Freitag, 30. März 2012

Fundstellen am Innerste-Stausee (5)



Die Grube "König David" im Heimbergtal südlich Wolfshagen

Der östlichste bergbauliche Aufschluss auf dem Ochsentaler Gang im Gegentaler Gangzug ist der ehemaligen Grube „König David“ zuzuordnen. Da er nicht weit von der im letzten Teil thematisierten Grube „St. Anna“ gelegen ist, möchte ich meinen Kurzbericht ebenfalls den „Fundstellen am Innerste-Stausee“ zuordnen, auch wenn allein schon der Zugang zu den Überbleibseln der Grube nicht direkt vom See aus erfolgt. Streng genommen hätte ich als Überschrift dieser Reihe besser „Aufschlüsse auf dem Gegentaler Gangzug“ wählen sollen. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Die Grube König David liegt am Nordwesthang des Borberges im Heimbergtal, östlich der Straße von Lautenthal nach Wolfshagen im Harz, einer kleinen Gemeinde zwischen dem Innerste- und Grane-Stausee, und ist äußerst komfortabel zu erreichen:
Von der uns schon bekannten Landesstraße von Langelsheim nach Lautenthal biegen wir, den Innerste-Stausee schon hinter uns gelassen, links im leicht spitzen Winkel ab und folgen der Kreisstraße nach Wolfshagen. Nach etwa 2 km folgen zwei Straßenkehren, zunächst eine scharfe Rechtskehre. Unmittelbar nach der folgenden Linkskehre sieht man auf der rechten Straßenseite die breit angelegte Einmündung eines Forstwirtschaftsweges. Das etwas zurückgesetzte Kilometerschild zeigt uns »5,7« (km). Ab hier geht es zu Fuß auf dem Wirtschaftsweg weiter.



Abb. 1: Anstehendes
Wir bleiben auf dem Hauptweg, der in einer langgezogenen Rechtskurve nach Süden tiefer in das Heimbergtal führt. Kaum zu übersehen ist kurz drauf ein kleiner Böschungsanschnitt auf der rechten Seite. Das anstehende Gestein (Devonischer Schiefer) ist eindrucksvoll gefaltet und zerschert.

Der breite Wirtschaftsweg wechselt kurz darauf auf die linke Talseite und quert dabei einen kleinen Bach, der uns seit fast 600 Metern Fußweg begleitet.  Linker Hand (Talostseite) zeigen sich signifikant die Haldenumrisse des „Unteren Stollens“ der Grube „König David“ (Abb. 2). Nun zeigt sich, dass es wieder einmal richtig war, unbekannte Aufschlüsse im Gelände, deren genaue Lage auch in der „Gangkarte des Oberharzes“ erfahrungsgemäß unzureichend genau dargestellt ist, nur im Frühjahr nach der Schneeschmelze aufzusuchen. Kein Blätterwald, der den Blick auf Haldenumrisse, Pingen und sonstige markanten Zeichen eines alten Bergbaus erschwert oder sogar verhindert. Optimale Bedingungen.


Abb. 2: Situation kurz nach Bachquerung. Die Haldenkante (Pfeile)
ist deutlich zu erkennen.

Wir steigen weglos in den Wald hinauf. Hier liegen wie an einer Perlenschnur aufgefädelt die Überreste des „Unteren Stollens“ und des „Oberen Stollens“. Dazwischen, jedoch in unmittelbarer Nähe des oberen Stollens liegt das „Schächtchen“. Die von SPERLING und STOPPEL [1] angegeben drei Zugänge konnte ich ausmachen, allerdings nicht eindeutig zuordnen: Einige zusätzliche tiefe Pingen mit dichter Laubdecke machen die Sache nicht leicht(er). Ausführlicher schildert SCHNELL [2] die ehemaligen Betriebsverhältnisse. Obgleich einiger Begriffsungenauigkeiten der Alten in den Bergwerksakten sieht er folgenden Anlagen als erwiesen an:
  • ein oberer Stollen (325 m)
  • ein unterer Stollen (101 m)
  • zwischen beiden eine Feldortstrecke
  • ein der Wetterhaltung halber angelegter Durchschlag vom oberen zum unteren Stollen
  • ein kleiner Tagesschacht.
Andere Quellen zitieren SCHNELL mit 2 Tagesschächten. Die Bergbauaktivitäten im frühen 18. Jahrhundert sollen darüber hinaus in einem großen Tagebau am ausbeißenden Gang begonnen haben. Wie dem auch sei, im Gelände ist die Zuordnung kaum noch möglich.


Abb. 3: In der Mitte des Bildes sind schön die Haldenkonturen
(hier des „Unteren Stollens“) zu erkennen. Blick vom Tal bergaufwärts.

Abb. 4: Vor dem „Unteren Stollen“ stehend ist bereits der Pingen-Rand
des „Schächtchens“ wenige Höhemeter oberhalb zu erkennen.

Abb. 5: Untere-Stollen-Halde von der Bergseite aus gesehen. Im
Vordergrund der Einschnitt zum verschütteten Mundloch. Der Pfeil
zeigt auf den Forstwirtschaftsweg, der uns zumAufschluss geführt
hat.

Abb. 6: In der Bildmitte befand sich das Mundloch zum „Oberen Stollen“.

Abb. 7: „Hinterlassenschaften“ anderer Sammler im
Bereich der Schachtpinge. Im Hintergrund
Stolleneinschnitte bzw. Pingenzug.

Die Grube „König David“ wurde 1713 erstmalig urkundlich erwähnt. Nach SCHNELL bat in diesem Jahr die Gemeinde Wolfshagen, die Grube am Borberg wieder aufzunehmen. Der Beginn der Bergbauaktivitäten lag demnach früher. In der Zeit von 1744-1767 erfolgte der Abbau von silberhaltigem Bleiglanz und von Kupferkies als reines Zubuße-Geschäft. Spätere Aufwältigungen Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts blieben erfolglos. 1898 ging der obere Stollen zu Bruch.

Was uns bleibt, sind die Halden. Diese liegen heute unter einer recht dichten Schicht Buchenlaub. Nur vereinzelt schauen größere Gangstücke hervor. Ein Herumpicken in tieferen Erdschichten zeigt die Ausmaße unseres Fundgebietes.

Gangmaterialien

Auf den Halden vor und neben den ehemaligen Mundlöchern und den Rändern der tiefen Pingen findet man hauptsächlich Quarz als Gangart. Dieser ist manchmal zertrümmert oder kommt in Form einer Brekzie mit Nebengesteinsfragmenten und den untergeordneten Gangarten Calcit und „Braunspat“ vor. Daneben treten Stücke reiner Quarz-Kalkspat- sowie Eisenspat-Trümer auf (s. Abb. 8 und 9).


Abb. 8:Ganggesteinsstück mit brekziöser Struktur

Abb. 9: Gangmaterial Quarz und „Braunspat“

Mineralisationen für Sammler


Die Gangstücke weisen öfters kleine Hohlräume auf, in denen einige schön ausgebildete Mikrominerale sitzen. Zunächst Kristalle der Gangartminerale selbst: Sofern von den Quarzen nicht nur die Spitzen innerhalb eines Rasens zu sehen sind, lassen sich besonders gedrungene Kristalle mit sehr schmalen Flächen des sechsseitigen Prismas, teilweise doppelendig ausgebildet, beobachten. Nicht selten sind einzelne trübweiße und wasserklare Quarz-Kristalle bis 7 mm lang. Besonders attraktiv unter dem Stereomikroskop sind wasserklare Quarz-Kristallgruppen, die von winzigen Calcit-Rhomboedern leicht „überzuckert“ sind. Die Kanten der Kalkspat-Kristalle sind meist abgerundet und erreichen Größen bis 1 mm. Freie Kristalle in derben Gangartstücken habe ich nicht beobachten können. Der Braunspat zeigt sich in eher linsenförmig. Während man noch „frische“ derbe Gangstücke mit nur geringer Oxidation findet, sind die Kristalle stark limonitisiert und halten selten eine Reinigung stand. 

Die in der Literatur genannten häufigen Gipskristalle (untertage) habe ich auf den Halden nur einmal in schlecht ausgebildeten, leistenförmigen Kristallen neben Calcit und Quarz gefunden. Die in großer Teufe des Grubengebäudes angetroffene Zinkblende zeigte sich mir auf den Halden allerdings nicht.

Überrascht war ich von dem Fund eines schönen Kupferkies-Tetraeders in einer schmalen Quarz-Kluft im Nebengestein. Der Einzelkristall ist ca. 2 mm groß, oberflächlich mit einer dünnen Limonit-Haut überzogen und zeigt auf einer Kristallfläche eine hellgrüne Malachit-Kruste.

Eher blind schlug ich auf ein großes Gesteinsstück in der Halde. Als erstes vernahm ich einen deutlichen Geruch von Schwefelwasserstoff, erst dann erfolgte der Blick auf das, was ich da aufgeklopft hatte: Das Handstück zeigt über die komplette Breite ein etwa 2 bis 2,5 cm breites Band (bzw. Teil eines Nestes) von feinkörnigem Bleiglanz. Die Absplitterungen zeigten zu Hause eingewachsene, kleine Chalkopyrite. Stellenweise überzieht das Erz eine dünne Cerussit-Kruste. Einige ausgefüllte Risse im Bleiglanz dürften auch Cerussit sein. Aber nicht nur „derbes Zeug“, was üblicherweise seinen Weg in den Abfall findet, fand ich: In einem Hohlraum zwischen Galenit und Nebengestein bzw. Gangart Quarz zeigten sich einige, winizige nadelförmige Kristalle (bis 0,4 mm, vermutl. auch Cerussit). Besondere Aufmerksamkeit schenkte ich blass hellgelben, fast schon rundlichen Kristallkörnern in einem weiteren Hohlraum im zersetzten Galenit. Aufgrund von Vergleichsfunden von anderen Pb-Cu-Zn-Lagerstätten möchte ich den Fund als ged. Schwefel ansprechen. Auch diese Körner sind winzig (ca. 0,25 mm).

Die Literatur gibt einen Silbergehalt  des Bleiglanzes von 0,10 bis 0,15 % (auf 100 % Pb bezogen) an. Silberglanz in mikroskopischen Mengen ist ebenfalls beobachtet worden.

Abb. 10: Gangstück mit Galenit

Da ich nur kurz auf den laubüberdeckten Halden herumgepickt habe, bin ich mit meinen Zufallsfunden ganz zufrieden. Eine gezielte Öffnung der einzelnen Halden würde sicherlich noch manch guten Fund bringen. Die Halden vor ehem. Mundloch des oberen Stollens und der Schachtbereich sind nach meinen Eindrücken ergiebiger als der Bereich des unteren Stollens.


[1] in: Geol. Jb., Reihe D, Heft 46, Stuttgart 1981

[2] SCHNELL, W. (1954): Das Bergbaugebiet von Wolfshagen-Langelsheim im Harz. Gangverhältnisse und Wirtschaftsgeschichte. - Schr. wirtschaftswiss. Ges. Stud. Nieders., 47: 35 S., 3 Abb.; Bremen-Horn (W. Dorn).



 

Montag, 19. März 2012

Fundstellen am Innerste-Stausee (4)


Im Mai letzten Jahres berichtete ich an dieser Stelle von einigen Fundstellen, die auf dem Gegentaler Gangzug westlich des Innerste-Stausees liegen. (vgl. hier, hier und hier). Die hier dominierenden Eisen-Mangan-Mineralisationen waren Grundlage für einen umfangreichen, wenn auch nicht sonderlich kommerziell erfolgreichen Bergbau. 


Abb. 1: 
Blick über den Innerste-Stausee. In der Bildmitte am gegenüberliegendem 
Ufer befinden sich die Haldenreste des Friedriken-Stollens (derzeit unter 
Wasser). Am rechten Bildrand der Einschnitt des Gegentales.

Jetzt wechseln wir auf die  gegenüberliegende Seite des Innerste-Stausees, bleiben aber auf demselben Gangzug, der sich über etliche Kilometer Länge weiter nach Osten bis Romkerhalle im Okertal fortsetzt. Primäres Gangmineral ist auch hier milchig-weißer, zuweilen auch kataklastischer Quarz. Die Eisenmineralisationen treten allerdings nun sehr stark zurück. Vereinzelt zeigen sich jetzt im Gangmineral kleine feinkörnige Nester von (silberhaltigem) Bleiglanz und Kupferkies, die das Interesse der Alten geweckt haben und an zwei Stellen bergbaulich aufgeschlossen wurden. Die Grubengebäude  und Halden sind im Vergleich zu denen im westlich des Stausees liegenden Gegental allerdings sehr klein.
Heute möchte ich zunächst einen der beiden(*) bergbaulichen Aufschlüsse als weitere Fundstelle auf dem Gegentaler Gangzug in unmittelbarer Nähe des Innerste-Stausees vorstellen, die in der breiten Sammlerschaft kaum noch Aufmerksamkeit erfährt, obwohl sie immer noch einige Leckerbissen zu bieten hat, wenn man (a) ausreichend Geduld mitbringt und (b) Mikromineralsammler ist:

Die Grube "St. Anna" im Ochsental südlich Langelsheim.

Einige alte Fundstellenführer stellen besonders die überdurchschnittlich guten Fundmöglichkeiten für große Kappenquarz-Stufen heraus und halfen, diese für Normalstufensammler ansonsten eher uninteressante Fundstelle bekannt(er) zu machen. Nach einem gewissen Sammlerzulauf in der Folgezeit blieben irgendwann die beachtenswerten Funde (s. Abb.2) aus verständlichen Gründen aus. Mikromineralstufen wurden dort nur selten gezielt gesucht, so mein Eindruck. Das wundert auch nicht, denn andere Aufschlüssen boten einen reicher gedeckten Tisch, mit mehr Material und einer umfangreicheren Paragenese. Mikromineralsammler überlegten zweimal, ob sie den langen Fußweg zu den beiden kleinen Halden der Grube St. Anna am Südosthang des Wittenbergs im oberen Bereich des Ochsentals  in Kauf nehmen sollten. Ich zähle mich dazu.
In der Folgezeit zeigten sich, nach Grab- und Klopfspuren zu urteilen, nur noch vereinzelt  Sammler am Südosthang des Wittenberges. Das heute "übriggebliebene" Material ist arm an sammelwürdigen Quarzstufen aber stellenweise immer noch fündig  an Mikromineralen.


Abb.2: 
Handtellergroße Stufe mit unbeschädigten Kappenquarzen 
von der Grube "St. Anna" im oberen Ochsental bei Langelsheim.
Sammlung & Foto: A. Gerstenberg, Berlin (**)

Die Landesstraße von Langelsheim nach Lautenthal führt uns zum Innerste-Stausee. Wenige Augenblicke später erreichen wir die rechterhand liegende Zufahrt zum Hotel-Gasthaus "Berghof (am See)" bzw. zum Campingplatz. Wir bleiben jedoch noch ca. 100 m auf der Landesstraße, um dann links in eine Forstzufahrtsstraße einzubiegen, an dessen Ende ein kleiner Parkplatz liegt, der uns als bequemer Ausgangspunkt für einen Besuch der Fundstelle dienen soll.
Rechts hinter der Wegschranke folgen wir der asphaltierten, kaum ansteigenden Forststraße fast einen Kilometer in südwestlicher Richtung bis zur Einmündung des Ochsentals. Die Straße wendet sich in einer langgezogenen Linkskurve ins Tal nach Osten, fällt kurz darauf in eine kleine Senke ab (Abb. 3). Diese Senke sollten sich Sammler merken, die einer Abkürzung von insgesamt 1,6 km Fußweg positiv entgegenstehen, auch wenn Sie teilweise anstrengend durchs niedrige Unterholz führt. Genaue Informationen hierzu am Ende dieses Berichtes.


Abb. 3:
Wegeverlauf am Eingang des Ochsentales. Blick zurück nach Westen.

Abb. 4:
Ein Stück vom Steinbruch Heimberg bei Wolfshagen

Der Weg steigt anschließend nun spürbar und kontinuierlich an. Wir passieren einen Wegeabzweig; hier wird aus Asphalt grober Wegeschotter. Links des Weges zeigt uns ein gravierter Diabasfelsen, dass wir uns auf dem (richtigen) Ochsentalweg befinden.
Nach ca. 800 weiteren Metern Fußweg durch einen abwechslungsreichen Mischwald mit hohem Buchenanteil erreichen wir, unterwegs eine Wegkreuzung passierend, linkerhand liegende Waldhütten (Abb. 5). Rechts neben bzw. hinter den kleinen Hütten erkennt man auch in Zeiten geringer Vegetation nur undeutlich einen Pfad bzw. alten Wirtschaftsweg, der stark ansteigend durch das Unterholz uns nach 150 Metern bis zur unteren Halde führt.


Abb. 5:
Hier heißt es, den bequemen Schotterweg zu verlassen.Am 
rechten Bildrand führt ein zunächst schmaler Trampelpfad 
bergaufwärts zu den Halden.

In Zahlen: Der Fußweg vom Parkplatz bis zur Halde ist etwa 2 km lang, die Hälfte davon verläuft eher eben auf Asphalt. Auf der holprigen Reststreckenhälfte überwinden wir insgesamt ca. 120 Höhenmeter, die sich als spürbar kräftezehrend erweisen können. Die benötigte Zeit zum Erreichen der Fundstelle ermitteln Sie bitte selbst anhand Ihrer körperlichen Kondition und der Schwere Ihres "Marschgepäcks". Als Minimum sollten Sie 30 Minuten einplanen, wir wollen ja nicht hetzen.

Auch wenn die Fundstelle im Naturpark Harz liegt und so Grabungen auf mit "einer belebten Erdschicht" bedeckten Halden untersagt sind, finden sich noch einige "offene" Haldenabschnitte, die man "bearbeiten" kann. Ob man deswegen gleich mit Schaufel und Pickel anrücken muss, muss jeder selbst entscheiden. Um etwaigen Fragen der Forstamts-Mitarbeiter im Vorfeld aus dem Weg zu gehen, sollte man es vielleicht bei einem kleinen, diskret im Rucksack verstauten Klappspaten belassen. Bereits ein Geologenhammer mit Spitze oder Schneide reicht für einen oberflächlichen Schurf aus, sollte aber mindestens 750 g schwer sein, um beim Zerteilen der zähen Quarze bzw. Quarzbrekzien genug "Durchzug" zu entwickeln. Schutzbrille, Handschuhe, Knieschoner, ein bisschen Verpackungsmaterial - das war's, mehr benötigen Sie eigentlich nicht. Ich empfehle, den ganzen Schmonzes wie Meißelchen, HCl-Probeflasche, Notizbuch, Strichtafel und Härtefeldbesteck – wie in manchen Hobbybüchern empfohlen – im Auto zu lassen.


Abb. 6 und 7:
Unterer Fundbereich | Stollenhalde

Tja, der erste Anblick der Haldenreste, die stetig weiter zuwachsen, mag ernüchternd sein. Auf den ersten Blick sieht das unspektakulär, nicht vielversprechend, vielleicht sogar enttäuschend aus. Kupfer- und bleihaltige Sekundärminerale treten auf diesem Gangzug überhaupt nur in geringen Mengen auf, sieht man einmal vom Malachit ab, der an zahlreichen Stellen des über 18 Kilometer langen Gangzuges nachgewiesen wurde. Aber auch er tritt mengenmäßig sehr stark zurück. Die Chance, kupfer-, blei-, untergeordnet auch zinkhaltige Sekundärminerale auf dem Gegentaler Gangzug zu finden, ist auf den Halden der Grube St. Anna am höchsten.
Nehmen Sie sich deshalb die Zeit und streifen Sie die unterschiedlichen Zonen der Halden ab, die der erfahrene Sammler immer noch erkennen kann. Mancher enge Haldenbereich zeigt unscheinbare Gesteine mit schmutzig weiß-grauer Kruste oder mit einem blass- gelblichen Anflug. Hier lohnt die Suche nach Mineralien der Pb-Paragenese. Alle Stücke mit blaugrünem Anflug zeigen die Bereiche mit Cu-Minerale. Die sind allerdings leider sehr selten geworden. Dazwischen liegen weite Haldenbereiche mit tauben Gangquarz- und Nebengesteinsstücken. Augenfällig ist die verquarzte Gangbrekzie. Hier und da mischen sich derbe Brauneisen-Stücke mit Kalkspat und Quarz darunter. Sammler mit Faible für trübe Gangquarz-Kristallspitzen sind hier richtig. Wer's mag …
Zinkminerale gehören heute zu den Raritäten.


Abb. 8:
Typisches Gangquarzstück

Haben Sie die entsprechenden Haldenzonen grob ausgemacht, so lassen Sie sich nieder, sprich: setzen, knien oder legen Sie sich hin und fangen Sie an, die oberste Lage Halden-Gestein wegzuschieben. Meist reicht das aus, um die ersten interessanten Gesteinsproben zu entdecken und zu bergen. Großflächiges und mehr als handbreit tiefes Graben ist eigentlich unnötig. Auch durch "Kratzen" an der Haldenoberfläche sollte es Ihnen gelingen, einen großen Teil der kompletten Mineralliste dieser Fundstelle "abzuarbeiten". Gut, die ist recht überschaubar:

Kupfer (ged.), Chalkopyrit, Covellin, Sphalerit, Galenit, Argentit, Pyrit, Quarz, Psilomelan, Delafossit (?), Cuprit, Limonit, Calcit, Malachit, Azurit, Cerussit, Hydrozinkit, Beaverit (?), Selenit (?), Pyromorphit (?)


Abb. 9:
Stolperfalle Drahtseil im Gelände

Abb. 10
Unterer Fundbereich

Den Bereich der oberen Halde (Schachtpinge) erreicht man am besten rechts der unteren Halde weglos durch den Wald hinauf. Hier befand sich die Schachtanlage der Grube St. Anna, die im 18. Jahrhundert bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhundert hinein einen wirtschaftlich unbedeutenden Abbau von Kupferkies, Bleiglanz, Zinkblende und Eisenoxid auf dem Ochsentaler Gang betrieb. Der dazugehörige Stollen lag etwas abseits und wenige Höhenmeter tiefer davon. Einige kleine Pingen ergänzen das Bild.

Nach älterer Literatur (u.a. im Lapis-Heft Nr. 10 von 1978) war in der Einbruchspinge des Schachtes die Gangzone sichtbar aufgeschlossen. Leider ist davon heute nur noch wenig zu sehen. Schade, denn gerade hier hat sich in der Kontaktzone zwischen Quarz und einem mit Kupferkies durchsetztem Siderit, beide stark verwittert, eine interessante Paragenese ausgebildet, die „mit der Zementationszone größerer Lagerstätten verglichen werden kann“.  Kupfer in verzerrten Kristallaggregaten bis 2 mm oder als dünne Bleche auf Quarz (Erstbeschreibung durch ZIMMERMANN, 1834) sucht man in diesem Haldenbereich, genauso wie die schon in Jahre 1918 beschriebenen Cuprit-Kubokateder bis 1 mm Größe, heute leider vergebens. Beide Minerale gehören heute zu den Raritäten dieser Fundstelle.
Ich fand zwei winzige Cuprit-Kristalle neben Brauneisen und völlig zersetztem Chalkopyrit erst 2010 auf der unteren Halde. Dabei blieb es. Kupfer und Cuprit als Minerale der Zementationszone sind im Oberharz ohnehin sehr selten anzutreffen.
Schwarze, stark glänzende Kristalle neben Cuprit und Kupfer sollen Delafossit sein (nicht gesichert).


Chalkopyrit findet sich auch nur selten meist in Quarz mit Brauneisenstein und Calcit eingewachsen, zumeist im Stadium fortgeschrittener Verwitterung. Die eingesprenkelten Körner oder Tetraeder erreichen (nach Haldenfunden) max. 5 mm Größe bzw. Kantenlänge. Hin und wieder zeigt sich in der Nähe ein dünner Saum bzw. Überzug von Covellin und Malachit. Letzterer ist meistens dicht, nur vereinzelt radialfaserig ausgebildet. Ganz selten – aber möglich – sind heute Funde mit freistehenden Büscheln in winzigen Drusen des Brauneisensteins oder in Hohlräumen des  Gangquarzes.

Bleiglanz gilt hier als silberarm und tritt als Erz nesterförmig in den Quarz-Trümern auf. Auf der Halde zeigt sich auf den Proben eine unscheinbare, aber typische schmutzig-weiß-graue erdige Kruste. Der Bleiglanz ist eher grobspätig ausgebildet und wirkt sehr frisch. Nur selten zeigen sich an den Kontaktbereichen zum Nebengestein bzw. Gangmaterial winzige Hohlräume, in denen sich ab und an auch nadelige Cerussit-Kristalle bis 1 mm zeigen. Ab und zu sind schöne Tafeln, eher selten Drillingsbildungen („Sterne“) zu finden. Hellgelbe erdige Krusten auf Bleiglanz könnten sich als Beaverit und/oder Pyromorphit herausstellen (nicht gesichert). Auch auf Spaltflächen eines verwitterten Galenits ist Covellin als tiefblau glänzende Kruste keine Seltenheit.

Argentit und Kupferglanz, schon im 19. Jahrhundert von dort beschrieben, ist mir leider nicht sicher zu Gesicht gekommen. Einige Kupferkieseinschlüsse haben einen silbrig-metallischen Saum, der Kupferglanz sein könnte, aber gesichert ist das noch nicht. Gesichert sind allerdings einige wenige Stüfchen mit Azurit. Die nur undeutlich entwickelten Kristalle bis 0,5 mm befinden sich neben zersetztem Brauneisenstein und Calcit sowie als Kruste auf Kluftflächen des Gangquarzes als Seltenheit.

Der obere Haldenbereich mit der Schachtpinge zeigt nur noch wenig aufgeschlossenes Material. Vereinzelt liegen im dichten Laub noch Gangquarz-Stücke mit handtellergroßen Kristallrasen und derbem Braueisenstein und Calcit. Der Fund primärer Erze oder sogar sekundärer Minerale gestaltet sich dort als Glückspiel.
Stolpern Sie beim Weg hinauf/hinab nicht über das dicke Stahldrahtseil, das an manchen Stellen offenliegt (Abb. 9). Angesichts der hier unbedeutenden Bergbauunternehmung mit nur geringen Förderleistungen, -mengen und –teufen stelle ich mir das fast 25 Millimeter dicke Drahtseil bei der Schachtförderung als „überdimensioniert“ vor. Aber vielleicht täusche ich mich auch und überschätze die Bruchfestigkeiten der ersten Seile, die im Harz seit ihrer Erfindung 1834 von Julius Albert in fast allen Schächten zum Einsatz kamen.

Mein Tipp: Beschränken Sie Ihre Suchaktivitäten im Bereich der unteren Halde. Bringen Sie aber  eine große Portion Geduld mit. Leicht wird es Ihnen auch hier nicht mehr gemacht. Die Besonderheiten – ged. Kupfer und Cuprit – dieser Fundstelle sind wohl kaum noch zu finden. Aber, man sollte die Hoffnung nie aufgeben!


Abb. 11:
Auf dem Weg zurück zum Innerstestausee


Abschließend noch die angekündigte Möglichkeit  für „sportliche Eilige“:

Sparen Sie sich 2 x 800 Meter Fußweg vom „Parkplatz am Wittenberg“ gegenüber dem Hotel-Gasthaus "Berghof (am See)" bis zur Einmündung des Ochsentales in das der Innerste und stellen Sie Ihren PKW am Seitenstreifen der Landesstraße (Bergseite) ab.

Davon sollte man allerdings nur bei schönen „Ausflugswetter“ Gebrauch machen, denn die Massen an Ausflügler und Sonnenhungrigen, die den direkten Zugang zum Innerste-Stausee suchen, sind genauso faul wie Sie und ich, vermeiden jeden langen Fußweg und stellen ihren Wagen kurzer Hand auf dem Seitenstreifen ab. So muss der ganze Grill-, Bade- und Sonnenschutzkrempel nicht weit zum Seeufer geschleppt werden. Das Parken neben der Straße ist eigentlich nicht erlaubt, wird allerdings toleriert und nicht geahndet  (meine Erfahrung). Reihen Sie sich in die Reihe parkender Fahrzeige ein. So sind Sie nicht allein (und fallen in der Masse nicht auf). Statt über die Straße zum See, zieht es uns aber die Böschung hinauf. Sind Sie allerdings der Einzige weit und breit, der „wild parkt“, dann kann sich das als nachteilig erweisen, um es mal so auszudrücken … Es ist Ihre Entscheidung.

Jetzt müssen Sie nur noch wissen, 1. wo genau Sie parken müssen und 2. den Zugang zum o.g. Weg ins Ochsental finden.
Zu 1. : Neben der Straße (Bergseite) stehen kleine Blechschilder mit zweizeiligen Angaben. Parken möglichst in der Nähe der Angabe „St. 2,100“ (untere Zeile). „St.“ steht hier für „Station“. Die erste – wiederkehrende – obere Zeile lautet: „L 515  Abs. 35“.
Zu 2. : In Abhängigkeit der Vegetation im Bereich von max. 10 Meter vor oder nach dem Schild einen Zugang zum etwas höher liegenden Weg suchen; kleinen Graben und die nicht sehr steile Böschung möglichst im rechten Winkel zur Landesstraße queren. Nach wenigen Metern stünden Sie auf einer schmalen asphaltierten Straße, die heute besonders von Skatern genutzt wird. Kilometersteine erinnern daran, dass hier genau die Trasse der Innerstetal-Eisenbahn verlief. Skater-Rennstrecke wiederum im rechten Winkel queren und durchs nahe, nicht sehr hohe Unterholz kämpfen. Vor Ihnen liegen (auffällig platziert) etliche Baumstämme; über diese hinweg schauen; erkennbar ist eine breite, leicht ansteigende Rampe – die Reste eines alten Wirtschaftsweges, der in den guten, alten topografischen Karten mit hoher Detaillierung noch verzeichnet ist – , die nur leicht mit kniehohem Gestrüpp bewachsen ist. Auch im Hochsommer ist die Rampe eindeutig im Gelände zu sehen. Diese führt nach etwa 150 Metern direkt auf den oben beschriebenen Weg ins Ochsental (Einmündung in der o.g. Senke). Lange Hosen vorteilhaft.

Abb. 12
Galenit und Cerussit von  der Grube St. Anna.
Bildbreite: ca. 45 mm

Abb. 13
Noch unbekanntes Mineral (hellgelbe Nadeln neben Cerussit und
Galenit | Pfeil). Bildbreite: ca. 22 mm

Meinen Bericht über den letzten bergbaulichen Aufschluss auf dem Gegentaler-Gangzug, der ehemalig Grube König David, werde ich thematisch auch den „Fundstellen am Innerste-Stausee“ zuordnen, obwohl das „Heimbergtal“ topographisch ins Nachbartal nach Wolfshagen gehört. Demnächst an dieser Stelle.




(*) Der zweite bergbauliche Aufschluss gehört zur Grube "König David" und befindet sich weiter östlich am Nordwesthang des Borberges im Heimbergtal (nördl. Lautenthal).
(**) beschnittenes Originalfoto; veröffentl. mit freundl. Genehmigung