Samstag, 18. Dezember 2010

Von den Vorteilen Mikrominerale und Micromounts zu sammeln (1)


Nicht jede Mikromineral-Stufe ist ein Micromount. Jedes Micromount per Definition sollte aber eine Mikromineral-Stufe sein (vgl. hierzu mein zweites Post „Was sind eigentlich Micromounts?“ vom 1.November 2010).

Weitergeführt bedeutet dieses, dass nicht jeder Mikromineral-Sammler gleichzeitig auch ein „Micromounter“ ist. Der US-amerikanische Micromounter Tom Trebisky hat auf seiner Webpage diesen Unterschied deutlich herausgearbeitet, in dem er schreibt (*):


„Some people study and collect micro minerals, not making permanent mounts or trimming material to fit in a certain size of box. This is perfectly fine. Such people often like to call themselves "micro mineral collectors" to make clear that they are not making permanent mounts.”
Übersetzt:
Einige Leute studieren und sammeln Mikrominerale, ohne dabei dauerhafte Montagen herzustellen oder das Material zu formatieren, damit es in gewisse Dosengrößen passt. Das ist ausgezeichnet. Solche Leute bezeichnen sich öfters selbst als „Mikromineral-Sammler“ und stellen damit klar, dass sie keine dauerhafte Montagen (i.e. Micromounts) machen.

Leider wird dieser Unterschied im deutschsprachigen Raum gerne verwischt: Bei uns ist jeder Mikromineral- oder Kleinstufen-Sammler automatisch ein Micromounter; jede kleinformatige Mineralstufe ist bei uns ein Micromount; Micromounts werden bei uns in der Natur gesucht, gefunden und aufgesammelt. Das ist natürlich alles falsch.

Im angelsächsischen und romanischen Sprachgebiet wird dagegen sauber unterschieden. Wir sollten es auch tun. Übrigens: Micromounts werden hergestellt und liegen nicht am Wegesrand.

Dioptas.  Omaue Mine, Kunene (Region), Namibia. Bildbreite 4,0 mm


Gegenüber größeren Mineral­-Aggregaten hat das Sammeln von Kleinststufen und Mikrominerale sehr viele Vorteile. Die Frage „Warum habe ich gerade diese Art des Mineral-Sammelns gewählt“ beantworten passionierte Mikromineral-Sammler und Micromounter auf ähnliche Weise. Der Micromounter geht allerdings hier entschieden weiter und kann zusätzliche, handfeste Gründe für das „Micromounting“ – über das Sammeln von Mikromineralien hinaus - anführen. Ich möchte die wichtigsten Gründe für interessierte Neulinge und Sammler daher aus der Sicht eines Micromounters zusammenfassen:


1. Der Überraschungseffekt

„Stets findet Überraschung statt. Da, wo man’s nicht erwartet hat“ (Wilhelm Busch)
Herr Trebisky (s.ob.) trifft mit seiner verblüffenden einfachen Antwort den Nagel auf dem Kopf:
Schau‘ durch ein Mikroskop! Betrachte einiges gute Mikromineral-Material und es wird Dich aus den Socken hauen. Finde einen freundlichen, aufgeschlossenen Micromounter und frage ihn oder sie, Dir einige nette Dinge zu zeigen. Das Nächstbeste wird es sein, sich einige gute Fotos anzuschauen, die durch das Mikroskop aufgenommen wurden. (…) Du wirst überrascht sein, wie viele spektakuläre Kristalle und schöne Anblicke auf vielen anscheinend gewöhnlichen Stufen versteckt sind.“ (*, Übersetz. a. d. Engl.)
           

2. Perfektion und Ästhetik

„Je edlerer Art das Werk, desto höher der Genuss“ (Arthur Schopenhauer).
Mikromineral-Sammler und Micromounter genießen den ästhetischen Anblick perfekt ausgebildeter Kristalle. Die vollkommensten Kristalle einer Mineralart treten typischerweise in einer Größe unter 1 mm auf, denn je kleiner ein Kristall bzw. eine Kristallgruppe ist, desto fehlerfreier zeigt sich i. A. die kristalline Struk­tur. Mit zunehmender Kristallgröße berühren die Kristallflächen andere Kristalle oder die Wandungen der Hohlräume, in denen sie sich bilden und (behindert) wachsen. Kristalle auf Makrostufen weisen zudem häufig Risse, Brüche, Einschlüsse, Verzerrungen und andere Strukturfehler auf, die oft den sinnlichen Gesamteindruck schmälern.
Ungehindert gewachsene Mikrokristalle sind der absolute Gipfel der Ästhetik.


== Wird mit Teil 2 fortgesetzt ==



(*): mit freundlicher Genehmigung für Zitat und Übersetzung von Tom Trebisky, Tucson.

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