Sonntag, 29. Mai 2011

Fundstellen am Innerste-Stausee (3)


Im Gegental

Irgendwie habe ich meine Funde doch im Rucksack verstauen können. Meine Notration Toilettenpapier musste als Schutz empfindlicher Stufenteile herhalten. Viele Stufen lagen aber lose ohne Verpackung, entsprechende "Verluste" nahm ich Kauf.

Weiter geht es bei fast 30°C auf der westlichen Stausee-Seite in Richtung Staumauer. Links oberhalb des Weges konnte man erste Pingen auf dem Gegentaler-Gangzug erblicken. Na ja … "erahnen" wäre wahrscheinlich passender: sie sind alle stark zugewachsen und mit Laub gefüllt. Ihre Lage entspricht aber den Angaben der in Teil 1 genannten Karte (auch nach 30 Jahren) noch mit hoher Genauigkeit. Eine Suche im Randbereich der Vertiefungen brachte leider keine Mineralfunde, die man in eine Sammlung einreihen sollte.

Am Innerste-Stausee. Blick zur Staumauer
Am Innerste-Stausee. Blick zurück zur Halde des 
Friederiken-Stollens (Pfeil)
Am Innerste-Stausee. 
Blick nach Westen in das Gegental

Kurz bevor die Uferstraße an einer markanten Landzunge im Stausee nach links biegt, nutze ich die Gelegenheit des sehr niedrigen Wasserpegels und steige zu einem recht markanten Riff am Ufer herab. Steilgestellte Tonschiefer aus dem Devon (Nehden-Stufe) mit starker Griffelbildung sowie alte ausgeblichene Baustümpfe dazwischen sind farblich nicht voneinander zu unterscheiden. Die Felsspartien liegen die meiste Zeit des Jahres unter Wasser. Vis-à-vis liegt auf der anderen Seeseite der Gasthof "Berghof".

Zurück auf die Uferstraße, die ich kurz darauf wieder verlasse und in das Gegental hineingehe. Nach MOHR (1975)(*) soll unmittelbar nach der Wegegabelung an einer hohen Wegeböschung der Oberharzer Kersantitgang durchstreichen, der schon die Geologen im ausgehenden 19. Jahrhundert stark beschäftigte. MOHR beschreibt den Kersantit (heute: als Silizium-reicher, shoshonitischer Lamprophyr  bezeichnet)als "meist tiefschwarzes Gestein mit bräunlicher Verwitterungsrinde. In der Grundmasse schwimmen stellenweise glasglänzende Quarze. Auffällig sind auch hellgrüne unregelmäßige Flecken aus Serpentin".
Die Lage des Ganganschnittes ist gut erkennbar. Leider ist der Aufschluss stark verwachsen. Von einer Probenahme des Gesteins sehe ich deshalb ab. Weiter talaufwärts – an einem Geotop - soll der Gang ja erneut aufgeschlossen sein. Ich gehe davon aus, dass dort bessere Aufschlussverhältnisse vorliegen.

Verwachsener Kersantitgang am Taleingang

Fundstelle: Pingen und Halden am Hoffnungsstollen

Der Weg im Gegental steigt nur leicht an. Mein Marschgepäck macht sich bislang kaum in den Beinen bemerkbar. Ca. 150 m weiter quert ein kleiner, von Süden kommender Bachlauf die Gegentalstraße (wie sie ausgeschildert ist). Der Bach ist ausgetrocknet, die Brücke ist kaum als solche erkennbar. Nur ein Holzpflock mit blauer Farbe angemaltem Kopf zeigt den Bachlauf an. Hier, unmittelbar am Bachlauf soll hangaufwärts, inmitten eines umfangreichen Pingenfeldes das ehemalige Mundloch des Hoffnungsstollens liegen. Aus diesem wurde zeitweilig das hereingewonnene Eisenerz des Gegentales gefördert.
Ich verlasse den Weg und steige weglos den Hang hinauf. Das Gelände wirkt extrem zerfurcht und wellig. Durch die enormen Mengen an Buchenlaub am Waldboden lässt sich kaum eindeutig klären, ob die Furchen Pingenzüge, stark erodierende, temporäre Bachläufe (bei Starkregen) oder alte Wirtschaftswege der alten Köhler darstellen. Baumstämme und Reisig – beide gerne von den Forstarbeitern zum Abdecken alter Bergbauanlagen benutzt – liegen wild durcheinander. Nach einigen Stunden Auf-und-Ab quer durch den Wald gelang es mir trotz detailliertem Kartenwerk und ausgeprägtem Orientierungssinn nicht, das Mundloch ausfindig zu machen. Mit einem GPS-Gerät hätte ich mich bestimmt leichter getan, denn die Koordinaten waren bekannt: R 3587380 bis R 3587371 / H 5753510 bis H 5753474). Vielleicht waren die beiden stark voneinander differierenden Hochwerte die Ursache meines Scheiterns.

Waldstück am Hoffnungsstollen

Trotzdem war die Suche nicht ganz erfolglos. Tief im Wald, mitten in dem zerfurchten Gelände fanden sich ab und an kleine Haldenreste. Obwohl teilweise von dichtem Laub bedeckt, konnte das erfahrene Auge diese schnell ausmachen. Leichtes, oberflächliches Kratzen an der Haldenoberfläche brachte dann erste Quarz- und Brauneisenerzstufen zum Vorschein, von der die eine oder andere ihren Weg in den Rucksack fand. Da ich mich im Landschaftsschutzgebiet befinde, respektiere ich das Verbot von Grabungen bzw. der Beschädigung des belebten Bodens.  "Ausgedehnte Halden", wie mancherorts beschrieben, kann ich nicht bestätigen. Es wäre aber möglich, dass sich diese unter einer dicken Laub- und Erdschicht befinden und nicht sofort als solche erkennbar sind.  

Haldenrest (Pfeil), 
Pingenzug am Hoffnungsstollen
Haldenrest


Fundstelle: Halden am Schwarzenberg-Stollen


Durch den hohen Buchenwald geht es hangabwärts zurück zur Gegentalstraße. Ich erreiche nach wenigen Minuten die in mancher Fundstellenliteratur beschriebene Wildfütterung bzw. Hütte auf der linken Wegeseite. Hier sollen sich einerseits rechts der Straße Pingen und Halden befinden, die eine Suche nach kleinen Bergkristallen und Glaskopf lohnen sollen. Nach meiner Karte war an fast gleicher Stelle ein Schlackenplatz verzeichnet. Andererseits sollen sich auch hier mineralhöffige Halden links (hangaufwärts), quasi schräg hinter der Hütte befinden. Letzteres war sehr wahrscheinlich, weil sich hier (R 3587215 bis R3587220/ H5753685 bis H5753700 / auf 292 m üNN. ) das ehemalige Mundloch des Schwarzenberg-Stollens  liegt. Es ist gut im Gelände zu erkennen, obwohl es sich unter einer dicken Laubschicht versteckt. Eine tiefe Einsturzpinge unmittelbar hinter dem Mundloch zeigt an, dass der vordere Bereich des Stollens verbrochen sein mag. In unmittelbarer Umgebung konnte ich allerdings keine Mineralfunde tätigen.

Wildfütterung/Hütte
Schwarzenberg-Stollen. 
Mundloch und Stollenpinge (Pfeil)

Die Bereiche rechts der Straße sehen da schon lohnender aus. Die kleine bohnenförmige Halde unmittelbar neben der Straße ist durch seinen abweichenden Bewuchs schnell zu erkennen. Allerdings mischen sich hier neben hohen Brennnesseln auch dichte Brombeeren. Ein oberflächliches Scharren an den Haldenflanken brachte einige Funde zu Tage. Allerdings entsprachen diese nicht meinen Vorstellungen (und Erwartungen). Auf weitere "Aktionen" habe ich dann nicht zuletzt aus Gründen des Grabverbotes verzichtet. Ich nehme aber an, dass die Halde noch für mache nette Funde gut sein sollte …
Den Schlackenplatz habe ich (heute) nicht weiter verfolgt, da er recht unzugänglich im Unterholz am Bach zu liegen scheint.

Am Geotop 4027/01
Kurz nach der Wildfütterung/Hütte zweigt von der Gegentalstraße in einer Kehre ein breiter Wirtschaftsweg ab. Ich halte mich zunächst rechts (in östlicher Richtung), um - "an kulmischen Grauwacken, Posidonienschiefer und Kieselschiefer"  vorbei" (*) -  zum Geotop 4027/01 
zu gelangen. Kurz vor der Wegebiegeung stehen an einer hohen Böschung Kieselschiefer an, die vom Kersantitgang durchschlagen werden, den ich schon weiter unten im Tal anschauen wollte. Es macht schon ein bisschen Mühe, den Gang zu lokalisieren. Wer ein Schild "Achtung Geotop. Bitte nicht verändern" oder so ähnlich erwartet hat, wird bitter enttäuscht. Die ganze Sache spielt sich unspektakulär hinter einer kaum einsehbaren Stelle mit hohem Bewuchs ab. Kersantit bzw. Lamprophyr konnte ich oberflächlich nicht erkennen, der eigentliche Gang scheint verschüttet bzw. zugewachsen zu sein. Zum Freilegen hatte ich auch keine Lust mehr. Enttäuscht ging ich wieder zur Wegegabelung an der kleinen Hütte im Gegental, um anschließend der Gegentalstraße weitere 250 Meter bis zu einer scharfen Linkskehre zu folgen.


Fundstelle: Schlackenplatz bei "Schwarze Kappe"

Schlackeplatz an der "Schwarzen Kappe" 
(Bachbett)
Schlackeprobe. Bildbreite 5,6 cm
 

Ich verlasse die breite Gegentalstraße und folge der Fahrspur auf der rechten Seite des Baches noch etwa 50 m. Ich hatte die Suche schon aufgegeben, aber nach einigen Minuten gelang es mir doch, das erste kleine Stück Schlacke zu finden. Dann ging es Schlag-auf-Schlag: Auf einem kleinen Areal ließen sich mühelos bis handtellergroße Stücke erkennen. Nach Zerteilen auf dem weichen Waldboden zeigten sich diese allerdings recht "inhaltsarm". Der erste Fund eines grün-blauen Schlacke-Stückes ließ dann mein Jagdfieber steigen, die stundenlangen Strapazen vorher vergessen. Schon das erste bunte Stück wies eine prachtvolle Kupfer-Mineralisation neben eingeschlossenen Holzkohlestückchen auf. Bald war das nächste Fach im Rucksack gefüllt. 

Die Fundstelle
Schlacke im ausgetrockneten Bachbett
Ich verlagerte meine Aktivitäten zum ausgetrockneten Bachlauf. Dort nahm die Anzahl der grün-blau verkrusteten Schlacke-Stücke signifikant ab. Dafür fanden sich aber Schlacke-Fladenstücke bis 25 cm Durchmesser mit einer bekannten Mineralisation von Aragonit, Gips, Goethit u.a. (alle in Kristallen).

Schlackeprobe, aufgeschlagen. Bildbreite 5 cm
Schlacke mit Kupfer-Mineralisation. Bildbreite ca. 4 cm

Aufgrund der Kupferreste in der Schlacke kann man davon ausgehen, dass die Schlacke nicht beim Verhütten von Erz aus diesem Bereiches des Gegentaler-Gangzuges stammt, da kupferhaltige Erze erst in großen Teufen in den 30'er-Jahren des letzten Jahrhunderts gefunden wurden. Der "Altbergbau" fand nur oberflächlich statt und ist auch jüngeren Datums.
Das Erz der hier gefundenen Schlacke könnte entweder vom östlichen Teil des Gegentaler-Gangzuges – heute auf der Ostseite des Innerste-Stausees – z.B. von der Grube St. Anna im Ochsental oder sogar vom Rammelsberg, der nicht sehr weit entfernt ist, stammen. Die Schlacke wäre demnach als früh- bis mittelalterlich zu bezeichnen.
Zuhause ließen sich - neben 11 Unbekannten - viele typische Kupfer-Schlackenminerale bestimmen, wie z.B. Malachit, Brochantit, Cuprit, ged. Kupfer und Serpierit. Vermutet werden weiter Beudantit, Posnjakit und Schulenbergit.

Schlacke mit Kupfer-Mineralisation. Bildbreite ca. 4 cm
Auf die geplante Begehung des westlichen Bereiches des Pingenzuges habe ich dann doch verzichtet. Auch die weiteren Schlackenplätze (am Lindtalskopf und Vereinsweg) ließ ich aus. Der Rucksack war voll, langsam dehydrierte ich. Zeit für den Rückweg zum Parkplatz, den ich erschöpft nach 35 Minuten erreichte.



Ein kleines Fazit:
  • Die Suche auf der Halde des Friederiken-Stollens am Ufer des Innerste-Stausees lohnt sich immer noch, wenn der Wasserpegel niedrig ist;
  • Die wenigen Halden im Gegental könnten noch aussichtsreich sein, wenn nicht die Belange des Landschaftsschutzes dem entgegenstünden;
  • Sofern man Schlackenminerale sammelt, scheint hier noch der Tisch reicher gedeckt zu sein, da die Plätze im Gegental nicht im Fokus der Sammler stehen. Bei der oberflächlichen Suche gerät man auch nicht in Konflikt mit dem Landschaftsschutz.
  • Suche die entferntesten Fundstellen zuerst auf, nimm ausreichend Proviant und Verpackungsmaterial mit. Spare dafür an Ausrüstung: Ein kleiner Pickhammer reicht hier völlig aus.
Noch zwei Hinweise zum Schluss:
Ich habe überlegt, ob ich nicht ein Fahrrad mitnehmen sollte. Nachträglich wäre das gar nicht so abwegig gewesen, sofern ich meine Suche auf die Halden am Friederiken-Stollen und den einen Schlackenplatz beschränkt hätte. Das Gelände ist Montainbike-freundlich. Auf der Uferstraße bietet sich sogar ein kleiner Fahrradanhänger an, der reichlich mit Glaskopf und Siderit bepackt werden könnte.
Kurz nachdem ich mein Wagen erreichte, kam ein Dienstfahrzeug der Nieders. Landesforsten vorbei bzw. hinterher. Rechnen Sie auch an Sonn- und Feiertagen mit Kontrollen der Forstbehörden! Was Sie als Mineralsammler im (West-)Harz dürfen – und was nicht – schreibe ich in Kürze in einem weiteren Artikel in diesem Blog.

Bis dahin, Glückauf und gute Funde.



(*): MOHR: "Geologische Wanderungen rund um die Westharzer Talsperren", Clausthal-Zellerfeld, 1975




Dienstag, 24. Mai 2011

Fundstellen am Innerste-Stausee (2)



Funde vom Gegental-Schacht und Friederiken-Stollen


Hier möchte ich einige Eigenfunde vorstellen, die ich nur zum Fotografieren schnell mit Wasser abgespült habe.

Brauner Glaskopf. Grube Friederike, Langelsheim, Harz. 
Bildbreite 5,0 cm
Brauner Glaskopf. Grube Friederike, Langelsheim, Harz. 
Bildbreite 5,6 cm

Quarz-Kristalle. Grube Friederike, Langelsheim, Harz. 
Bildbreite 4,5 cm
Quarz-Kristall, mit Fe-Mn-Oxiden überzogen. 
Grube Friederike (Gegental-Schacht), Langelsheim, Harz. 
Bildbreite 3,4 cm
Gangquarzstück mit kleinen Kristallen. 
Grube Friederike (Gegental-Schacht), Langelsheim, Harz. 
Bildbreite 3,4 cm
Quarz-Kristalle mit unbest. Mn-Oxiden. 
Grube Friederike (Gegental-Schacht), Langelsheim, Harz. 
Bildbreite 2,0 cm

Fundstellen am Innerste-Stausee (1)


Steigertal, Gegental-Schacht und Friederiken-Stollen

Der Innerste-Stausee. Blick nach Norden zur Talsperre

Nach umfangreichem Studium des Fachschrifttums und Be-/Ausnutzen etlicher Online-Kartendienste fuhr ich bestens vorbereitet in den frühen Morgenstunden zum südlichen Ende des Innerste-Stausees in der Nordwest-Ecke des Oberharzes. Hier befindet sich – auch als Ausgangspunkt für geologisch-mineralogische-montanhistorische Exkursionen – ein kleiner Wanderparkplatz auf der Westseite der Fahrstraße zwischen Langelsheim und Lautenthal. Besonders bei schönem Wetter sind die wenigen Plätze schnell belegt. Unzählige Jogger, Spaziergänger, Mountainbiker, Angler, Badegäste und vielleicht auch der eine oder andere Mineralsammler versuchen, für ihr Fahrzeug einen Stellplatz im schattenspendenden Unterholz zu ergattern.

Mit mittelschwerem Hammer, Knieschoner, Geleucht ;-) und nur einer 0,5-Liter-Wasserflasche im Rucksack ging es mit meinen präparierten Karten und detaillierten Wegbeschreibungen und Grubenrissen auf den asphaltierten Weg auf der Westseite des Stausees nach Norden (in Richtung Staumauer). Das Programm für diesen Tag war proppenvoll: Meine Selbstbau-Topographie-Karten enthalten zwischen 150 und 200 Meilerplätze der alten Köhler, 5 Schlackenplätze sowie die detaillierte Lage von ca. 80 Pingen und 5 Stollen- und Schachtbauwerken des aufgelassener Bergbaus auf dem Gegentaler-Gangzug. Letzteren galt natürlich mein Hauptaugenmerk. Aber auch einige Meilerplätze standen auf der Liste.


Während des Fußmarsches öffnete sich öfters eine kleine Schneise in der Ufervegetation und gab den Blick auf einen nicht sonderlich gefüllten Stausee frei. Nach ca. 850 Meter Wegstrecke erreiche ich die Einmündung des Steigertals. Hier bot sich erstmals das Herabsteigen zum Stauseeufer an. Alte Baumstümpfe, die Überreste befestigter Wege und der alten Bahnlinie sind beim niedrigem Wasserstand erkennbar.



Ich folge dem Weg in das Steigertal. Bereits nach ca. 150 Meter erkenne ich beiderseits des Weges alte Hohlwege der alten Köhler, die hier an etlichen Stellen - meist in Bachnähe - ihre Meilerplätze errichteten. 600 Meter Fußweg weiter verlieren sich die letzten Spuren der Köhler.
Entgegen manchem Schrifttum und einigen Internetseiten liegen hier links des Weges keine stark verwachsenen Halden des Bergbaus auf den Gegentaler-Gangzug. Das verwundert auch nicht weiter, denn der Gang streicht erst 650 m weiter nördlich von NW nach SE und ist durch einen umfangreichen Pingenzug gut im Gelände verfolgbar. Im Steigertal selbst sind keine Halden zu erkennen (und waren eigentlich auch nicht zu erwarten).
Unmittelbar nördlich der Weggabelung zwischen der Uferstraße (manchmal auch als Lindtal-Weg bezeichnet) und der Steigertalstraße liegen etwa 20 Höhenmeter über dem Wegeniveau sichtbar 2 große und 2 kleinere Vertiefungen, die man nur weglos erreichen kann. Der detaillierten Karte im Werk "Köhlerei im Harz" von A.v. Kortzfleisch nach stellen die vier Aufschlüsse "Pingen auf dem Gegentaler Gangzug" dar. Meine Zweifel an der Richtigkeit dieser Annahme möchte ich zum Ausdruck bringen. Weder im anstehenden Schiefer des Pingenbereiches noch im Schotter hangabwärts ist eine Mineralisation erkennbar. Der Schiefer ist stark "gegriffelt". Kein Quarz, keine Erzspur, kein Limonit. Dafür: alte Teppichreste, Glasflaschen, ein zerbrochener Schutzhelm. Pingen? Mini-Steinbruch? Egal, für Mineralsammler oder Montanhistorisch-Interessierte nicht lohnenswert.

400 Meter Fußweg weiter auf der Uferstraße erkennt man bald links, etwas zurückgesetzt, ein Trafohaus. Kurz darauf mündet von Westen das nächste Nebental ein. Ich verlasse hier die Uferstraße und nehme den sehr kurzen Weg in das Fäkensteintal, der alsbald in einer kleinen Rechtskurve endet. Hier befindet sich der Gegental-Schacht, der von 1937 bis 1940 durch die Preussag AG ca. 213 Meter abgeteuft wurde, um den Gang nach Auffahren eines Querschlages auf sulfidische Erze zu untersuchen. Geringe Erzanbrüche und starke Wasserzuflüsse brachten das Vorhaben zum Erliegen.
Heute dient der Schacht zur Trinkwassergewinnung der Harzwasserwerke. Ein kleines Gebäude und ein Schachtdeckel innerhalb einer Umzäunung zeigen den ehemaligen Standort des Schachtes an.

Am ehem. Gegental-Schacht
Überbleibsel der ehem. Tagesanlagen-Infrastruktur
 
Der Bereich südlich und östlich des Schachtes wurde anscheinend abgeschoben und planiert. Unter den heute stark überwucherten Bereichen lassen sich neben alten Betonbauwerksresten der ehemaligen Tagesanlagen auch Kuriositäten entdecken, z.B. eine alte Absperrarmatur unter der Wurzel einer imposanten Fichte.


Fundstelle: Halde am Gegental-Schacht der Grube Friederike

Östlich und südlich des Schachtes – im Feld zwischen der Uferstraße am Innerste-Stausee und dem kleinen Zugangsweg ins Fäkensteintal - liegen im Unterholz kleine Halden vom ehemaligen Bergbau auf Eisenerze, die sich lohnen, genauer untersucht und ggf. besammelt zu werden. Mühelos ließen sich hier schöne Gangquarz-Stufen bis 6 cm Größe bergen. Diese sind öfters mit Limonit überkrustet, der sich aber leicht entfernen lässt. Aber auch farblose bis hellgelbe Quarz-Kristalle bis 8 mm Länge – gerne auch doppelendig ausgebildet – können von der Oberfläche gesammelt werden. Daneben gesellt sich mehr oder minder frischer, d.h. nur unwesentlich limonitiserter Siderit dazu. Auf kleinen Klüften des massiven Spates zeigen sich Rhomboeder bis 4 mm Kantenlänge (Kristallrasen) und Aggregate aus linsenförmigen Scheibchen, die mitunter schöne Micromounts ergeben. Daneben sind Siderit-Kristalle auf Klüften und in Hohlräumen des körnigen Gangquarzes häufig zu beobachten, allerdings zeigt sich hier eine sehr fortgeschrittene Limonitisierung.

Die Grube Friederike baute bis 1940 auf dem Gegentaler Gangzug auf Eisenerz. Anfänge des Bergbaus gehen auf das frühe 18. Jahrhundert zurück. Die Untersuchung erfolgte zunächst oberflächennah durch Pingen, später in mehreren Stollen und Sohlen.
Der hier im Grenzbereich Devon-Kulm auftretende Gang ist zwischen 0,5 und 4 m mächtig und zeigt auf einer streichenden Länge von 1,2 Kilometer (Friederiken-Stollen) keine Verwerfungen. In der Hutregion herrscht Mn-haltiger, mulmiger Brauneisenstein und Brauner Glaskopf vor. Mit zunehmender Teufe geht der quarzhaltige "Eisenstein" in hell- bis dunkelbraunen Eisenspat über. Dieser ist nach meinen Haldenfunden öfters zonar strukturiert. Nur spärlich wurden in großen Teufen auch Pyrit und Bleiglanz angetroffen; auf der Halde sucht man danach allerdings vergebens.

Wasserbauwerk am Fäkensteintal
 
Ich kehre zurück auf die Uferstraße und setze meinen Weg am Innerste-Stausee nach Norden fort. Nach kaum 100 Meter sehe ich rechts das eingezäunte Betonbauwerk der Harzer Wasserwerke, das häufig als Wegweiser im einschlägigen Fundstellen-Schrifttum oder in Online-Portalen genannt wird. Hier verlasse ich die Uferstraße und nehme den direkten Weg zum Wasser hinunter durch die üppige Ufervegetation.
Der kleine Trampelpfad von der Sitzbank kurz vor der Einzäunung mag der bequemere sein, um zum zum Kerngebiet der Halde an der Uferböschung zu gelangen. Mit fallendem Wasserpegel im Innerste-Stausee steht dem Mineralsammler hier ein stetig breiterer Uferstreifen zur Suche zur Verfügung.
Steigen Sie jedoch die kleine Granitsteintreppe am Wasserbauwerk hinab und kämpfen sich linkerhand durch das Unterholz zum See, so haben Sie bereits hier oben die Möglichkeit, auch bei hohem Wasserpegel im Stausee auf die Suche gehen zu können, denn dort beginnt unmittelbar die nächste

Fundstelle: Die Stollenhalde der Grube Friederike

Die folgenden Fotos sind bei einem Füllungsgrad der Talsperre von 58% aufgenommen worden und zeigen gute bis ausreichende Fundmöglichkeiten (Wasserpegel bei ca. 254,26 m üNN). Woher kenne ich den Füllungsgrad? Woher weiß ich vorher, ob ein ausreichend großes freies Haldenareal zum Sammeln freiliegt, oder ob ich mir doch nur nasse Füße hole (oder im Unterholz suchen muss)? Glücklicherweise veröffentlichen die Harzwasserwerke ständig aktualisierte Daten ihrer Talsperren, die online abrufbar sind. Diese enthalten neben dem Füllungsgrad auch absolute Wasserpegel (Stauhöhen) und die Zu- und Abflüsse in m³/s. Sammler mit längerer Anfahrt sollten diesen Service nutzen.


Mit fallendem Wasserpegel steigen also die Fundmöglichkeiten. Was hat die Halde zu bieten? Da das Material aus dem selben Bergwerk - der Grube Friederike - bzw. aus Grubenfelder im selben Grubenbezirk stammt, kann man auch hier Brauneisenerz und Quarz, wie kurz zuvor am Gegental-Schacht aufgesammelt, erwarten. Allerdings tritt hier der Eisenspat gegenüber dem Goethit bzw. Rubinglimmer ("Brauner Glaskopf") stark zurück. Pseudomorphosen von Brauneisen nach Siderit in Form kleiner Rhomboeder lassen sich hin und wieder beobachten.
Dominiert wird die Halde durch die reichhaltige Anzahl an Goethit-Glaskopf-Stufen, die durch hohe Mn-Gehalte mitunter tiefschwarz erscheinen. Kleine attraktive Stufen bis Streichholzschachtelgröße lassen sich mühelos von der auch mit Beton, Ziegelsteinen, Metallresten oder rezentem Strandgut (Badelatschen, Flaschen usw.) vermischten Halde aufsammeln. Mit einem Pickhammer lassen sich auch größere Stücke aus der Böschung herausziehen, allerdings finde ich diese als Micromounter, der lieber feine Kristallbildungen sehen möchte, eher unattraktiv. Das Graben sollte unterbleiben!
Schön ausgebildeten Brauner Glaskopf trifft man meistens an den Drusen- und Kluftwandungen innerhalb des Brauneisens an. 

Diese Stufe blieb liegen: Groß, aber unansehnlich
Der kam mit (und wird verschenkt):
Brauner Glaskopf, Stufenhöhe 15 cm
Siderit-Kristallrasen mit fortgeschrittener Limonitisierung;
Kristallgröße bis 6 mm.

Nach Schrifttum soll auch Hämatit in erdiger Form, als Gesteinsimprägnation und auch als Roter Glaskopf (unregelmäßige Verwachsungen mit Braunem Glaskopf) vorkommen. Schuppiger oder nadelförmiger Hämatit ist in Quarztrümern zu finden. Kupferkies, Pyrit und Malachit konnte ich bei meinem Besuch nicht finden.
Als weitere Sekundärmineralien sind Manganoxide und –hydroxide zu nennen. Nachgewiesen wurden schon früh Pyrolusit, Psilomelan und Manganit (vgl. STOPPEL & SPERLING, 1983). Erst in jüngerer Zeit kamen noch Rancieit und Kryptomelan hinzu (vgl. Lapis, Heft 4, 2006). Meine Mn-Mineralfunde habe ich noch nicht ausgewertet. Es waren aber einige brauchbare Stüfchen dabei.


Der Rucksack war schnell reichhaltig gefüllt und schwer. Der Glaskopf musste oft dem Siderit weichen, da ich als Micromounter andere Kriterien an meine Stufen anlege. Mein Getränkevorrat war durch die 2-stündige Suche auf der Halde bei schattenlosen 32 °C und hoher Luftfeuchte schnell aufgebraucht. Verpackungsmaterial hatte ich auch noch vergessen. Unerklärbare, eklatante Fehler, die eigentlich nur Anfängern und keine Sammler, die seit 30 Jahren unterwegs sind, passieren sollten. Auf meinem Plan standen noch die Fundstellen im nächsten Nebental, dem Gegental. 'Zurück zum Wagen' hätte einen Zeitverlust von ca. 45 Minuten bedeutet, allerdings auch einen leeren Rucksack und einen frischen Getränkevorrat. Die Stufen wollte ich auch nicht zurücklassen, um sie auf dem Rückweg aufzunehmen …

Also, Augen zu und durch! Was folgte war ein 7 km langer Fußmarsch – davon 95% im weglosen, steilen Gelände im Unterholz oder imposanten Buchenwäldern – mit der Überwindung von etwa 600 Meter summierter Höhenunterschied, mit 25 kg Eisenerzstufen auf dem Puckel und ohne Verpflegung und Verpackungsmaterial.  

Doch davon später.