Montag, 31. Januar 2011

Wissensdatenbank Earth's Core



Eine gute Ergänzung zu den Mineralien-Onlinedatenbanken - ich möchte nur die Bekanntesten Mindat.org, webmineral.com und mineralienatlas.de hier aufführen - stellt das englischsprachige Computerprogramm "Earth's Core" dar. Es wendet sich an alle, die sich für Gesteine, Edelsteine und Minerale interessieren. Und: Es ist gratis!

Screenshot (Quelle: hier)

In der nicht mehr ganz so taufrischen Version 1.1 (aus 2008) sind über 600 unterschiedliche Minerale, 300 Edelsteine und 200 Gesteinsarten detailliert beschrieben und auf ca. 2100 Fotos dargestellt. Es enthält ein Glossar mit ca. 900 Begriffen und verfügt über eine komfortable Volltextsuche. Darüber hinaus ist ein umfangreiches Periodensystem der Elemente hinterlegt, das mit detaillierten Informationen und Bildern zu allen Elementen aufwartet. Der Anwender kann das Programm mit eigenen Daten ergänzen.

Es wurde entwickelt für Windows XP, Windows Vista 32 Bit, Windows7 32 Bit. Der Autor Paul Alan Freshney gibt als weitere Mindestanforderungen eine Bildschirmauflösung von 1024 x 768 Pixel sowie mind. 70 MB freier Festplattenspeicherplatz an.
Weitere Informationen gibt es hier.

Der direkte Link zum Download

Anmerkung: 
Das Programm befindet sich auch auf der DVD "Software-Kollektion 8" der Zeitschrift c't, Ausgabe 26/2010.


Freitag, 28. Januar 2011

Kennen Sie Smorf?



Vielleicht sind Ihnen auf den Webseiten der Internet-Datenbanken Mindat und Mineralienatlas die animierten Darstellungen einiger Kristallzeichnungen aufgefallen. Dahinter steckt "Smorf Java Crystals", ein ausgeklügeltes Kristall-Zeichenprogramm, das 3D-Strukturzeichnungen in Form eines interaktiven Java-Applets auf dem Monitor darstellt. Es wurde von den niederländischen Brüdern Mark und Luc Holtkamp entwickelt.

Die derzeitige Programmversion beinhaltet eine Datenbank mit ca. 600 Kristallen. Hieraus werden unter Zuhilfenahme von Raytracing-Algorithmen und Faltmodell-Generatoren  knapp 1000 Stück 3D-Abbildungen von Einzelkristallen und Zwillingsbildungen der 350 unterschiedlichen Mineralarten generiert, die man auf deren Webseite abrufen und interaktiv gestalten kann. Daneben können 48 grundlegende Kristallformen und alle Punktgruppen animiert dargestellt werden. Eine Suchfunktion hilft beim Auffinden Ihres Lieblingsminerals.

Ich empfehle den direkten Weg: Auf der smorf-Webseite müssen Sie im Gegensatz zu den o.g. Datenbanken keine langen Wege (mit dem Klicken durch etliche Seiten von einem Mineral zum nächsten) gehen. Hier ist alles übersichtlich zusammengefasst.



Beispiel: Calcit. Kontaktzwilling nach {0001}. Momentaufnahme und Menü.
Mit freundlicher Genehmigung von M. Holtkamp


Zur Darstellung des Applets im Browser ist die installierte Java Runtime Umgebung  notwendig. Diese können sie im Bedarfsfall von der smorf-Webseite durch Anklicken des oberen rechten Logos oder direkt bei Sun kostenlos erhalten .

Das Aplett gibt es je nach Bildschirmauflösung und Computerleistung in drei Varianten (small, medium oder large), die Sie im Menu links wählen. Die Kristalle können in Transparenz, Kantendicke usw. verändert, mehr oder langsam rotieren gelassen und mit ergänzenden Angaben zu Miller'schen Indices und Drehachsen versehen werden. Der Blickwinkel ist dabei durch Mausbedienung völlig frei wählbar.
Hinweis: Alles Material auf dieser Seite unterliegt einem Urheberrecht und ist entsprechend geschützt.

Chapeau! - Den Gebr. Holtkamp aus den Niederlanden sei gedankt für diesen großartigen Job. Gerne wünscht man sich eine Fortsetzung der Programmierarbeiten und sogar eine käufliche Variante.
Neben der wissensvermittelnden Komponente der Darstellung kommt auch beim Bedienen des wirklich beeindruckenden Applets sehr viel Spaß auf. Soviel Freude hat Kristallographie noch nie gemacht. Probieren Sie es einmal auf der smorf-Webseite aus. 
Es lohnt sich.

Samstag, 22. Januar 2011

Von den Vorteilen Mikrominerale und Micromounts zu sammeln (5)


== Fortsetzung von Teil 4 und Schluss ==


Aber Mikrominerale und Micromounts bieten noch weitere, sehr wichtige Vorteile:


11.  Ganzjährige Aktivität

„Aktivität ist nun einmal die Mutter des Erfolgs.“ (Claude-Adrien Helvetius, 1715 - 1771, frz. Philosoph).
Sammler, die im Gelände ihr Glück versuchen, werden beim Suchen zum größten Teil vom Nervenkitzel des (Erst-)Entdeckens getrieben. Mikromineralsammler und Micromounter mit einem guten Gesteinsvorrat im Stock unterliegen dabei nicht den Zwängen einer Sammelsaison im freien Gelände: Egal, welche klimatischen Bedingungen draußen herrschen, bei Regen und Kälte, bei jeder Tages- und Nachtzeit, er schnappt sich eine Gesteinsprobe aus seinem Lager, bewertet deren Qualität, knackt die besten Stücke klein und findet (oft) wunderschöne, mit Kristallen ausgekleidete Klüfte, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Er stellt anschließend Sockel her, montiert und beschriftet die Dosen. Der Micromounter kann an jedem Tag der Woche sein Materiallager durchmustern und neues Material finden. Er kann im Kellerraum nach Minerale suchen, auch wenn es 3 Uhr in der Nacht ist und draußen frostige -30 °C herrschen. Es ist ein ganzjähriges Hobby.

Manche Micromounter durchforsten alte Bergbauhalden, Steinbrüche und andere interessante Aufschlüsse, andere haben nie Ihren Schreibtischstuhl verlassen. 

Atakamit, La Farola Mine, Copiapo, Chile. Bildhöhe 4 mm. Samml. & Foto L. Simal


12.  Sammelergebnis und Befriedigung

„Eine Arbeit, die uns Befriedigung gewährt, ist gewiss das beste und solideste Glück.“ (Theodor Storm, (1817 - 1888)
Das Herstellen und Sammeln von Micromounts ist die Möglichkeit, sich intensiv mit seinen Mineralen zu beschäftigen, sie zu bearbeiten und mit ihnen vielfältig zu arbeiten, anstelle sie lediglich kurativ zu verwalten.
Beim eigentlichen "Mounting" sind handwerkliche wie auch künstlerische Fähigkeiten gefragt. Die aktive Gestaltung der "Micros" zur Verdeutlichung spezifischer Eigenschaften oder nur der Schönheit und Perfektion der kleinen Kristalle durch gezieltes Trimmen und spezielle Montagetechniken bei gleichzeitigem Erfüllen ästhetischer Ansprüche an das "Endprodukt" ist eine anspruchsvolle und befriedigende Tätigkeit. (Diesen wichtigen Aspekt möchte an anderer Stelle eingehender thematisieren).

Das Studieren der „Micros“ ist sehr bereichernd und erbauend. Wie an anderer Stelle bereits ausgeführt, steht dem ernsthaften Mikromineral-Sammler ein entschieden größerer Bereich der Mineralien-Welt zur Verfügung, da die meisten Mineralarten ausschließlich in Kleinstkristallen ausgebildet sind und von anderen Sammlern nicht erschlossen werden. Mancher Sammler von kleinformatigen Mikromineral-Stufen legt hiermit seinen Grundstein, ein hervorragender Amateur- oder Profi-Mineraloge zu werden.

In Teil 2, Punkt 5 beschrieb ich die ungleich besseren Fundmöglichkeiten für Mikromineral-Sammler.Mit jeder selbstgefundenen Stufe, mit jedem selbsterstelltem Micromount bauen Sie im Laufe der Zeit eine mehr oder minder persönliche Beziehung auf, eine Beziehung, die Sie durch eingetauschtes oder sogar gekauftes Material kaum bzw. nie werden aufbauen können. Mit selbstgefundenen Stücken sind besondere Erinnerungen, vielleicht eine besondere Exkursion oder nennenswerte Fundumstände verbunden. Wenn Sie eine Mineralstufe kaufen, erinnern Sie sich vielleicht später nur noch an den Preis und den Ort des Erwerbs. Wenn Sie Glück haben, dann ist der Verkäufer auch der Erstfinder und kann Ihnen wenige Details nennen, und so einen Teil seiner Beziehung zu diesem Stück „verkaufen“. Beim Tauschen ist die Chance, eine persönliche Beziehung aufzubauen größer, da der Informationsaustausch mit Ihrem Tauschpartner vielfältiger sein wird.

Rutil auf Hämatit, Steinbruch Kaiserer, Rauris, Österreich. Fund 1981. Bildbreite 4,8 mm

Diese Beziehung und das Erlebnis des selbst Entdeckens (vgl. Pkt. 11) sind elementarste Teile der Befriedigung, die uns diese Leidenschaft, das Hobby Mikrominerale und Micromounts zu sammeln, zu bieten hat. Erneut, wenn auch schon in meinem ersten Post aufgeführt:

„Und doch wage ich zu behaupten, dass in Zukunft für den Amateur-Mineralogen die Micromounts-Sammlung die einzige Möglichkeit sein wird, zu abgerundeten und befriedigenden Sammelergebnissen zu kommen“ (A. Kipfer in: „Der Micromounter“, 1972, S.11)

Damit schließe ich dieses Thema. Es gäbe noch weitere Vorteile zu nennen, aber ich denke, dass die genannten zwölf Hauptgründe ausgereicht haben, Sie überzeugen – entweder Mikromineral-Sammler bzw. Micromounter zu werden … oder zu bleiben.

Sonntag, 16. Januar 2011

Von den Vorteilen Mikrominerale und Micromounts zu sammeln (4)


== Fortsetzung von Teil 3  ==


Nun möchte ich einige praktische Gründe ins Feld führen.


9. Platzsparende Unterbringung

Ein nicht von der Hand zu weisender Vorteil, Mikromineralien bzw. Micromounts zu sammeln, ist der geringe Platzbedarf für die Unterbringung der kleinen Sammelobjekte. In einem gewöhnlichen Herrenhalbschuh-Karton finden über 400 Micromounts ihr Zuhause. Handelsübliche, ordnerhohe Büroboxen für Formulare im A4-Format bieten für fast 1000 Plastikdöschen ausreichend Platz. Die Aufbewahrungsschränke können klein, einfach ausgestattet und somit kostengünstiger sein. Das Problem der räumlichen Unterbringung ist daher vernachlässigbar.
Manche Mitbewohner stört der stete, oft aufdringliche Anblick unzähliger Großstufen und „Türstoppern“ in der eigenen Wohnung. Kleine Schachteln mit einer Vielzahl von Kleinststufen und Micromounts kann man zur Not unauffällig unter dem Bett verstauen. Der Familienfrieden ist gerettet.
Ihre Ausrüstung passt auf einen normalen Schreibtisch. Wenn Sie im Platz eingeschränkt sind, ermöglicht Ihnen das „Micromounting“, sich an der Schönheit der Minerale und am Sammelspaß auch ohne Werkstätte oder einen Hobbyraum zu erfreuen. Das Sammeln von Micromounts ist daher (nicht nur) für Mieter oder Besitzer kleiner Appartementwohnungen ideal.


De li monetieri, e de le monete. (*)


10. Geringe Beschaffungskosten

Fast alle Micromounter sind bestrebt, Minerale zu tauschen, um ihre Sammlung zu erweitern. Der Tausch von Micromounts sollte eine Kerneigenschaft dieser Sammelform sein. Das Tauschen von Mikromineralien und Micromounts ist – auch über großen Entfernungen hinweg – einfach zu bewerkstelligen. In Mitteleuropa ist die Tauschbereitschaft leider nur unzureichend entwickelt. Nur langsam weicht der direkte Verkauf dem Tausch unter Sammlern.
Die relativ unkompliziert durchzuführenden Tausch“geschäfte“ führen nicht nur zur Erweiterung der eigenen Sammlung, sondern dienen - ebenso wichtig – auch als wertvolle Kontaktmöglichkeiten mit gleichgesinnten Amateur-Mineralogen. Diese Möglichkeit sollte man als ernsthafter Sammler unbedingt nutzen.
Der Versand von Tauschmaterial ist erschwinglich. Der Versand von 25 Micromounts nach Übersee kostet als Post-Maxibrief (500 g) derzeit 6,-- Euro. Innerhalb Europas bringen Sie für diesen Preis die doppelte Menge auf den Weg. Möchten Sie 15 kg Normalstufen (ca. 20 bis 25 Stück) Ihrem australischen Tauschpartner senden, sind Sie momentan mit 85,-- Euro dabei.   


De gli orefici (*)

Als Sie zuletzt zu Ihrer durchschnittlichen Haus-und-Wiesen-Mineralbörse gingen, sind Ihnen da unzähligen Tische mit schönen Schaustufen zur kostenlosen Mitnahme aufgefallen? Nein? Die gibt es dort auch nicht! In den U.S.A., dem Heimatland des „Micromounting“ gehört es zur gängigen Praxis, auf den unzähligen Micromounter-Treffen und -Konferenzen („symposia“) sog. „Giveaway tables“ bereitzustellen. Auf diesen laden Sammler ihr überschüssiges, interessantes Material zur freien Mitnahme durch andere ab; kostenloses, interessantes Material – Geschenkt!
Micromounter sind ein sehr freigiebiger Haufen! Überschüssiges Material wird gerne weggeben - wenigstens in Nordamerika. In unseren Breiten hat die Zahl der reinen Tauschbörsen in den letzten Jahren merklich zugenommen. Ich kann nur hoffen, dass sich die Sitte des Verschenkens auch hier langsam ausbreitet. So manches feine Stüfchen hat seinen Ursprung vom „Giveaway table“.

Auch wenn ich kein Freund des Kaufens von Mineralstufen bin (vgl. Pkt.12 im Teil 5), soll nicht unerwähnt bleiben, dass präparierte Mikromineral-Stufen und Micromounts beim Händler viel billiger angeboten werden als größere Mineralstufen. Die normale Preisspanne bewegt sich zwischen 0,50 und 4,00 Euro für jedes Micromount. Ungewöhnlich schöne oder relativ seltene Exemplare gehen allerdings auch schon für 10 bis 20 Euro über die Ladentheke. Der Preis einer guten Schaustufe reicht manchmal aus, eine komplette Micromount-Sammlung zu kaufen.

Die Kosten für ein gutes (!) Binokular und eine ordentliche Lichtquelle mögen anfangs happig erscheinen, aber nach der notwendigen Anschaffung ist man gut gerüstet und hat nur noch geringe Folgekosten zu erwarten.


== Wird mit Teil 5 hier fortgesetzt ==



(*) Alle obigen Holzschnitte sind entnommen aus: OLAUS MAGNUS, Historia delle genti et della natura delle cose Settentrionali …(Venezia 1565)

Donnerstag, 13. Januar 2011

Der Mikromineral-Sammler im Gelände (Folge 3)



TRANSPORTVERPACKUNG FÜR MIKROMINERAL-STUFEN UND LOSE KRISTALLE

Heute möchte ich eine probate Methode vorstellen, kleine, am Aufschluss geborgene Fundstücke mit geringem Aufwand für den Transport zu verpacken.
Vieles nimmt der Mikromineral-Sammler und Micromounter von dort auf Verdacht mit. Er gewinnt seine Stufen zu Hause in der Regel erst nach einer feinsäuberlichen Durchmusterung und kontrollierter Zerkleinerung des im Gelände nur grob vom tauben Gestein befreiten Materials.


Problemstellung
Am Aufschluss selbst geht es meist ruppiger zu. Allzu oft habe ich es bereut, die als mineralhöffig eingeschätzte Gesteinsprobe bereits im Gelände zerschlagen zu haben. Bin ich fündig gewesen  - eigentlich immer erfreulich - so begannen allerdings die Probleme mit dem Abtransport der unzähligen mineralbesetzten Bruchstücke. Nach Knacken der Stufe liegen die Kristalle natürlich mehr oder minder empfindlich an der Gesteinsoberfläche und können leicht beschädigt werden.

Manchmal steht man auch unverhofft vor unzähligen Stüfchen, ohne selbst vorher „aktiv destruktiv“ tätig gewesen zu sein: Das Durchmustern des vor bzw. in (für Normal- und Großstufensammler) ausgeräumten Klüften liegenden Kluftsandes, –lehms und Bruchmaterials am Grund führt sehr oft zu einem schlagartigen Anschwellen der Fundstückanzahl - zur Freude von uns  Mikromineral-Sammlern. Ich erinnere mich gerne an manche Nachlese im Sand und Schutt „leerer“ Klüfte in den Hohen Tauern, im Fichtelgebirgs-Granit oder zuletzt im Harz: Binnen weniger Minuten wurden viele, manchmal hunderte kleinformatige Mikromineralstüfchen, Schwimmerbildungen und Einkristalle geborgen. Ich erinnere mich aber nicht gerne daran, welche Probleme ich anschließend beim Verpacken der Funde hatte und welche kostbare Zeit ich dafür aufwenden musste.


Kluftreiches Fundgebiet am Oberen Bockhartsee, Bad Gastein, Österreich


Was also mit dem plötzlichen „Reichtum“ anstellen?
Mancher mag jetzt sagen: „Suche Dir nur die besten Stücke aus und überlasse den Rest den nach dir Kommenden. Dann ist Dein Problem minimiert.“ Nun, das ist eine löbliche Einstellung. Sie scheitert aber meist daran, im Gelände die „besten Stücke“ heraussuchen zu können, denn die obligatorische Einschlaglupe mit 10facher Vergrößerung ist in vielen Fällen hierfür nicht ausreichend. In vielen Fällen bereute ich irgendwann meine Entscheidung zum großzügigen Ausmustern vor Ort. Also: Alles muss mit! Das nach häuslicher Aufarbeitung und Begutachtung dann überschüssige Material wird später großzügig getauscht oder sogar verschenkt.
Es verbietet sich, die Kleinfunde unverpackt in das übliche Transportbehältnis (Rucksack, Eimer) zu legen. Die Gefahr der Beschädigung ist nunmehr stark gestiegen, da die größere Gesamtoberfläche der Fundstücke auch deren Wahrscheinlichkeit eines Aneinanderstoßens bzw. -reibens  erhöht. Wickelt man hingegen jeden Krümel einzeln in Zeitungs- oder Klopapier ein, ist dieses äußerst zeitintensiv und führt zu einem ungünstigen Verhältnis von Stufen- zum Verpackungsvolumen. Beide Aspekte sind besonders in hochalpinem Gelände nicht zu unterschätzen.
Das gepolsterte Einbetten in Eierkartonfächer ist eine häufig gesehene Alternative, die durchaus ihre Berechtigung hat. Nachteilig sind hier allerdings die sperrigen Volumina, nur geringe Fassungsvermögen und die fehlende Wetterfestigkeit. Wer seine Funde im Regen einpacken musste, kennt die Widrigkeiten von Papier und Pappe.

Es wurde also eine brauchbare Methode gesucht, eine größere Menge Kleinstufen und loser Kristalle mit einfachsten, wetterfesten, möglichst kompakten aber leichten Packmitteln gut geschützt nach Hause zu bringen und Stufen, die aus einer speziellen Paragenese stammen - nach Zerkleinerung eines Probestückes im Gelände - zusammenzuhalten.


Lösungsvorschlag
Ich benutze sog. Displays für Zahnpasta-Tuben – Verpackungsmüll vom Discounter! Mein Favorit ist das blaue Display mit 12 runden Vertiefungen von Signal®. Es ist handlich, sehr leicht , vor allem aber stapelbar und eignet sich daher besonders gut für das Gelände (s. Abb.).


Zahnpasta-Displays als Transportverpackung
In die vorgeformten Vertiefungen kommen später unsere Kleinstufen. Beim Aufeinanderstapeln der Displays entstehen einzelne, annähernd geschlossene Hohlräume (Kammern). Die Kammerstege sind recht standfest. So ist das Aneinanderreiben der Stüfchen weitestgehend ausgeschlossen (s. Abb.). Mit einem losen Gummiring werden dann ca. 8-10 Stück Displays gebündelt. Man kann so auf engstem Raum etliche Teile nach Hause tragen. Hier die technischen Daten:

Für ein Einzeldisplay
Außenabmessungen
11,7 x 15,4 x 2,1 cm (B x L x H, ohne Steg gemessen)
Volumen
378 cm³
Vertiefungen
12 Stück.; eckig, ca. 30 x 30 x 18 mm (B x L x T)
Leergewicht
ca. 17 g

Für ein aus 8 Einzelelementen bestehender Stapel
Außenabmessungen
11,7 x 15,4 x 13,0 cm (B x L x H, ohne Steg gemessen)
Volumen
2.342 cm³
Übersteckmaß
ca. 5,5 mm (um diesen Wert verringert sich die Kammerhöhe beim Stapeln)
Kammern
1. Lage (offene Vertiefung): 12 Stück mit ca. 30 x 30 x 18 mm (B x L x T)
2. bis 8. Lage (geschl. Kammern): 84 Stück mit ca. 30 x 30 x 12,5 mm
Leergewicht
ca. 140 g

Kammerbildung durch Stapeln (Schnittdarstellung)


Vorteile
1. Die Schalen gibt es umsonst.
Die Displays sind weit verbreitet und bei fast jedem Discounter, Drogerie- oder Supermarkt erhältlich.
Fragen Sie vorher, ob Sie diese Verpackung mitnehmen dürfen.

2. Die Schalen sind aus Kunststoff
Sie sind wetterfest, abspülbar und von geringem Gewicht. Das bedeutet im Gelände: kein schweres Papier mehr herumschleppen, das im Regen vielleicht auch noch matschig und schwerer wird. Kein Verpackungsabfall beim Auswickeln der Funde zuhause. Wiederverwertbare Verpackung! Die Displays sind recht dünnwandig, sollten jedoch eine Sammelsaison halten.

3. Platzsparend
Günstiges Verhältnis zwischen Brutto- und Nettovolumen, d.h. viel Stauraum im Paket

4. Zeitgewinn
Kostbare Zeit im Gelände, die zum klassischen Einwickeln der Funde benötigt wurde, steht
nun zum Suchen bereit.


Nachteile
1. Verfügbarkeit
Die Displays werden im Handel nur sehr langsam "frei". Man hüte sich davor, die Zahnpasta-Tuben aus den Displays zu rupfen und lose zurückzu"stellen". Das sehen die Warenaufpasser im Handel gar nicht gerne. Es dauert also eine gewisse Zeit, sich einen ordentlichen Vorrat anzuschaffen.

2. Beschränkte Anwendbarkeit
Die Gesteinsproben liegen i.d.R. lose in den Kammern und müssen beim Transport das Klappern aushalten können. Diese Methode eignet sich nicht für feinnadelige oder sonstige empfindliche Minerale, es sei denn, sie sitzen geschützt in Hohlräumen. Wer sichergehen möchte, legt ein kleines Stückchen zerknülltes Toiletten- oder Küchenkrepppapier vorher in die Vertiefung, damit das Stüfchen fest(er) sitzt. Der Zuschnitt der Papierblättchen kann bereits zu Hause erfolgen.

3. Die Objektgröße ist begrenzt und richtet sich nach der Größe der Kammern (max. 29 x 29 x 11 mm)


Gute Funde wünscht


Mittwoch, 5. Januar 2011

Minerale gegen Pershing II ?


Ich bin gerade dabei, meine Bibliothek zu verschlanken. Als erstes mussten die "Fundgrube"-Hefte vom ehemaligen "Zentralvorstand der Gesellschaft für Natur und Umwelt im Kulturbund der DDR" daran glauben, die mir mein ostdeutscher Sammlerkollege in den 80'er- und 90'er-Jahren des letzten Jahrtausends kurz nach deren Erscheinen zusandte. Interessante Artikel werden nun gescannt, die Hefte hinterher an Nostalgiker verkauft oder schlichtweg entsorgt.

Die "Fundgrube - Populärwissenschaftliche Zeitschrift für Geologie, Mineralogie, Paläontologie, Speläologie" hatte hin und wieder einige hervorragende Aufsätze zu DDR-Fundstellen zu bieten, die auch mich als "Wessi" interessieren mussten, z.B. Ilfeld, Schneckenstein, Erzgebirge, Tilkerode. Auch manche "Tips für Micromounter" las ich gerne. Allerdings mischte man hin und wieder auch einige Artikel unter, die mir schon damals äußerst skurril vorkamen und mich heute eher schmunzeln lassen; dieser hier z.B. von 1984:


Zum Vergrößern bitte anklicken.

Eine Einzelmeinung von Frau Riedel? Mein damaliger Sammlerkollege konnte geschickt meinen Fragen ausweichen und unverbindlich bleiben. Niemand wusste schließlich, wer die Korrespondenz von Ost nach West mitlas. Man hielt sich trotz guter Bekanntschaft bedeckt.

Heute stelle ich die Fragen öffentlich und hoffe hier auf viele Kommentare ehemaliger Kulturbundmitglieder (gerne anonym): 
Ist das ernst gemeint? Habt Ihr wirklich gedacht, mit unserem gemeinsamen Hobby für weltweiten Frieden sorgen zu können? Oder habt Ihr insgeheimen genauso geschmunzelt, den Kopf geschüttelt oder sogar gelacht? Heute könnt ihr frei reden...

Wenn ich mir vorstelle, dass ich in den 80'er-Jahren – der Blütezeit des Mineraliensammelns – mit meinen Funden und Vorträgen etliche SS-20 verhindert habe. Wahnsinn!

Sonntag, 2. Januar 2011

Von den Vorteilen Mikrominerale und Micromounts zu sammeln (3)


== Fortsetzung von Teil 2 ==

Für das Sammeln von Kleinststufen, Mikromineralen und das Herstellen von Micromounts sprechen weitere gewichtige Gründe, die ich hier anführen möchte:


6. Vielfalt (1)

„Abwechslung ergötzt.“ (Euripides, 480 - 407 v.Chr., griech. Tragödiendichter)
Die überwiegende Mehrheit der heute über 4100 bekannten und als eigenständige Arten anerkannten Minerale bilden keine Kristalle, die man deutlich mit dem bloßen Auge erkennen kann. Für den Sammler großer Stufen bzw. Kristalle stehen vielleicht gerade einmal wenige hundert Arten zur Verfügung. Diese kann man beim Gang über jede Mineralienbörse erblicken: Aneinandergereihte Tische mit nur einer geringen, eher langweiligen Vielfalt; Quarz, Fluorit, Calcit, Feldspäte und Berylle - wohin man auch sieht.
Dem Mikromineral-Sammler erschließen sich ganz andere Welten. Er hat die Möglichkeit, annähernd alle Minerale kennen zu lernen. Viele Minerale bleiben aber auch uns verborgen, denn die üblichen optischen Hilfsmittel eines Sammlers reichend nicht aus, diese zu entdecken und zu beschreiben.
Mikromineral-Sammler und Micromounter sind mit weit mehr Seltenheiten vertraut als Sammler von Normal-, Hand- und Schaustufen. Die Chance, neue, bislang unbekannte Minerale entdecken zu können, stellt sich nur ihm: Fast sämtliche neu identifizierten Minerale werden in mikroskopischer Größe gefunden. Die Chance, eine umfangreiche und aussagekräftige Systematik-Sammlung aufzubauen, wird daher nur dem Mikromineral-Sammler oder Micromounter geboten. Es ist nicht ungewöhnlich für einen Micromounter, über 1000 unterschiedliche Mineralarten in seiner Sammlung zu haben.
In sich geschlossene Lokal-Sammlungen, die die komplette Paragenese einer einzigen Fund- oder Lagerstätte beinhalten, sind i.d.R. ohne die kleinformatigen Mikromineral-Stufen nicht denkbar.

De la distinzione de le vene minerali. (*)
 
7. Vielfalt (2)

„Abwechslung in den Speisen mehrt den Appetit.“ (Pietro Aretino, 1492 - 1556, ital. Schriftsteller)
Für kuriose Bildungen und Seltsamkeiten sind Micromounts/Mikrominerale unübertroffen. Und: nirgendwo anders kann ich mehr Ausbildungsvarianten - auch innerhalb einer Mineralart - entdecken.
Bizarr anmutende haarförmige Büschel, Locken, Ringe und Spiralen, sonderbar aufeinander aufgespießte Kristalle, Szepter, Zwillinge und Mehrlinge, seltene Kristallflächen, eigenartig ineinander gewachsene Kristallgruppen, Kristalleinschlüsse (fest/flüssig) usw. bleiben meist dem Micromounter vorbehalten. Der reine „Makro-Sammler“ kann die wundervolle Vielfalt der Mikrokristallwelt kaum vorstellen (vgl. auch 1., hier).


De la distinzione de' metalli fusili. (*)
 
8. Fälschungssicher

Täuschung ist sicherlich typisch für die Menschen. (Publius Terentius Afer, 195 - 159 v. Chr., röm. Dichter)
Das Thema Fälschungen im Mineralreich hatte ich bereits in meinem 5. Post behandelt. Wenn eine größere Geldmenge für eine feine Schaustufe die Hände wechselt, dann sollte man sehr achtsam sein, dass die Stufe nicht verändert oder in gewisser Weise sogar gefälscht ist. Das Fälschen von Micromounts ist nicht nur extrem selten, sondern fast unmöglich, da das Mikroskop z.B. Klebestellen aufzeigt, wo sie nicht sein sollten. Reste von Chemikalien und Ölen sind ebenfalls leicht erkennbar. 

De l'arte & l'ingegno de' Fabri. (*)


== Wird mit Teil 4 hier fortgesetzt ==


(*) Alle obigen Holzschnitte sind entnommen aus: OLAUS MAGNUS, Historia delle genti et della natura delle cose Settentrionali …(Venezia 1565)

Samstag, 1. Januar 2011

Ein neuer Tag



Tja, wieder ein "Jahr" vorbei und wieder steht ein neues vor uns. Machen Sie, liebe Leser und Leserinnen, das stets Beste daraus.

Aber, dafür brauchen Sie kein Kalenderschema, das vor ca. 430 Jahren aus rein religiösen Gründen mit päpstlicher Bulle verordnet wurde. Selbst Sonnen- und Mondzyklen lassen sich mit dem Hilfsmittel "Gregorianischer Kalender" nur schlecht als recht vereinbaren. Der 1. Januar, der Beginn des Jahres entstammt einer freien Festlegung; man hätte ja auch eine der Tag- und Nachtgleichen dekretieren können. Andere Völker und Religionen besitzen heute eine andere, jederzeit gleichwertige(!) Zeitrechnungs- bzw. Kalendersysteme.

Was feiert man also nun heute?  Letztendlich nur den Beginn eines (beliebigen) neuen Tages, also nichts Bewegendes. Demzufolge wünsche ich allen geschätzten Lesern und Leserinnen keinen guten Start in das "neue Jahr" sondern "nur" weitere 365,242375 Tage voller Erfüllung und Gesundheit ;-)

Micromounter