Dienstag, 20. September 2011

Internetfundstücke (3)


Glücklicherweise nimmt die Anzahl frei zugänglicher Qualitäts-Digitalisate seit den letzten Jahren stetig zu. Viele Werke – besonders aus dem Bereich der Geowissenschaften  und des Montanwesens – wären sonst für viele Interessenten und Bibliophile von uns nicht erreichbar.
Der Brand in der Herzogin Anna-Amalia-Bibliothek (Weimar) im Jahre 2004 oder der Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009, bei dem jeweils viele Kulturschätze zerstört wurden, mag auslösend für die hohe Geschwindigkeit sein, mit der die alten Bücher derzeit gescannt werden. Nur ein Teil davon wird allerdings (kostenfrei) öffentlich gemacht.


Aus Braunschweig könnten besonders folgende Digitalisate mit stark regionalem Bezug von Interesse sein:


Titel
Entstehung und Bau der Gebirge, erläutert am geologischen Bau des Harzes
Autor
Kloos, Johann Hermann
Institut / Verlag
Braunschweig : Westermann, 1889
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Titel
Magnalia Dei In Locis Svbterraneis Oder Unterirdische Schatz-Cammer Aller Königreiche und Länder, : Jn Ausführlicher Beschreibung Aller, mehr als MDC. Bergwercke Durch Alle vier Welt-Theile, Welche Von Entdeckung derselben bis auf gegenwärtige Zeit gebauet worden, und noch gebauet werden; in was Stand sie jemahls gewesen/ und wie sie jetzo beschaffen; was vor Ertze/ Steine und Berg-Arten aus solchen jemahls gewonnen/ und noch zu Tage ausgefördert werden; Nebst Anmerckung aller derjenigen Länder und Oerter/ wo Edelgesteine zu finden; Jn Geographischer Ordnung und einigen Kupffer-Figuren zu besichtigen / dargestellet von Francisco Ernesto Brvckmann
Autor
Brückmann, Franz Ernst
Institut / Verlag
Braunschweig, 1727
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Titel
Die technisch nutzbaren Gesteinsarten des Herzogtums Braunschweig . Mit einer Karte des Herzogtums Braunschweig
Autor
Brackebusch, L.
Institut / Verlag
Braunschweig : Vieweg, 1912
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Titel
Thesaurus subterraneus, ducatus Brunsvigii, id est: Braunschweig mit seinen unterirrdischen Schätzen und Seltenheiten der Natur / [von] Franc. Ernest. Brückmann
Autor
Brückmann, Franz Ernst
Institut / Verlag
Braunschweig : Meisner, 1728
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Titel
Geognosie des Herzogthumes Braunschweig und des Harz-Gebirges : Epipolaeographie (Oreographie und Hydrographie), Petro-Stratographie (spezielle Geognosie) und Geogenese (Erdbildung)
Autor
Lachmann, Heinrich Wilhelm Ludolph
Institut / Verlag
Braunschweig : Vieweg, 1852
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Titel
Norddeutsche Beiträge zur Berg- und Hüttenkunde / hrsg. von Johann Friedrich Ludwig Hausmann
Autor
div.
Institut / Verlag
Braunschweig : Reichard, 1806-1810
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1. Stück 1806     


 Beide Abbildungen stammen aus dem 
"Hortus sanitatis" von Meydenbach 
aus dem Jahre 1491




Donnerstag, 15. September 2011

Fundstelle: Schmölz bei Presseck, Frankenwald (2)



fortgesetzt von hier 


Die Mineralien

Ouarz
Hauptgangmineral. Öfters in schönen Einzelkristallen, als Rasen und auch seltener als Kappenquarz. Kristalle in ungeahnter Trachtenvielfalt. Milchige Kristalle bis 2 cm Länge, wasserklare bis 8 mm. Zwillingsbildungen und Schwimmer häufig. Viele Kristalle enthalten Inklusen von Kupferkies, Bleiglanz sowie von Luft/Gas und Wasser.
Calcit
Gangausfüllung, meist grobspätig-derb, milchig bis schmutziggraue kompakte Massen mit Mn-Mulm oder Limonit; nur in Einzelfällen auch in kleinen Rhomboedern bis 1 mm direkt im Kontakt zum Tonschiefer oder eingewachsen in Quarz.
Chalkopyrit
Körnige Einsprenglinge, meist in erdigem Limonit und mit dünner Malachithaut. Kristalle sehr selten, dann bis 1,5 mm Kantenlänge; Anf. der 80'er Jahre des letzt. Jahrhunderts fand ich freistehende Tetraeder von 8 mm Kantenlänge neben großen Quarz-Kristallen. Zwillingsbildungen bis 5mm.
Galenit
Vornehmlich derb, in kleinen Butzen eingewachsen. Als sog. "Bleischweif" häufig. Proben über Würfelzuckergröße sind selten. In dessen Nähe finden sich veborzugt Cerussit, Anglesit, Covellin und elem. Schwefel in schönen Kristallen.  Idiomorphe Kristalle bis 2mm, stets mit dünner Cerussithaut, sind äußerst selten.
Sphalerit
Derbe, leicht grünliche Körner neben Galenit bis 5 mm; selten
Pyrit
Meist limonitisierte idiomorphe Kristalle, die in Calcit, seltener im Quarz eingewachsenen sind. Als Kuben und Pyritoeder – nebeneinander; bis 4 mm
Malachit
In nadeligen Büscheln, radialstrahligen Rosetten und feine Rasen, Kristalle bis max. 1mm; ansonsten als erdiger Anflug neben Chalkopyrit, gerne auch als kleine kugelige Sphärolithe auf Quarz
Azurit
Absolut rar, schlecht entwickelt und winzig. Neben Chalkopyrit
Cerussit
häufigstes Sekundärmineral in großem Formenreichtum. Nadeln (milchig-trüb, bis 5 mm Länge), dickprimatische, flächenreiche Kristalle mit Endflächen (wasserklar, bis 1,5 mm), Zwillingsbildungen). Aber auch als erdiger Überzug auf Galenit.
Anglesit
Modellhafte, wasserklare Kristalle bis 0,7 mm meist neben bzw. auf Bleiglanz. Öfters in Gegenwart von elem. Schwefel und blättrigem Covellin. Insgesamt eher selten
Covellin
bildet kleine gerundete Blättchen, die auch zu Aggregaten aufwachsen. Auf Covellin sitzende Anglesitkristalle lassen den Covellin rot erscheinen. Bis 0,4 mm
elem. Schwefel
Gelbe, transparente und flächenreiche Kristalle bis 1 mm neben oder im zersetzten Galenit.
Pyromorphit
Feine, hellgelbe bis lichtgrüne Nädelchen bis 1 mm auf Schichtflächen des Nebengesteins stellten sich als Pyromorphit heraus. Begleiter ist Natrojarosit und Limonit. Nicht sehr häufig
Linarit
Haarförmige Nädelchen; Aggregate meist in kleinen Büscheln neben Galenit und Cerussit. Bis 0,5 mm. Selten.
Aurichalcit
Neben Cerussit und Hemimorphit das häufigste Sekundärmineral; überwiegend von himmelblauer Farbe, aber auch blaß blaugrün bis schmutzig türkis zu beobachten. Die kleinen Blättchen sind meist eingewachsen; aber auch in kleinen freien Rosetten und Kugeln bis 4 mm Durchmesser. Begleiter: Gangarten.
Langit
kleine prismatische Kristalle in grünlich-blauer Farbe. Sehr spärlich.
Natrojarosit
Rehbraune bis braungelbe Kriställchen bis 0,2 mm stellten sich als Natrojarosit heraus. Diese sind meist in abgerundeten Aggregaten, aus mehren Subindividuen bestehend, im erdigen Limonit zu finden. Hochglänzend. Erstfund: Micromounter 1981! Erstbeschreibung: Flügel, Bayreuth, 1990. Lange für ein Mineral aus der Corkit-Reihe gehalten. Wird sehr leicht übersehen; nach meinen Beobachtungen häufiger als angenommen.
Hemimorphit
gestreckte Täfelchen als Rasen, fächerförmig, auch als Kügelchen und in Aggregaten, die sich aus eng verwachsenen Kristallen aufbauen. Überwiegend farblos, aber auch milchig weiß. Einzelne Täfelchen werden bis 1,5 mm groß, Kügelchen bis 6 mm Durchmesser. Gerne in der Begleitung von Aurichalcit, oft auf Quarz aufsitzend in häufig äußerst attraktiven Kleinststufen. Häufigstes Sekundärmineral.
Mimetesit
Fraglich. Typische, stark fettglänzende Nadeln bis 0,5 mm, von leuchtend gelber Farbe auf stark zersetztem Schiefer, könnten Mimetesit sein. Der Nachweis steht jedoch noch aus. Vielleicht doch nur Pyromorphit.
Plagioklas / Albit
Freistehende, milchige bis porzellanfarbe Kristalle auf Klüften des Nebengesteins in Kontakt zum Gang
Klinochlor
Auf Klüften und Quarz-Zwickeln am Übergang Nebengestein-Gangquarz; wurmförmige Aggregate aus blättrigen, sechsseitigen Kriställchen bis 0,5 mm Größe; oliv- bis gelbgrün.
Brochantit
Im Mineralienatlas aufgeführt; keine Eigenfunde und weiteren Informationen bekannt.
Chrysokoll
Kleine Füllungen neben Kupferkies, eher selten
Sideronatrit
Gelbbraune bis blaßgelbe Kügelchen aus einzelnen Nädelchen, auf Quarz, bis 0,5 mm Durchmesser; unscheinbar, wird gerne übersehen.
Limonit
als Verwitterungsprodukt eisenhaltiger Erze
Aragonit
Kleine milchig-weiße Nädelchen auf Klüften und Zwickeln im Calcit stellten sich als Aragonit heraus. Die bis 0,5 mm großen, oft radialstrahlig angeordneten Kristalle sind eher selten.
Hämatit
Kleine Blättchen in Quarz, sehr selten
Galmei/
Hydrozinkit
Erdig, nieriger Überzug (Krusten) auf manchen Stufen neben Aurichalcit und Hemimorphit.
Wad /
Mn-Oxide
Mulmig, erdig auf fast allen Gangquarzstufen als Kluftausfüllung
vermutet
Chalkophyllit, Gips
Unbekannte
Weiße, stilbitähnliche Kristalle auf Quarz
Weiße, radialstrahlige Kügelchen
Grün-gelbe, nierige Krusten auf Nebengestein (Plumbogummit ?)

Bilder

Abb. 13:  Kupferkies in Quarz
Grube Johannes der Täufer (Halde)
Bildbreite ca. 3 mm
Abb. 14: Bergkristall-Gruppe
Grube Johannes der Täufer (Halde)
Bildbreite ca. 6.2 mm
Abb. 15: Quarz mit großer Trapezoederfläche
Grube Johannes der Täufer (Halde)
Bildhöhe ca. 5.5 mm
Abb. 16: Quarz. Parallel verwachsener Doppelender
Grube Johannes der Täufer (Halde)
Bildbreite ca. 3.5 mm
Abb. 17: Gangquarz
Grube Segen des Herrn (Stollen)
Bildhöhe ca. 7.0 mm
Abb. 18: Malachit-Pusteln auf Quarz
Grube Johannes der Täufer (Halde)
Bildbreite ca. 6.2 mm
Abb. 19: Malachit-Büschel
Grube Johannes der Täufer (Stollen)
Bildbreite ca. 3.3 mm
Abb. 20: Natrojarosit
Grube Segen des Herrn (Stollen)
Bildbreite: ca. 2.0 mm
Abb. 21: Cerussit (dickprismatisch)
Grube Johannes der Täufer (Stollen)
Bildbreite ca. 4.0 mm
Abb. 22: Cerussit (dickprismatisch)
Grube Johannes der Täufer (Halde)
Bildbreite ca. 4.0 mm
Abb. 23: Pyromorphit.
Grube Segen des Herrn (Stollenfund)
Bildbreite ca. 3.1 mm
Abb. 24: Pyromorphit.
Grube Johannes der Täufer (Halde)
Bildbreite ca. 2.1 mm
Abb. 25: Hemimorphit
Grube Johannes der Täufer (Halde)
Bildbreite ca. 6.2 mm
Abb. 26: Hemimorphit
Grube Johannes der Täufer (Halde)
Bildbreite ca. 6.2 mm
Abb. 27: Aurichalcit
Grube Segen des Herrn (Stollen )
Bildbreite ca. 5.0 mm



Fazit

Die Fundstellen der Köstenschmölz heben sich ein bisschen von den anderen Pb-Cu-Zn-Lagerstätten des Frankenwaldes dahingehend ab, dass die Anzahl der nachgewiesenen Mineralien relativ hoch ist. Lange blieben die Aufschlüsse unbeachtet, heute muss man mit Belegstücken zufrieden sein.
Für "Otto-Normalsammler" interessant ist heute vermutlich nur noch die Halde der Grube "Johannes der Täufer". Aber auch diese ist recht abgesucht und bietet nur noch mit großer Ausdauer befriedigende Funde. Da der dazugehörige Stollen leicht zu befahren ist, sind die Fundaussichten untertage stark zurückgegangen. Eine Befahrung lohnt vielleicht nicht mehr.
Das beste Material wird man noch im Grubengebäude des "Segen des Herrn" erwarten dürfen. Über die Schwierigkeiten beim Zugang schrieb ich oben; überschätzen Sie Ihre Möglichkeiten nicht! Von einer Befahrung muss ich aus heutiger Sicht abraten!

Auf die Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen zum "Wühlen im Wald" sowie zur Befahrung offener Bergwerkseinrichtungen muss ich hinweisen!

Glück auf!