Montag, 28. März 2011

Fundstelle: Rohden (Wesergebirge)


Saisonauftakt! Endlich!
Der Steinbruch Rohden, nördlich von Hess. Oldendorf im Naturpark "Weserbergland Schaumburg-Hameln" gelegen, stand auf meiner Liste ganz oben, ist doch nach meinen letzten Besuchen 2006, 2007 und 2008 viel Zeit vergangen.
Im Weserbergland liegen die nördlichsten Hartsteinvorkommen Deutschlands. Die Steinbruchindustrie gewinnt in mehreren Betrieben kalkhaltigen Korallenoolith und greift daher nicht unerheblich in das Landschaftsbild und den Naturhaushalt ein. Der Steinbruchbetrieb in Rohden am Möncheberg wurde am Ende des letzten Jahrhunderts nach Bürgereinwänden durch amtliche Verfügung stillgelegt bzw. gestundet Ein aktiver, geordneter Abbau findet seitdem nicht mehr statt. Die Abbaurechte liegen weiterhin beim heutigen Besitzer, der Wilh. Werhahn KG, die auf dem Steinbruchgelände über ihr Tochterunternehmen DEUTAG ein Asphaltmischwerk unterhält. Genehmigungen sollten hier eingeholt werden.

Frostwirkung
Frisch geschossenes Material kommt deshalb nicht mehr nach. Das Anstehende ist aber sehr brüchig. Seit 2007 durchzieht und umgibt den Steinbruch ein stacheldrahtgekrönter Maschendrahtzaun, der den Zugang zu den gefährlichsten Zonen unterbinden soll. Im südwestlichen Teil auf der untersten Strosse ist allerdings weiterhin ein direkter Zugang zu den Steilwänden möglich. Auch hier ist mit erheblichem Steinschlag – besonders im Frühjahr nach der Schneeschmelze - zu rechnen. Diese Gefahr ist aber unsere Chance auf "frisches Material" (s. obige Abb.).


Nach meinen Erfahrungen (aus 2006) ist das Material hinter dem Zaun, auch auf den höheren Strossen, für Mikromineralsammler sehr uninteressant. Die besten Fundmöglichkeiten gab und gibt es immer noch vor der Absperrung bzw. im frei zugänglichen Bereich.

Der Steinbruch Rohden ist für eine überschaubare Reihe eher "alltäglicher" Mineralien bekannt geworden. Diese stellen sich aber in überdurchschnittlich schöner Ausbildung dar, was uns Mikromineralsammler sehr erfreut (s. unt.).

Kartenausschnitt und Luftbild (ergänzt, nach Google-Maps)
Nachdem ich die BAB A2 zwischen Hannover und Dortmund an der Anschlussstelle Nr. 36 „Rehren / Hess. Oldendorf“ verlassen habe, folgte ich der nach „Hessisch Oldendorf“ ausgeschilderten Straße nach Süden. Die Aufbereitungsanlagen der DEUTAG erkenne ich kurz darauf im Wäldchen auf der rechten Straßenseite. Unmittelbar danach befindet sich die Zufahrt zum Steinbruchgelände.
Rechts der Wiegeanlage führt eine befestigte, weiter ansteigende Zufahrtstraße an den Silos vorbei zu den Zwischenlagerplätzen der Zuschlagsstoffe. Hier eröffnet sich ein erster Blick auf das Anstehende.

Hier links halten
Stand 2007

Hier einige weitere Impressionen der Fundstelle:
Nordwestbereich (eingezäunt)
Fundbereiche links und im Hintergrund
Zugänglicher Südwestbereich    
Fundbereich rechts
Der gestundete Steinbruch bietet auf der untersten Strosse in Gesteinsklüften und in Hohlräumen von Fossilien immer noch geringe Fundmöglichkeiten für den Mikromineralsammler – allerdings erst nach hohem Such- und Klopfaufwand. Etwas einfacher und vielversprechender gestaltet sich die Suche im Sturzmaterial vor den zugänglichen Steilwänden (Helm aufsetzen!). Frisches, nicht angewittertes, drusen- und kluftreiches Material kann man hin und wieder mit viel Glück ohne Grabungsarbeiten entdecken. Offenliegende Drusen bzw. Klüfte sind meist angewittert und lohnen nicht der Mitnahme. Das gute Material (bis 2006) – auch für den Normal- und Großstufensammler –
ist leider knapp geworden; die Fundzeiten mit äußerst attraktiven gelben Sphalerit-, großen Coelestin-, Quarz- und Markasitkristallen sind bis auf weiteres vorbei.


Handstück mit Kluftfüllung aus Dolomit, Calcit Quarz und Markasit
Druse im Anstehenden


Nachgewiesene Minerale (in alphabetischer Reihenfolge):

Aragonit
Selten in kleinen lanzettförmigen, farblos bis milchig-weißen Kristallen bis 1 mm; als Sekundärbildung neben Calcit
"Asphalt"
als Imprägnationen im Korallenoolith; unscheinbar, selten, uninteressant
Baryt
Grauweiße Lamellen auf Calcit, selten mit Endflächenbegrenzung; kann leicht mit Strontianit verwechselt werden; nicht häufig.
Calcit
meist abgeflachte Skalenoeder, aber auch nadelig und tafelig; in vielen flächenreichen Kombinationen. Wasserklare und trübweiß; Zwillinge häufig; bis 15 mm; In Calcit-Auskleidungen der Lagerklüfte des Anstehenden kommen nach Entfernen des Lehms hin und wieder nette Kristallrasen, z.T.  lose Kristallspitzen,  (Skalenoeder, mehrere Generationen übereinander) vor.
Chalkopyrit
Winzige xx auf Calcit und Dolomit, eher selten; Malachit konnte ich noch nicht entdecken.
Coelestin
Milchig-weiße, öfters auch farblose (mit leichtem Blaustich), tafelige xx in typischer Tracht in Vergesellschaftung mit Calcit
Dolomit
Einzelrhomboeder bis 8 mm; weiß, fleischfarben gelb verfärbt, typisch sattelförmig gekrümmte Kristallaggregate bis 2 cm freistehend;
Auch körnig, grobspätig.
Fluorit
Sorry, hierzu liegen mir keine Funde und Beschreibungen vor.
Gips
Selten in kleinen nadeligen, farblos bis milchig-weißen Kristallen bis 0,5 mm, als Verwitterungsbildung neben Pyrit und Limonit; sehr unscheinbar. Auf Rostfahnen auf verwittertem Gestein achten.
Goethit/Limonit
Als Verwitterungsprodukt der eisenhaltigen Sulfide, erdige Massen, dünne Häute auf Calcit, Dolomit und Quarz.
Markasit
Tafelige, typisch speerförmige, oft auch nadelige Kristalle, gerne zu größeren Büscheln bzw. Aggregaten optisch ansprechend gruppiert auf Dolomit und Calcit;  Im frischen Zustand: blank, messingfarben, bei beginnenden Oxidierung auch hellbraun; Gruppen bis 12 mm. Bislang stabil.
Pyrit
Auf Dolomit: kleine Würfel und Kuboktaeder (mit unterschiedlichen Anteilen von Oktaeder und Würfel); reine Oktaeder habe ich bislang noch nicht beobachten können; auch nadelig; bis 2 mm.
In körnigem Dolomit: Dunkelbraune Limonitisierte Pyritoeder bis 3 mm
Quarz
In den Varietäten Bergkristall, Amethyst, Rauchquarz und Chalcedon.
Früher gesucht in großen xx, heute nur noch unscheinbar und klein als Drusenauskleidung.
Schwefel, ged.
sehr selten neben Gips, Limonit und verwitt. Pyrit; körnig
Smithsonit
Gelbgraue Krusten, selten.
Sphalerit
grün bis grüngelbe xx, bis 5 mm auf Quarz, neben Dolomit; heute sehr selten.
Strontianit
xx; sehr selten in Fossilhohlräumen


Feinste Pyrit-xx auf Dolomit (Bildbreite ca. 20 mm)

Markasit auf Calcit. Bildbreite 6 mm


In Rohden ist "Heavy-Duty" angesagt: Vorschlaghammer, schwerer Fäustel und große Meißel sollten Sie mitführen. Das kalkhaltige Gestein kann sich im frischen Zustand als sehr hartnäckig erweisen. Handschuhe und Schutzbrille haben dabei noch nie geschadet. Eine Brechstange bzw. Spitzhacke könnte sich vorteilhaft beim Schutträumen vor der kleinen Bruchkante (in unmittelbarer Zaunnähe) auswirken. Nur in diesem Bereich sollten Sie Ihren Schutzhelm absetzen.
Der Korallenoolith bricht selten dort, wo man es erhofft und wünscht. Bei vielen Stücken wird man die Grobformatierung im Steinbruch abbrechen und sich einen Trimmer zur gezielten Zerkleinerung wünschen. Schnell ist der Rucksack gefüllt und schwer. Daher ein Tipp für die ihre Rücken schonenden "Karrenzieher und -schieber": Die Fundstellen sind vom Werkstor bis zu den Aufschlüssen annähernd barrierefrei zu erreichen. Die Kristalle in Drusen und Klüften stehen meistens frei über dem zerkleinerten Gestein. Nehmen Sie also viel(!) auspolsterndes Verpackungsmaterial mit.

Viel Glück. Kommen Sie gesund wieder.


Literatur und Links:

  • MEYER, I. & DORSTMANN, H.J. (1984) : "Mineraliensammelfahrten im Raum Hannover"; in: Lapis, 9, S. 31-37.
  • WEISS, S. (1990) : "Mineralfundstellen, Deutschland West"; Weise Verlag (München)
  • WITTERN, A. (2001) : "Mineralfundorte in Deutschland"; Schweizerbart (Stuttgart)
  • Kritischer Bericht hier

 

Dienstag, 22. März 2011

Der Mikromineral-Sammler im Gelände (Folge 5)



STRATEGIE: SPURENSUCHE UND RESTEVERWERTUNG

Am Aufschluss sollte nicht planlos drauflos gearbeitet werden. Steht genügend Zeit zur Verfügung, ist zunächst die Fundstelle möglichst in ihrer Gesamtheit zu erkunden. (Bei großen Steinbruch- und Tagebauanlagen ist es allerdings ratsam, die Erkundung auf einen übersichtlichen, klar strukturierten  Bereich zu beschränken und den Aufschluss mehrmals aufzusuchen). Dabei wird nach höffigem Material, Klüfte, Störungszonen, Drusen, lokalen Anreicherungen mineralträchtiger Gesteine und Arbeitsspuren anderer Sammler gezielt Ausschau gehalten. Für viele ernsthafte und gereifte Sammler ist dieser Teil der Mineralsuche der interessanteste und befriedigendste.

Allerdings, es gibt manchmal Situationen, da zählt der schnelle, "schwergewichtige Erfolg" – mancher sagt auch "Ausbeute" dazu –  mehr als das reine Sammelerlebnis am Aufschluss. Solche Situationen können z.B. sein:
  • Geführte Exkursionen zu Aufschlüssen, bei denen nur relativ wenig Zeit zur Suche zur Verfügung steht;
  • Spontansuche an Aufschlüssen ohne mitgeführtes Werkzeug, z.B. bei Spaziergängen
  • Ungünstiges Verhältnis von Anfahrtszeit zur Aufenthaltszeit am Aufschluss , ggf. durch widrige Witterungsbedingungen noch verschlechtert (Erfolgsdruck)
  • Erstmaliger Besuch eines Aufschlusses ohne weitergehende Vorbereitung (Literatur- und Kartenstudium, Besuche in Museen, Nachfragen bei ortsansässigen Sammlervereinen).
Für eine gezielte Erkundung steht dann nicht genug Zeit zur Verfügung. Hier heißt es, die Strategie zu ändern, um schnell zum Erfolg zu kommen. Nach etlichen Jahrzehnten Suchpraxis im Gelände lautet dann meine Empfehlung für Mikromineral-Sammler und Anfänger:

Suche zunächst primär die Arbeitsspuren und -stätten anderer Sammler!
Suche anschließend gezielt in den Resten anderer Sammler!



Aus: G. Agricola, De re metallica, 1580

Echte "Spuren" sind zunächst Abdrücke von Schuhsohlen und Fahrzeugreifen. Auch ohne Pfadfinder-Erfahrung erkennt man mit der Zeit, wie alt die Spuren sein mögen. Frische Abdrücke zeugen zumindest von einer gewissen Aktivität am Aufschluss. Aber: nicht alle Spuren sind Sammlern zuzuordnen; auch Betriebs- und Sicherheitspersonal, Wanderer, Landwirte, Forstarbeiter sowie Freizeitsportler sind unterwegs. Sind die Spuren hingegen alt oder stammen ausschließlich von Tieren, können Sie davon ausgehen, dass der Aufschluss von Sammlern sehr selten frequentiert wird. In diesem Fall ist die gezielte Weitersuche nach Arbeitsspuren und -stätten meist nicht sinnvoll. Erkunden Sie den Aufschluss wie üblich nach anderen Hinweisen.


Kluftreicher Steinbruch Radautal bei Bad Harzburg, 2007

Betrachten wir anhand einer Auswahl an Arbeitsspuren und -stätten von anderen Sammlern im Gebirge, in Steinbrüchen, Gruben und auf Halden unsere Möglichkeiten als Mikromineral-Sammler.

1. Geöffnete Gesteinsklüfte, öfters mit vorgelagertem, andersfarbigem Schutthaufen

Die meisten Klüfte – besonders im alpinen Bereich – werden von "Normalstufen"-Sammlern geöffnet. Die Kluftfüllung (Lehm, Chlorit"sand" usw.) sowie lose und abgemeißelte Gesteinsstücke liegen im Normalfall als "Abfall" vor der Kluft. Er enthält aber sehr häufig Mikromineralstufen und kleine Einzelkristalle, für die entweder kein Interesse bestand oder die übersehen wurden.  Die Nachlese im Schutt vor einer augenscheinlich ausgeräumten Kluft ist mühelos und sehr häufig vom Erfolg gekrönt. Beachten Sie die üblichen Sicherheitsmaßnahmen beim Aufenthalt an bzw. in Steilwänden.

2. Hammerschlag- und Meißelspuren im Gestein

Beim Arbeiten im Gesteinsverband lösen sich ungewollt einzelne Stücke, die mehr oder minder unkontrolliert herunterfallen oder umherfliegen. Mancher Sammler möchte auch nur eine spezielle Partie im Gestein bergen und meißelt das umgebende  Material ab, obwohl dieses auch mit Mineralien durchsetzt ist. Hier findet quasi die Vorformatierung schon bei der Bergung statt. Alle diese Stücke landen verstreut, aber mehr oder minder im direkten Umfeld der Arbeitsstätte. Dieses abgeschlagene Material gilt es gezielt zu suchen.

Hin und wieder wurde der Gesteinsverband beim Meißeln nur angebrochen; Reststufen, die der Vorgänger nicht wollte oder übersah, sitzen nun gelockert im Gestein und warten auf ihre Bergung ohne Werkzeugeinsatz.

Tongrube Resse bei Hannover mit Grabungsspuren im Anstehenden

3. Ansammlung zerkleinerter Gesteinsbrocken vor Haufwerk

Häufig liegen vor einem losen Haufwerk im Steinbruch oder am Fuß einer Bergwerkshalde – also auf ebenem Grund – bereits von anderen Sammlern zerkleinerte Gesteine. Diese fallen wegen ihrer vergleichsweise geringeren Größe oder einer vom Boden abweichenden Farbe schnell auf. Sie sind Reste von größeren Gesteinsbrocken, die ein Sammler vor Ihnen aus dem Haufwerk herausgenommen hat, um sie gezielter oder sicherer zu zerteilen. Mit unter fehlt der sichere Standplatz für den Werkzeugeinsatz direkt in der Blockhalde,  schon manches Stück versank nach Hammereinsatz in den Tiefen einer weichen Bergwerkshalde. Viele Sammler suchen sich dann geeignete Stellen zum Zerkleinern des Gesteins. Die liegen meistens vor dem Haufwerk bzw. vor der Halde und sind schnell für Dritte sichtbar.
Durchsuchen Sie gezielt frisch zerschlagene Gesteine nach Mikromineralien, die übrig geblieben sind oder übersehen wurden.

4. Zerkleinerte Gesteinsbrocken auf größeren Felsen (oder Haldenstücken)

Die meisten Sammler legen frisch geborgene, meist unformatierte Stufen auf größeren, markant herausragenden Felsbrocken im Steinbruch oder großen Steinen auf Bergwerkshalden ab, gleich einem Zwischenlager , um sie erst später zu mustern, zu formatieren und für den Transport vorzubereiten. Nicht selten entstehen so etliche "Häufchen" am Aufschluss. Wenn Sie Glück haben, finden Sie ein Zwischenlager", das der Sammler vor Ihnen mangels Übersicht vergessen hat. Das ist mir bei besonders reichhaltigen Fundstellen, wie z.B. den Plattengneisbrüchen der Rauris im Pinzgau, auch einige Male passiert. Der Finder hat sich sicherlich gefreut.
Finden Sie allerdings Hinweise, dass die Arbeitsstätte in der Nähe noch bearbeitet wird (z.B. zurückgelassenes  Arbeitsgerät), so sollte das kleine Lager unberührt bleiben und vielleicht nur als Informationsquelle der dort vorkommenden Gesteine und Minerale dienen. Selbstverständlich  sind auch Zwischenlager von Sammlern tabu, die nur kurzfristig den Aufschluss verlassen haben. Nehmen Sie nichts weg! Respektieren Sie die Arbeit und den Erfolg anderer Sammler! Bedienen Sie sich nur, wenn Sie sicher sind, dass dieses angelegte Lager aufgegeben oder vor längerer Zeit vergessen wurde.

Sammlerspuren im Steinbruch

Spuren von Gesteinsmehl auf der Oberseite größerer Gesteine zeugen von der Formatierung der Funde an dieser Stelle. Diese "Klopfplätze" können, müssen aber nicht zwangsläufig mit den Zwischenlagern identisch sein.
Manchmal befinden sich im oder unter dem Gesteinsmehl sammelnswerte, unbeschädigte Mikromineralstufen. Unkontrollierte Abschläge, Reste der Formatierung und viele Stufen 2. Wahl, die nicht in der Gunst des vorangegangenen Sammlers standen (aber vielleicht in Ihrer!) finden sich in unmittelbarem Umkreis dieser Klopf- und Lagerplätze (meistens dahinter). Besonders in Blockhalden hat es sich vorteilhaft erwiesen, die Klopfunterlage zu verlagern, da viel gutes Restmaterial in den Ritzen und Hohlräumen darunter liegen kann. Gerade "Normalstufensammler" schlagen Mikrominerale als unerwünschtes Beiwerk gerne bei Formatieren ab.

Nicht zu vergessen: Viele Sammler lassen bewusst Material für die ihnen nachkommenden zurück. Es wird an markanten Stellen auffällig postiert. Vielleicht ist für Sie etwas Sammelswertes darunter.

Anatas; Lacheggklamm, Kolm-Saigurn, Österreich; Bildbreite: 2,5 mm

5. Zerkleinerte Gesteine

Sehen Sie die Bruchstücke eines größeren zerteilten Gesteins auf kleinem Areal, so bietet sich auch hier die Nachlese in unmittelbarer Umgebung an. Viele Sammler begnügen sich mit wenigen aussagekräftigen Stücken und beuten nicht den gesamten Fund aus. Gucken Sie, ob der Rest für Sie interessant ist.

6. Haldenaufgrabungen

Die Nachlese in Kuhlen, tiefen Löchern und anderen oberflächlichen Aufgrabungen in Bergehalden alter Bergwerke lohnt sich fast immer. Selbst auf seit Jahrzehnten völlig "ausgelutschten" Halden findet man nach frischen Grabungen anderer Sammler immer noch höffiges Material, das nun an der Oberfläche liegt. Besonders nach starken Regenfällen erhöhen sich die Fundchancen enorm. Wir unterscheiden hier Material, welches aufgrund starker Verschmutzung übersehen wurde, abgelegte (und vergessene) Gesteinsproben  sowie bewusst zurückgelassenes Material.

Sammlerspuren auf der Halde der Grube Glücksrad, Oberschulenberg, Harz

Entdeckt man eine Aufgrabung, so sollte deren Bodenfläche als erstes untersucht werden. Zunächst wird eine kleine Fläche, die uns später als Standfläche dient, vom Rand der Kuhle aus kontrolliert und etwaige Stücke geborgen. Erst dann sollte man die Kuhle betreten und die restliche Bodenfläche "absammeln", um interessante Stücke nicht in den Boden zu treten oder zu verschmutzen, da sie dann unentdeckt bleiben. Anschließend werden die aufgehenden Randseiten der Kuhle inspiziert, die einen Vertikalschnitt durch den oberen Bereich der Halde darstellen.
In einem schmalen Flächenstreifen um den oberen Rand der Kuhle herum werden die Funde meist halbkreisförmig zwischengelagert und aufgeschlagen. Die restlichen oder vergessenen Stücke Ihres Vorsammlers sind daher meist in diesem Bereich zu finden. Erst nach Kontrolle dieser Fläche wären die Seiten der Kuhle "nachzubearbeiten", d.h. weiter abzutragen.
Da das Aushubmaterial meistens unmittelbar neben der Aufgrabung aufgeworfen ist, sollten Sie zunächst die zur Kuhle zeigende Seite des kontrollieren. Steigen Sie anschließend aus dem Loch und inspizieren die restliche Oberfläche des Aushubmaterials. So entgeht Ihnen nichts.

7. Anhäufung  von zerkleinertem Gangmaterial auf andersfarbigen Nebengesteinshalden

Sehr schnell fallen die Stellen auf Bergwerkshalden auf, bei denen das Gangmaterial (meist heller Quarz, Calcit, Dolomit, Baryt oder Fluorit) vom Vorgänger zertrümmert wurde. Sofern dieses als mineralhöffig gilt, sollten Sie diese vorzerkleinerten Stücke nach Mikromineralien durchforsten.

8. Neu abgeschüttetes Material vor stillgelegten Bergwerkseinrichtungen

Nach mancher Befahrungsaktion Ihrer Vorgänger wird das untertage geborgene Material meist in unmittelbarer Nähe des Stollen od. Schachtes sofort unter dem ersten Tageslicht inspiziert, dort anschließend zerkleinert oder verworfen. Sparen Sie sich die Mühen und Risiken einer "Schwarzbefahrung" und suchen Sie gezielt nach den Resten übertage. Man erkennt diese aufgrund geringerer Verwitterung recht schnell.
Ein anderes Szenario soll am Rande erwähnt werden, kommt nicht sehr häufig vor, kann aber zu hervorragenden Funden führen. Ich meine die Möglichkeiten einer Suche bei der Aufwältigung abgeworfener Grubenteile zu touristischen Zwecken. Bei den Arbeiten zur Eröffnung oder Erweiterung  eines Besucherbergwerks gelangt meist recht interessantes, größtenteils vorzerkleinertes Material ans Tageslicht. Dieses wird meist in Nähe des Bergwerks abgekippt oder als Wegebaumaterial zwischengelagert. Auch hier bringt eine Befahrung keine besseren Funde, das Material wird Ihnen quasi vor die Füße gekippt.

Halde der Grube Juliane-Sophie in Mittelschulenberg, Harz

9. Kleine Schutthäufchen an PKW-Stellplätzen in der Nähe des Aufschlusses

Öfters werden die Funde einer nochmaligen Kontrolle unterzogen, ehe sie in den Tiefen der PKW-Kofferräume verschwinden. Ausgemustertes Material wird dann nicht mehr zurückgetragen, sondern landet meist am Rand der Stellplätze. Auch hinter Sitzbänken in unmittelbare Nähe der Aufschlüsse können die "abgelegten" Stücke aufgehäuft sein. Vielfach – besonders an für "Normalstufen" bekannte Fundstellen – sind hier mühelos reich besetzte Mikromineralstufen zu bergen. Mancher kann sich dann den Weg zum Aufschluss sparen. Allerdings ist die Gefahr sehr groß, verschlepptes Material von anderen Fundstellen zu finden, da Park- und Stellplätze gerne zum Ausmisten von Rucksäcken und Kofferräumen genutzt werden, um Platz für die Neufunde zu machen.

Amphibolit-Steinbruch Muglhof bei Weiden/Opf.

In diesem Zusammenhang muss man leider auch folgende "Arbeitsstätten" und Arbeitsspuren nennen:

10. Reste von Verpackungsmaterial der Vorsammler

Sofern das Verpackungsmaterial  nicht verschleppt oder verweht wurde, kann sich die Nachlese in dessen unmittelbarer Umgebung lohnen. Vielfach werden hier noch einige recht vielversprechende Stücke aussortiert oder beim Einpacken vergessen.

11. Weggeworfene Lebensmittelverpackungen, Zigarettenstummel, Arbeitshandschuhe usw.

Wir machen uns die Sauereien anderer Sammler zu Nutze, da wir wissen, dass sich an den "Entsorgungsplätzen" gerne auch mikromineralhaltige Stufen finden. Besonders während der Arbeitspausen, in denen gerne gegessen, getrunken oder geraucht wird, werden die bisherigen Funde kontrolliert, bewertet und ggf. bereits jetzt aussortiert. Dieses Material liegt nicht weit entfernt. Sehr oft - aber nicht zwingend – sind diese Plätze mit den Zwischenlager- und Klopfplätzen identisch.

12. Unterhöhlte Hänge, entwurzelte Pflanzen

Diese Spuren zeigen die "Arbeit" mancher, Ihrer Vorgänger. Am Aufschluss scheint es etwas sehr Begehrtes zu geben. Gut, aber als verantwortungsbewusster Sammler meiden Sie natürlich genau diese Stellen.

Hämatit auf Quarz, Münstertal, Schwarzwald, Bildbreite: 16 mm

Finden sie o.g. Spuren und Arbeitsstätten, dann lohnt stets die Nachsuche in deren unmittelbarem Bereich. Schneller und müheloser können Sie als Mikromineral-Sammler nicht zum Erfolg kommen.

Die Auslegung des Begriffes "Erfolg" obliegt allerdings dem jeweiligen Sammler. Auch beim Mustern der Reste Ihrer Vorgänger am Aufschluss sollten Sie nur Ihre eigenen Qualitätskriterien anlegen und kritisch bleiben. Nehmen Sie keine "Wegwerfite" mit nach Hause. Normal- und Kabinettstufensammler werden sicherlich andere Qualitätsmaßstäbe anlegen als erfahrene Mikromineral-Sammler.
Mancher wird jetzt einwenden: "Ich habe meinen Sammlerstolz und habe es nicht nötig, in den Hinterlassenschaften anderer Sammler zu wühlen!" Sicherlich ist es befriedigender, seine Funde ohne die vorherige Mithilfe anderer Sammler zu tätigen, keine Frage. Konsequenterweise verbietet sich dann für Sie auch der Kauf und Tausch von Stufen, sind diese am Ende auch nur Hinterlassenschaften anderer Sammler. Die Strategie 'Spurensuche und Resteverwertung" ist situationsabhängig (s.ob.) und sollte nicht dauerhaft angewendet werden.

Sofern noch andere Sammler am Aufschluss tätig sind, so sollten Sie den Kontakt suchen und gezielt nach höffigen Arealen und Funden fragen. Manche geben gerne und detailliert Auskunft. Auch so kann in besonderen Situationen, wo das Sammelerlebnis einmal nicht im Vordergrund steht (s.ob.), kurzfristig eine gewisse Ausbeute erzielt werden.

Sonntag, 13. März 2011

Der Mikromineral-Sammler im Gelände (Folge 4)



EINSCHLAGLUPE MIT INTEGRIERTER BELEUCHTUNG

Heute möchte ich ein nützliches und äußerst preiswertes Hilfsmittel vorstellen, das mir nicht nur im Gelände große Dienste erwiesen hat.



Bei der abendlichen (oder auch nächtlichen) Suche am Aufschluss oder auf schummerigen Börsen gestaltet sich das Betrachten von Mikromineralstufen sehr komfortabel. Besonders schätze ich die beleuchtete Lupe bei der Mineralsuche untertage, ist hier doch das meist am Helm befestigte Geleucht eher hinderlich und leuchtet nicht den gewünschten Bereich aus.
Ansonsten hielten Sie das Gestein in der einen Hand, die Lupe in der anderen, dicht an das Objekt herangeführt. Wo bleibt die Leuchte? Entweder Sie nutzen eine Hand zusätzlich zum Halten der Leuchte und richten den Lichtkegel auf das Objekt aus, was nicht immer einfach möglich ist und auf Dauer für spürbare Krämpfe in den Händen führt, oder eine Begleitperson sorgt für das notwendige Licht an der richtigen Stelle.

Mein Exemplar stammt (unverkennbar) aus Fernost und hat mich knapp 3,-- Euro gekostet. Hierbei sind 2,-- Euro Luftpostversand aus Hongkong bereits enthalten! Bestellt habe ich es online auf einer bekannten Auktionsplattform im Internet. Nach ca. 4 Wochen traf dann die Lupe unversehrt bei mir ein. Meine bisherigen Erfahrungen mit Billigprodukten aus Fernost sind zwiespältig. Ich war angenehm überrascht, dass man für 1,-- Euro nicht nur "Billigschrott" bekommt:

Die Unterseite

Die Linse ist aus Kunststoff und hat einen Durchmesser von 25 mm. Das Material ist blasenfrei, nur am Rand zeigen sich kleinere Schlieren. Diese liegen aber außerhalb des Fokus und stören nicht. Die angegebene Vergrößerung (40-fach) ist falsch. Der tatsächliche Wert wird bei 10-fach liegen – für unsere Zwecke aber ausreichend. Die Linse ist nicht vergütet oder entspiegelt, Verzerrungen sind vorhanden, bleiben aber im noch akzeptablen Bereich.
Die Beleuchtung an der Unterseite besteht aus 2 Stück nebeneinander liegenden, äußerst lichtstarken LED (3mm). Das abgestrahlte Licht kann man als "kaltweiß" bezeichnen, allerdings mit geringem Blauanteil. Ich schätze die Farbtemperatur auf 5500 bis 6000 K. Es wirkt sich ein wenig nachteilig aus, dass der Bereich mit der höchsten Leuchtdichte nicht im Fokus der Linse liegt. Hierfür müsste die Neigung der LED im Lupengehäuse vergrößert werden - vielleicht etwas für Bastler. Demgegenüber muss man zugestehen, dass so ein "Überstrahlen" des Blickfeldes und eine mögliche Blendgefahr vermieden werden - ein nicht zu unterschätzender Aspekt.
Der kleine Mikroschalter ist ein wenig fummelig, macht aber einen robusten Eindruck.

Auf der Oberseite unter dem Batteriefachdeckel, den man mit einem mitgelieferten Schlüssel öffnen kann, befindet sich die Stromversorgung über 3 Stck. LR927-Knopfzellen (1,5 V; im Lieferumfang enthalten).

Die Oberseite

Der Schutzdeckel ist aus dünnem, ausgestanztem, gebürstetem, eloxiertem Aluminiumblech. Die Kanten sind nur unzureichend entgratet. Der Deckel erfüllt aber seine Funktion. Eine kleine Öse zum Anketten ist auch vorhanden. Die Kombination Kunststoff und Aluminium führt zu einem äußerst geringen Gesamtgewicht.

Die Lupe hat sicherlich ihre Grenzen. Die Optik kann man nicht als hochwertig bezeichnen. Aber bedenken Sie:  Das Teil kostet nur 3,-- Euro inkl. Versand! Dafür bekommen Sie sehr viel geboten.
Ich kann diese Lupe empfehlen.