional ausgerichtet. Die „Show“ tritt dort aber zurück. Im Hamburg verfolgt man dagegen ein Konzept, bei dem die Exponate als schöne, einzigartige Kunstwerke der Natur präsentiert werden, ohne dabei den Weg der Wissenschaft zu verlassen. Man kann das Mineralogische Museum in der Hansestadt mehr als Galerie verstehen, die den Besucher in einer abwechslungsreichen und unterhaltsamen Schau in die Materie Geowissenschaften (mit Schwerpunkt Mineralogie) einführt. In Freiberg hat man dieses Konzept mit der „terra mineralia“ aufgegriffen.

… aber auch einiger Schatten

Aber ich bin nicht nur des Lobes! Die Sonderausstellung zum Zeitpunkt meines Besuches - „Kupfer, Kupfererze und Kupferminerale“ - gefiel mir überhaupt nicht. Grund hierfür waren nicht die Exponate selbst, sondern deren absolut ungünstige Präsentation in den Pultvitrinen mit einer unvorteilhaften seitlichen Beleuchtung. Da wirkten die Stufen eher flach und fahl. Auch die Anordnung der Exponate in den Vitrinen wirkte – im Gegensatz zu den Schaukästen oder Vitrinen der afrikanischen Fundstellen – eher unvorteilhaft und krampfhaft bemüht. Vielleicht resultiert mein Missfallen auch aus der Reihenfolge der angeschauten Vitrinen; ich hätte die Sonderausstellung zuerst angucken sollen.
Etwas enttäuscht war ich auch von der Vitrine mit den Stücken vom Mont Saint-Hilaire (MSH), da hatte ich mehr erwartet.


Bild 107:
Blick in eine der Pultvitrinen

Bild 108:
Ged. Kupfer mit Calcit von der Central Mine, Lake Superior,
Michigan (U.S.A.)

Bild 109:
Chalkopyrit mit Quarz. Fundort: Cerro Blanco, Vallenar bei
Copiapo (Chile). Bildbreite ca. 15 cm


Im Obergeschoss befindet sich im Zentrum der ringförmig angeordneten Vitrinen des weiteren ein Standvitrinen-Komplex, in denen die aktuelle Forschungsarbeit, eigene wissenschaftliche Publikationen und vom Hamburger Uni-Institut neu entdeckte Minerale vorgestellt werden. Diese Selbstdarstellung ist nicht verkehrt und wird von mir nicht bemängelt. Ich hätte es besser gefunden, dass diese Ausstellungsteile in einige der Pultvitrinen unterkämen und man die Sonderausstellungs-Exponate dafür in die Standvitrinen verlagerte. Vielleicht so als Anregung ….

Auch dieses Museum hat mit Etat- und Personalengpässen zu kämpfen. Deutlich wird dieses besonders an der eingeschränkten Öffnungsdauer. In der Woche stehen dem Besucher derzeit nur 10 Stunden zur Verfügung. Zahlreiche Sponsoren, Stiftungen sowie der Verein zur Förderung des Mineralogischen Museums e.V. sorgen im Hintergrund dafür, dass die Schausammlung auch am Sonntag für 7 Stunden geöffnet ist.
Man kann nicht verschweigen, dass den Vitrinen und dem Interieur unübersehbar noch viel Mief der 60’er und 70’er-Jahre des letzten Jahrhunderts anhaftet; ein Facelifting an einigen Stellen täte der Ausstellung gut. Bei den Exponaten besteht kein Handlungsbedarf, denn diese sind (fast durchgehend) von außergewöhnlich hoher und bleibender Qualität. Der Etat wird dieses wohl nicht zulassen.

Während der Öffnungszeit am Mittwoch können Besucher ihre Eigenfunde von Experten kostenlos begutachten lassen. Darüber hinaus werden zerstörungsfreie Echtheitsprüfungen und Gutachten an Edelsteinen, Schmucksteinen und speziell Perlen durchgeführt bzw. erstellt.

Der Eintritt ist an beiden Besuchstagen frei. Warum man keine Eintrittsgelder verlangt, wie z.B. die TU in Clausthal (wenn auch eher nur symbolisch, aber immerhin), konnten mir die Aufpasser am sonntägigen Termin auch nicht erklären. Gab’s da irgendwo eine Spendenbox? Vielleicht habe ich sie übersehen. Dafür habe ich vom Angebot des kleinen „Shops“ am Eingang Gebrauch gemacht und einige Druckschriften und Bücher erstanden. Die Einnahmen kommen dann wenigstens über Umwegen dem Museum zu Gute.

Eine klare Empfehlung zum Besuch!




MINERALOGISCHES MUSEUM
Grindelallee 48
20146 Hamburg
Leitung: Prof. Dr. Jochen Schlüter (EMail) *  
Telefon: (040) 42838-2058/-2051

Mehr - darunter ein 360°-Panorama - unter: Link


 Zu guter Letzt

Wer schon einmal in Hamburg weilt, sollte sich – sofern ein wenig Interesse an alten Industriebauten und moderner Architektur besteht - die Zeit nehmen und durch die sehenswerte Speicherstadt und den Neubaukomplex um die Hafencity schlendern. Allein schon deshalb lohnt eine Fahrt in die Hansestadt. Mit dem Mineralogischen Museum hätten Sie einen Grund mehr.

Zum Vergrößern bitte anklicken

 
KEIN Knick in der Optik

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* Mikromineralsammlern wohlbekannt durch seine Publikation zu den Mineralien von Hagendorf/Oberpfalz




 

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