Donnerstag, 28. Juli 2011

Micromount-Sockel (2)


Zur Montage kleiner Einzelkristalle verwende ich neben den bereits vorgestellten Glasstiftperlen öfters handelsübliche, gebläute Kammzwecken (auch "Blauköpfe" genannt). Diese zeichnen sich gegenüber "normalen" Nägeln durch eine edle blau-schwarze Farbe, einen schönen seidenmatten Glanz sowie - ganz besonders - einen größeren flachen Kopf aus, der für uns die spätere Klebefläche zur Micromount-Dose darstellt. 

Kammzwecken
Ich habe mich für die Abmessungen 1,4 x 12 mm entschieden. Der 1,4-mm-Durchmesser stellt einen guten Kompromiss zwischen möglicher Sockelfläche und Mineralprobe-Größe dar; ich setze diesen Sockel für Kristalle von 0,7 bis 2,5 mm Dicke/Breite ein. Die Kammzwecken kann man noch gut mit den Fingern halten, eine Pinzette ist nicht notwendig. Auch nach Bearbeitung sind sie ausreichend lang bemessen, um das Mineral ausreichend hoch über dem Dosenrand zu präsentieren.  

Bearbeitung? Ja, Sie lesen richtig. Zur Vereinfachung der späteren Montage des Kristalls schleife ich die Spitzen der Kammzwecken mit einem simplen Hobby-Schleifgerät  ab (gibt es für 20,-- Euro mit reichhaltiger Ausstattung mehrmals im Jahr bei den bekannten Lebensmittel-Discountern). Ein einmaliges kurzes "Anditschen" des Schleifkopfes reicht aus, um aus dem für uns nachteiligen, mathematisch-idealisierten "Punkt" der Spitze eine kleine kreisförmige "Fläche" zu schaffen, auf die unser Einkristall bzw. unsere Mikromineralprobe später befestigt wird (vgl. Grafik, Punkte "1" und "2"). Mit ein bisschen Übung schafft man es nach kurzer Zeit, die Spitze zielsicher soweit abzuschleifen, bis man den gewünschten Durchmesser der Klebefläche erreicht hat. Deren Größe sollte sich an der Größe des Kristalls orientieren und diese stets unterschreiten. Hierdurch erspart man sich auch das nachträgliche Lackieren der durch das Kappen entstandenen, metallisch-blanken Fläche.

Prinzipskizze


Drei Beispiele - für eine waagerechte oder senkrechte Montage auf der Kammzwecken-Spitze:
(1) Der Kristall ist 0,75 mm dick und 4 mm lang. Ich schleife die konisch zulaufende Spitze soweit ab, bis sie einen Durchmesser von ca. 0,3 bis 0,4 mm besitzt (vgl. Grafik, Punkt "1");
(2) Der Kristall ist 1 mm dick und 3 mm lang. Ich schleife die Spitze soweit ab, bis sie einen Durchmesser von ca. 0,6 mm besitzt (vgl. Grafik, Punkt "2");
(3) Der Kristall ist 2 mm dick und 4 mm lang. Ich schleife die Spitze komplett ab; ich erhalte einen zylindrischen Stift mit dem Nenndurchmesser der Kammzwecke (hier 1,4 mm; vgl. Grafik, Punkt "3")

Nun, es verlangt schon ein bisschen manuelles Geschick, solche winzigen Kristalle bzw. Stufen auf einer "gekappten Nagelspitze" zu montieren. Dafür sind Sie aber Micromounter und nicht nur Mikromineralsammler …

Benutzen Sie hierfür unbedingt flüssigen (hochwertigen) Sekundenkleber, der  extrem schnell abbinden kann. Die Klebung der Kammzwecke am Dosengrund kann auch mit gelförmigem Kleber erfolgen, sofern Sie Korrekturen anbringen wollen. Die Wahl, ob Sie nun zuerst den Kristall mit dem Sockel und beide anschließend mit der Dose verkleben, oder ob Sie den Kristall auf einen bereits in der Dose befestigten Sockel kleben, überlasse ich Ihrem Geschick und dem Vorhandensein etwaiger Montagehilfsvorrichtungen für solche anspruchsvollen Fälle. Beide Wege führen zum Ziel.
Verwenden Sie nur geringste Mengen des Klebers. Ein kleines Kleber-Tröpfchen von 0,1 mm Durchmesser reicht für eine belastbare Klebung völlig aus. Der Kleberauftrag auf den Kammzwecken-Sockel erfolgt zweckmäßig mit einer kleinen Stecknadel, die wir vorher kurz in den Kleber eintauchen. Vermeiden Sie, dass der Kleber unter dem Kristall hervorquillt oder am Sockel herunterläuft. Das sieht sehr unschön aus.

Für eine 70-Gramm-Dose mit gebläuten Kammzwecken habe ich in einer "Baubedarf-Resterampe" läppische 42 Euro-Cent bezahlt (5,00 Euro/kg, inkl. Kunststoffbox). Dafür habe ich (grob geschätzt) ca. 500 Stück  bekommen. Der Preis eines Sockels ergibt sich zu unschlagbaren 0,09 Euro-Cent. Die Menge reicht für meine nächsten 15 Sammlerjahre aus.
Mein Tipp: Meiden Sie bei Eisenwaren die klassischen Baumärkte. Dort zahlen Sie für die gleiche Menge meist den 10-fachen Kaufpreis. Suchen Sie gezielt in Sonderposten- und Ramschmärkten.
 
Gewindestift
Aber auch andere Kleineisenteile sind als Podest für Mikromineralien geeignet. Bei etwas größeren Proben nehme ich gerne brünierte Gewindestifte nach DIN 914 (salopp "Madenschraube" genannt), M3x10, ca. 2 Euro-Cent je Stück . Auch hier wird die Spitze mit der Schleifgerät nach Anforderung gekappt. Öfters gibt es diese aber schon mit abgeflachter Spitze (siehe Abb.) zu kaufen. Der unterseitige Innensechskant nimmt  den Klebstoff auf, der später nicht mehr sichtbar ist. Eine äußerst saubere Sache. Auch solche Teile kauft man nicht(!) im Baumarkt. 


Achtung / Warnhinweise:
Setzen Sie beim Abschleifen unbedingt eine (möglichst auch seitlich geschlossene) Schutzbrille auf!
Der Funkenflug ist eigentlich vernachlässigbar, trotzdem sollten sich keine brennbaren und entzündlichen Materialen in der Nähe befinden! Achten Sie auf Ihre Fingerspitzen oder benutzen Sie Zangen zum Halten der Kammzwecken beim Kappen!
Rutscht der Kristall vom Sockel, dann ist er schnell mit Kleber "verschmaddert" und nicht mehr sammelnswert. Üben Sie diese Sockelmontagetechnik zunächst mit Abfallkristallen aus, ehe Sie sich an Ihre Schätze heranmachen. Lassen Sie Ihr "Mount" lang genug offen (aber staubfrei) "ausdünsten".


So könnte es dann aussehen (Spitze komplett entfernt):



Freuen Sie sich schon auf die Postings, in denen die anspruchsvolle Montage von Einkristallen auf Pinsel- oder Zahnbürstenborsten, feinen Kaktusstacheln oder Katzen-Whiskers thematisiert wird.

Happy Micromounting!


Donnerstag, 21. Juli 2011

In eigener Sache


Die Anzahl der Einträge nimmt langsam zu, die Übersichtlichkeit dagegen ab.

Auf der rechten Seite habe ich deshalb ein Feld »Schlagwörter (Labels)« mit einigen, zunächst grob strukturierten Kategorien ergänzt, die Sie nach Anklicken zu den einzelnen zugeordneten Einträgen in chronologischer Reihenfolge führen. Möchten Sie auch ältere als die angezeigten Einträge zu einer bestimmten Kategorie lesen, dann klicken Sie bitten am Ende auf "Ältere Posts".  So können Sie alle Einträge einer Kategorie lesen.
Natürlich können Sie auch weiterhin im chronologischen »Blog-Archiv« stöbern.

Ich hoffe, damit die Gebrauchstauglichkeit dieses Blogs erhöht zu haben.
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Micromounter

Fundstelle: Steinbruch Schicker in Kupferberg/Ofr.


Heute möchte ich – wie angekündigt – die lose Reihe mit Vorstellung einiger Fundstellen für Mikromineralsammler im Frankenwald bzw. Bayerischen Vogtland starten.

Vorwort

Es sei angemerkt, dass ich eine Vielzahl dieser oberfränkischen Fundstellen seit einigen Jahren nicht mehr besucht habe. Über den aktuellen Zustand kann ich daher keine verbindliche Aussage treffen. Eine Fundgarantie – besonders bei den noch aktiven Steinbrüchen – möchte ich ohnehin nicht geben, da sich der Abbauzustand ständig ändert; Sie werden – wie auch ich (und sowieso üblich) – öfters mit leerem Rucksack nach Hause fahren müssen. Beachten Sie bitte auch, dass bis vor kurzem sehr freizügig erteilte Genehmigungen zum Betreten der Steinbrüche heute nicht (mehr) selbstverständlich sind.
Hin und wieder werde ich "historische" Schwarzweiß-Aufnahmen aus meinem Archiv in die Fundstellen-Porträts einstreuen. Bitte seien Sie gewiss, dass mein Kenntnisstand nicht zum Zeitpunkt der Aufnahmen stehen geblieben ist; ich habe nur von vielen Fundstellen keine aktuellen Digitalaufnahmen. Die Negative wurden mit 2800 dpi eingescannt. Mein damaliges Faible für den Einsatz starker Rotfilter konnte ich bei der Nachbearbeitung kaum noch "geradebiegen". Verzeihen Sie bitte die Qualität und Düsternis der Aufnahmen, die ich aber nicht vorenthalten möchte (zum Vergrößern bitte anklicken).



Die Fränkische Linie

Der Diabas-Steinbruch der Hartsteinwerke Schicker in Kupferberg zählt für mich als einer der Interessantesten der insgesamt 7 Steinbrüche, die sich - wie an einer Perlenschnur aufgereiht - entlang eines Teilstückes der sog. "Fränkischen Linie", zwischen Bad Berneck i.F. und Kronach befinden.
Die "Fränkische Linie", manchmal auch als "Frankenwaldrandverwerfung" bezeichnet, ist die bedeutendste in einem System von herzynisch-streichenden Störungslinien, die das mesozoische Deckgebirge im südwestlichen Vorland des Frankenwaldes in einzelne Schollen zerteilen. Sie zieht sich durch den gesamten nordostbayerischen Raum - ganz grob von Weiden (im SE) bis Kronach (in NW) und lässt sich im Gelände gut verfolgen. An dieser mächtigen Verwerfungslinie bzw. Abreißkante stoßen die Trias- und Jura-Schichten des Vorlandes im Südwesten unmittelbar an die viel älteren paläozoischen Gesteine des Frankenwaldes bzw. die der prävariszische "Münchberger Gneismasse" im Nordosten. Das alte Kristallin hebt sich hierbei vom jüngeren, ungefalteten Vorland markant ab. "Da die Trias-Ablagerungen in unmittelbarer Nähe der "Fränkischen Linie" keine Merkmale einer küstennahen Fazies aufweisen, muss daraus geschlossen werden, dass einst auch noch das Alte Gebirge von mesozoischen Schichten überdeckt war. Danach ist an der "Fränkischen Linie" mit einer Sprunghöhe von mindestens 1000 m zu rechnen." (nach MÜLLER, in: Bayerns Steinreiche Ecke, ISBN 3-8112-0845-4). Die Verwerfung soll im Zeitraum Kreide bis Tertiär stattgefunden haben.


Zum Steinbruchgelände


Wir verlassen die Bundesstraße B 303 bei Ludwigschorgast und folgen der alsbald steil ansteigenden B  289 in nordöstlicher Richtung nach Münchberg.  Sie führt uns oberhalb des beschaulichen Ludwigschorgast vorbei, quert die "Fränkische Linie" und verschwindet  im hier sogleich beginnenden Frankenwald. Einige Kurven weiter erblicken wir direkt vor uns die Aufbereitungs- und Siloanlagen des Steinbruches der Fa. Schicker. Kurz nachdem wir diese durch- und unterquert haben, stellen wir den Wagen vor dem Ortsschild der Stadt Kupferberg (zweckmäßigerweise auf der rechten Seite) ab.


Aufbereitungsanlagen 
(Foto von 1993)
Siloanlagen im Steinbruch 
(Foto von 1993)

Was für ein imposanter Anblick auf der anderen Straßenseite! Wir stehen vor einer beeindruckenden Diabas-Wand, die in etlichen Strossen gegliedert ist; vor uns fällt der Steinbruch tief ab. Bei regnerischem oder stark bewölktem Wetter konnte man sich noch bis vor einigen Jahren der bedrohlichen Szenerie kaum entziehen. Der Abstand der oberen Strossen zur Bundesstraße, an der wir stehen, war sehr gering. Mit der stetigen Steinbruchs-Erweiterung  (und damit einhergehenden stetigen Entfernung der oberen Strossen) in Richtung der Nachbargemeinde Guttenberg ist davon nur noch ein Teil übriggeblieben. Guttenberg? Ja, genau der … Karl-Theodor! Das Familienschloss der "von und zu Guttenberg's" liegt nicht weit entfernt.


Nordteil, Stand: 2006

Nordteil, Stand: 2006
Wir blicken hierbei in den älteren Nordteil des Steinbruches. Der südliche Teil - weniger imposant und nur teilweise von der Straße einsehbar – ist vergleichsweise klein und (nach meinen Erfahrungen) für eine Mineralsuche interessanter weise nur wenig interessant. Kurz: Die Musik spielt(e) eindeutig im Nordteil!

Einige Impressionen vom Steinbruchgelände, aufgenommen zwischen 1991 und 1994:


Blick vom Süd- in den Nordteil
Zugang zum Südteil
Aufbereitung vom Südteil aus gesehen
Blick vom Südteil auf die Aufbereitung und den dahinterliegenden Nordteil
Blick in den alten Steinbruch nach Westen in Richtung Guttenberg ; aufgenommen von den Sportanlagen am Würmberg (1991)
Blick in den alten Steinbruch nach Westen in Richtung Guttenberg; aufgenommen von den Sportanlagen am Würmberg (1992)


Alles uninteressant hier?

Der Gesteinskörper wirkt von Weitem sehr stark zerklüftet, allerding sehr homogen; große Gangzonen oder Nebengesteinseinlagerungen wie z.B. am Grundberg im nahe gelegenen Stadtsteinach (Steinbruch Fa. Heiss) suchen wir vergebens.
Die oberste Abbaustrosse nähert sich dem westlich gelegenem Steinbruch in Guttenberg, der auch von den Hartsteinwerken Schicker abgebaut wird, bis auf weniger Meter. Interessanterweise ist die Mineralisation in beiden Aufschlüssen nicht gleich. Ähnliches lässt sich bei fast allen Diabas-Steinbrüchen im Frankenwald und Bayerischen Vogtland sagen: Jeder Aufschluss hat seine eigene, spezifische Mineralisation. Nur wenige "Durchläufer"-Minerale (Quarz, Titanit, Anatas, Epidot, Chlorit) lassen sich überall finden.


Nordteil
Nordteil
Aufbereitung (1992)
Sohle 0 im Nordbruch (1991)



Der Steinbruch der Hartsteinwerke Schicker ist in der Literatur nur selten thematisiert worden, obwohl er einst der größte Steinbruch in Nordbayern war. Vielleicht liegt es daran, dass die Mineralien fast ausschließlich als Mikromineralien vorliegen und höffige Zonen sich auch dem ortsfremden Sammler nicht gleich erschließen. Aber auch manche "einheimische" Sammler konnten dieser Fundstelle nicht viel abgewinnen, obwohl hier doch einige Spezialitäten zu finden sind bzw. waren. Spektakuläre Funde, wie z.B. die Anatas-Kristalle in alpinen Ausmaßen aus dem Hofer Raum, sind hier ausgeblieben.

Ich nehme mich da nicht aus. Jahrelang habe ich diesen Steinbruch im wahrsten Sinne des Wortes "links liegengelassen", das Gestein wirkt steril, ist extrem zäh und äußerst arm an offenen Klüften. Nur dünne und kurze Calcit- und Quarzäderchen durchziehen den Diabas. Erst eine gemeinsame Exkursion im Jahre 1984 mit dem damals wohl aktivsten Regionalsammler, Kenner der lokalen Fundstellen und Fachmann, Erich Flügel aus Bayreuth (Nachruf in "Lapis", 2004, Heft 4, S. 5) brachte den sog. "Aha-Effekt". Seitdem habe ich diesen Steinbruch unzählige Male systematisch begangen und bin stets gut fündig heimgekehrt.

Blick in den Nordteil des Steinbruches Kupferberg (1993)


Die Mineralien

Der oberflächliche Eindruck einer uninteressanten Fundstelle wird dadurch verstärkt, dass eigentlich nur Albit und Quarz in kleinen freistehenden Kristallen in porösen Stellen des sonst dichten Diabases sofort zu erkennen sind. Freistehende Calcit-Kristalle sind klein, schmutzig-grau und meist nur undeutlich ausgebildet. Ich fand simple Rhomboeder und schlechte Skalenoeder. Die extreme Formenvielfalt der Calcite vom Grundberg bei Stadtsteinach sucht man hier vergebens.

Nur ein Mal fand ich auf der Oberfläche eines Felsens in Kubikmeter-Größe auf der Strosse "0" (Zufahrt-/Straßenniveau) eine handtellergroße Rasenfläche mit einzelnen, freistehenden Baryt-Kristallen bis 1 mm. Diese sind milchig-weiß und zeigten einen leicht fettigen Glanz. {210} ist typisch, aber nicht dominant. Auf dem gleichen Felsen befand sich im Randbereich ein eher tafeliger Baryt-Einzelkristall mit Phanton-Bildung. Dieses blieben Einzelfunde.
Auch der Fund von Prehnit in Kristallaggregaten bis 0,6 mm im Jahre 1983 stellte sich als einmalig heraus (Fund: E. Flügel, heute: Sammlung "Micromounter").

Baryt mit Phantom. Bildbreite ca. 4,3 mm


Sieht man von oberflächlichen Verwitterungsbildungen, wie Malachit, Limonit (beide erdig) und krümeligen Selenit (Gips), undeutlichem Jarosit einmal ab, sind Funde nur möglich, wenn man die Calcit-Adern aussäuert. Hier heißt es, interessante Stücke bereits im Steinbruch auf spätere Stufengröße zu zerkleinern und auf Verdacht mitnehmen.

Zur eventuellen Nachsuche sollten Sie die genauen Entnahmepunkte der Proben, wenigstens aber deren Steinbruch-Strosse notieren. Leider hat sich gezeigt, dass die Mineralisation im Steinbruch nicht einheitlich ist. Nicht unter jeder grobspätigen Calcit-Schicht verbergen sich die Mineralien (auf die ich gleich eingehen werde). Auch auf derselben Strosse wechseln sich unregelmäßig fündige und "tote" Partien ab.
Generell habe ich festgestellt, dass Funde auf den Strossen 0 bis +2 eher möglich sind als auf den darüber liegenden. Auf die tiefer liegenden Strossen (-1 und -2) komme ich später.

Als kleine Hilfestellung sei gesagt, dass man dem Diabas (bzw. der Calcitschicht) sehr oft von "Außen" ansieht, ob sich die Mitnahme lohnt. Dieser Blick wird mit fortlaufenden Sammlerjahren geschult. Bei hellgrünen Flecken im Gestein, kann man davon ausgehen, dass auch Epidot nicht weit ist. Dieser bildet nach Absäuern typische oliv-grasgrüne Kristalle bis 0,2 mm und tritt meist rasenbildend auf einem, noch nicht eindeutig bestimmten grün-braunem Silikat-Mineral (Klinochlor?) auf.
Sehen Sie auf einer frischen Bruchfläche am Übergang zwischen Diabas und Calcit-Deckschicht kleine goldgelbe Körnchen, dann dürfen Sie sich über Pyrit-Kristalle (Kuben und Pyritoder) bis 2 mm Kantenlänge freuen. Allerdings nur auf diese: Neben unansehnlichen Quarz-Kristallen, auf denen die Pyrite aufsitzen, sind weitere Minerale (vor allem Titanoxide) Fehlanzeige. Eine Beobachtung, die sich an vielen Stellen des Frankenwaldes wiederholen lässt.

Einzelne Quarze in Bergkristall-Qualität erreichen max. 8 mm Höhe. Die Kristalle sind extrem verzerrt, abgeflacht und zeigen interessante Flächen-Größen-Kombinationen. Vorherrschend sind Nadelquarze bis 1 mm Länge.

Pyrit-Kristalle. Bildbreite ca. 4,3 mm

Besonders nach Absäuern der Calcit-Schichten unter 1 cm Dicke auf einem eher hellgrauen, körnigen Diabas finden sich Anatas, Titanit und Axinit in winzigen braunen, hellbraunen bis braun-rosafarbenen Kristallen bis 0,3 bis 0,7 mm. Die seltenen Anatase zeigen sich als spitz-bipyramidiale Kristalle, nur selten sieht man abgeflachte (mit Basis). Die Titanite lassen sich nur bei starker Vergrößerung von den fast gleichfarbenen Axiniten unterscheiden. Titanit ist sehr häufig zu finden, Axinit – meistens in absolut lehrbuchhafter Auskristallisation – tritt dagegen mengenmäßig stark zurück. (Wenn Sie Axinit nicht eindeutig identifizieren können, dann haben Sie mit Sicherheit einen Titanit vor sich). Alle haben als Begleiter winzige Quarz-Kristalle-Rasen. Daneben gesellen sich einzelne Chlorit-Blättchen und hin und wieder winzige weiße Albit-Kristalle.

Titanit neben Nadelquarz und Albit. Bildbreite ca. 2,4 mm
 
Chalkopyrit tritt gegenüber Pyrit sehr stark zurück und ist eigentlich nicht für Mikromounter interessant. Freistehende, gut ausgebildete Kristalle kenne ich von dort nicht. Mir liegen einige Belegstufen mit unregelmäßigen Körnern im Diabas vor. Begleiter ist Malachit als erdiger Anflug.

Eine große Überraschung stellen die Funde von makellosen Sphalerit-Kristallen im Anstehenden aus einer engbegrenzten, durch Haufwerk abgesperrten Zone auf der Strosse +1 dar. Die Kristalle sind von stahlblauer bis schwarzer Farbe und gruppieren sich als vielflächige Aggregate. Zwillinge nach {111} sind häufig, Einzelkristalle erreichen Größen bis 2 mm. In der gleichen Zone, allerdings nie gleichzeitig nebeneinander mit der Zinkblende, ließen sich im derben Calcit kleine Galenit-Aggregate bis Würfelzuckergröße  bergen, die aber keine Kristallflächen zeigen. Der Bleiglanz ist sehr empfindlich beim Absäuern.
An diesem Tag im Spätherbst 1998 erkannte ich trotz einsetzender Dunkelheit die Bruchflächen der eingewachsenen Erze im Calcit recht deutlich und barg ca. 2 Kilogramm Gesteinsprobenmaterial. Daraus wurden am Ende 17 Mikromineralstüfchen. Eine Nachsuche eine Woche später an gleicher Stelle blieb erfolglos. Andere Bereiche des Steinbruches zeigten keine Zn-Pb-Vererzung.

Daneben ist auch Allanit in winzigen braunen, leistenförmigen Kristallen beschrieben worden (vgl. Lapis, 1989, Nr.2, S.32). Ich kann mich glücklich schätzen, nach etlichen Besuchen und etlichen Litern Salzsäure, auch Allanit-Kristalle von 0,3 mm Länge neben Albit gefunden zu haben. Allerdings nur einmal; Allanit ist dort sehr selten oder wird vielleicht auch nur gerne übersehen, wer weiß.

Ilmenit und Zirkon (auf dem Foto leider undeutlich) auf Albit. Bildbreite ca. 2,4 mm

Nur wenige Eingeweihte wussten von dem Vorhandensein besonderer Albit-Anreicherungen im Diabas auf der untersten Sohle. Auf einem Areal in der Nähe der (alten!) Rampe, vielleicht 3 x 4 m groß, zeigten sich direkt auf der Bruchsohle gangförmige Zonen mit fleischrotem Albit, der mit feinen Calcit-Gängen durchzogen war und sich deutlich vom graugrünen Nebengestein absetzte. Das farbenprächtige Gestein ließ sich nur sehr schwer und in kleinen Stücken bergen. Allerdings lohnte die Mühe: Nach Einlegen in verdünnter Salzsäure kamen auf roten bis rosafarbenen Albit-Kristallen (bis 2 mm) und neben kleinen Chlorit-Kügelchen makellose Zirkon- und Ilmenit-Kristalle zum Vorschein.
Erster, meistens gräulich, wird bis 0,7 mm groß und ist öfters von einer feinen Kruste Hämatit in kugelig-warziger Form (Roter Glaskopf ?) überzogen, sodass er dann eine rot-graue Farbe annimmt.  Die Ilmenite sind stets flachtafelig, es dominieren  {011} und {102} als "Randflächen". Die Farbe ist bleigrau, der Glanz stumpf, die Größe endet bei 0,8 mm.

Typische Ilmenit-Tafel auf Albit. Bildbreite ca. 2,2 mm

In der Literatur werden darüber hinaus Apatit, Magnetit und Brookit angeführt. Diese kann ich durch Eigenfunde nicht belegen.Vier weitere Unbekannte liegen noch in meinen Schubladen.


Hinweise

Die Zone im Liegenden der untersten Bruchsohle ist nicht mehr vorhanden. Lose Reststücke können mit viel Glück seitlich der neuen (jetzigen) Rampe gefunden werden. Achten Sie darauf, dass Ihre Proben mit Calcit durchzogen sind. Nach Regenfällen ist der Kontrast des roten Albits zum graugrünen Diabas besonders hoch und erleichtert das Auffinden einiger Belegstücke.
Sofern Sie eine Genehmigung zum Betreten des Steinbruches erhalten, sollten Sie schweres Werkzeug einpacken. Vergessen Sie auch nicht den obligatorischen Schutzhelm (die Strossen sind sauber ausgeräumt, die Suche findet hauptsächlich im Schutt vor den Steilwänden statt), Sicherheitsstiefel und vielleicht eine Warnweste. Die Mitnahme einer Probeflasche mit Salzsäure kann unterbleiben –  ich denke, Sie können auch "ohne" den Unterschied von Calcit und Quarz und somit das Mitnahmekriterium erkennen. Da nur sehr wenige Minerale freistehend sind, kann die Mitnahme von Verpackungsmaterial auf ein Minimum begrenzt werden. Viel Glück.




Donnerstag, 14. Juli 2011

Micromount-Sockel (1)


Oft werde ich gefragt: "Wozu brauchen meine Stufen einen Sockel? Ein Stückchen Kitt zur Befestigung, und fertig ist die Laube … ".

Sicherlich, die Notwendigkeit eines Sockels (Podestes), auf dem die Mineralproben montiert werden, ergibt sich nicht jedesmal. Betrachten wir hierzu die "klassische europäische" Micromount-Dose, die ich im Februar 2011 an dieser Stelle als "Variante 1" skizzierte: Das Bodenteil weist einen umlaufenden Rand von 10 mm  Höhe auf, als Gesamthöhe stehen uns 20 mm zur Verfügung. Das dargestellte Mineral bzw. der montierte Kristall sollte idealerweise aus möglichst allen verfügbaren Richtungen uneingeschränkt zu betrachten sein. Das ist nur zu realisieren, wenn die unterste Begrenzung des Objekts (z.B. der Bereich, in dem ein Kristall auf der Matrix "fußt") wenigstens über den Bodenteilrand hinausragt. Mit abnehmendem Abstand zum Dosenboden wird der Betrachtungswinkel eingeschränkt. Im Extremfall – wenn ein kleiner Einzelkristall am Boden "klebt" – bleibt uns nur die Betrachtung von oben. Durch diese ungünstige Montagehöhe können viele wichtige Informationen verloren gehen, weil sie sich uns nicht erschließen.

Die obligatorische Verwendung von Sockeln als Basis von Micromounts hat zunächst historische Gründe. Besonders in Nordamerika war und ist es bis heute üblich, die Mineralprobe im hohen Teil der Dose zu montieren. Erst ein Sockel ermöglicht die ausreichende Betrachtung der Kristalle, die sonst im dunklen Dosengrund verschwinden würden. Zur Vereinfachung wird sogar darauf geachtet, dass alle Micromounts die gleiche Betrachtungshöhe unter dem Binokular haben; die Summe der Höhen von Sockel und Stufe sollte gleich bleiben.
Diesen Aufwand treiben wir nicht. Die Befestigung der Stufe im flachen Dosenteil ("Deckel") ist der erste Schritt zur Vereinfachung der Montage und setzt sich so langsam auch im Mutterland des "Micromounting", den U.S.A., durch, auch wenn manche Micromounter dieses fast als Verrat an der Micromount-Kultur und Missachtung der eingeführten "Grundregeln" erachten So ist es meist auch kein Wunder, dass ein guter "Micromounter der alten Schule" mit der "alten" Methode (1. Formatierung der Probe auf ein Minimum mit max. Reduzierung der Matrix; 2. Aufkleben des Minerals auf einen angespitzten und schwarz lackierten Sockel aus Kork, 3. Einkleben des Ensembles auf den Boden des hohen Dosenteils, der wiederum nachträglich schwarz lackiert wird, da sogar fertig eingefärbte Dosen einen zu hohen Glanz aufweisen) im Jahr nur ca. 30-50 "Mounts" herstellen kann! So mancher Tausch mit Partnern aus Übersee kann sich "schwierig" gestalten.

Abb. 1: USA-Micromount "D. Babulski-Style"
In Mitteleuropa wird dagegen der Matrix eine große Aufmerksamkeit geschenkt. Gut, vielleicht ist das auch nur ein vorgeschobener Grund für unsere Faulheit zur exzessiven Formatierung der Mikromineralproben.  Unsere Formatierungsbemühen enden meist, wenn die Stufe unbeschadet irgendwie in eine Micromountdose passt und das Mineral gut sichtbar ist. Wenn aber die Stufe sehr klein ist oder nur ein Einzelkristall vorliegt, dann muss auch der mitteleuropäische Mikromineralsammler für eine ausreichende Betrachtungsmöglichkeit sorgen. Das geht nur mit Sockeln, die das Objekt über Dosenrandniveau - also die o.g. 10 mm - hebt oder durch die Verwendung einer Dose ohne hohen Rand (z.B. der "Variante 3").
Leider sieht man sehr häufig, dass dieses nicht erfolgt. Schade um die Funde, die sehr unvorteilhaft präsentiert werden.

Nebenbei: Stufen über 10 mm Höhe, bei denen die Kristalle direkt auf der Oberseite sitzen, benötigen i.d.R. keine Sockel. Hier reicht meines Erachtens die Verwendung einer kleinen Kittkugel bzw. das direkte Einkleben mit Heiß- oder Sekundenkleber aus. Die Amerikaner mögen mir dieses verzeihen.

Also, wer gerne bastelt und malt, der verwendet die angesprochenen Kork-Podeste und gestaltet diese nach den Anforderungen der Mineralstufe. Dagegen ist nichts einzuwenden.

Abb.2: Kunststoffrollen

Ich bin dazu übergegangen, möglichst Fertigprodukte als Sockel (Podest) einzusetzen, die nur noch wenig Nacharbeiten erfordern. Alle haben eine neutrale schwarze Farbe, sollten möglichst nicht oder nur wenig glänzen und Sekundenkleber-tauglich sein. Für eine ansprechende Montage ist es wichtig, dass die Stufe den Sockel möglichst überdeckt, so dass dieser bei einer Betrachtung von oben nicht sichtbar ist; die Sockel sollte es in unterschiedlichen Höhen und Durchmesser geben. Die Auflagefläche zum Kleben sollte ausreichend bemessen sein.

Meine Favoriten möchte ich heute vorstellen:

Kunststoffrollen

Nr. 1 (Abb.2):
Bügelperlen (z.B. von Hama®), meist in Beutel zu 1.000 Stck.
Abmessung: D 4,5 mm / H 5 mm
Anwendung: für Stufen von 6 bis 8 mm Breite
Kosten pro Stck.: ca. 0,15 Cent
Gibt es im Bastelbedarf. Kinderspielzeug!

Nr. 2 (Abb.2):
Abstandshalter für Elektronikplatinen (Distanzrollen)
Abmessung: D 7 mm / H 5 mm
Anwendung: für Stufen von 8 bis 16 mm Breite
Kosten pro Stck.: ca. 2 Cent (bei Kauf von 500 Stck.)

Nr. 3 (Abb.2):
Abstandshalter für Elektronikplatinen (Distanzrollen)
Abmessung: D 7 mm / H 10 mm
Anwendung: für Stufen von 8 bis 16 mm Breite
Kosten pro Stck.: ca. 2,5 Cent (bei Kauf von 500 Stck.)


Glasstifte

Abb. 3
Abb.4: Eingeklebter 7-mm-Glasstift

Abb.3 und 4:
Glasstifte (Stiftperlen)
Abmessung: D 2 mm / Länge 7 mm
Anwendung: für Stufen von 3 bis 5 mm Breite
Der Verkauf erfolgt nach Gewicht. Eine handelsübliche 15-Gramm-Dose kostet 1,50 Euro. Sie enthält ca. 450 Stück.
Kosten pro Stück: ca. 0,3 Cent
Hinweis: Achten Sie auf Qualität. Die Angabe "Länge 7mm" scheint bei manchen Herstellern (z.B. Rayher®) nur ein statistischer ob. Mittelwert zu sein. Viele Stücke sind Bruch und nicht zu gebrauchen. Auch die Güte der Bruchkanten (gerade, schräg) ist für unseren Einsatz wichtig. Die Länge von 7 mm sollte nicht unterschritten werden.  Gibt es im Bastelbedarf.

Abb.5.:
Glasstifte (Stiftperlen)
Abmessung: D 2 mm / Länge z.B. 9 mm und Länge 13 mm
Anwendung: für Stufen von 3 bis 5 mm Breite
Der Verkauf erfolgt nach Gewicht. Ein 50-Gramm-Beutel kostet 1,50 Euro. Er enthält ca. 1.100 Stück (9 mm) und 760 Stück (13 mm).
Kosten pro Stück: ca. 0,15 Cent (9 mm) bzw. 0,2 Cent (13 mm)
Handlich und für viele Fälle die ideale Wahl.

Abb.5



Mit diesen Fertigteilen decke ich fast alle Anwendungsfälle ab. Besonders die edlen, opaken Glasperlen stellen nach senkrechtem Einkleben auf den flachen Dosen"boden" einen idealen Sockel für kleine Einzelkristalle oder winzigen Mineralstufen dar. Nach einigen Versuchen gelingt es auch, den Sekundenkleber völlig unauffällig aufzutragen.

Bald folgen an dieser Stelle weitere ausgefallene Sockel-Ideen.