Freitag, 30. März 2012

Fundstellen am Innerste-Stausee (5)



Die Grube "König David" im Heimbergtal südlich Wolfshagen

Der östlichste bergbauliche Aufschluss auf dem Ochsentaler Gang im Gegentaler Gangzug ist der ehemaligen Grube „König David“ zuzuordnen. Da er nicht weit von der im letzten Teil thematisierten Grube „St. Anna“ gelegen ist, möchte ich meinen Kurzbericht ebenfalls den „Fundstellen am Innerste-Stausee“ zuordnen, auch wenn allein schon der Zugang zu den Überbleibseln der Grube nicht direkt vom See aus erfolgt. Streng genommen hätte ich als Überschrift dieser Reihe besser „Aufschlüsse auf dem Gegentaler Gangzug“ wählen sollen. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Die Grube König David liegt am Nordwesthang des Borberges im Heimbergtal, östlich der Straße von Lautenthal nach Wolfshagen im Harz, einer kleinen Gemeinde zwischen dem Innerste- und Grane-Stausee, und ist äußerst komfortabel zu erreichen:
Von der uns schon bekannten Landesstraße von Langelsheim nach Lautenthal biegen wir, den Innerste-Stausee schon hinter uns gelassen, links im leicht spitzen Winkel ab und folgen der Kreisstraße nach Wolfshagen. Nach etwa 2 km folgen zwei Straßenkehren, zunächst eine scharfe Rechtskehre. Unmittelbar nach der folgenden Linkskehre sieht man auf der rechten Straßenseite die breit angelegte Einmündung eines Forstwirtschaftsweges. Das etwas zurückgesetzte Kilometerschild zeigt uns »5,7« (km). Ab hier geht es zu Fuß auf dem Wirtschaftsweg weiter.



Abb. 1: Anstehendes
Wir bleiben auf dem Hauptweg, der in einer langgezogenen Rechtskurve nach Süden tiefer in das Heimbergtal führt. Kaum zu übersehen ist kurz drauf ein kleiner Böschungsanschnitt auf der rechten Seite. Das anstehende Gestein (Devonischer Schiefer) ist eindrucksvoll gefaltet und zerschert.

Der breite Wirtschaftsweg wechselt kurz darauf auf die linke Talseite und quert dabei einen kleinen Bach, der uns seit fast 600 Metern Fußweg begleitet.  Linker Hand (Talostseite) zeigen sich signifikant die Haldenumrisse des „Unteren Stollens“ der Grube „König David“ (Abb. 2). Nun zeigt sich, dass es wieder einmal richtig war, unbekannte Aufschlüsse im Gelände, deren genaue Lage auch in der „Gangkarte des Oberharzes“ erfahrungsgemäß unzureichend genau dargestellt ist, nur im Frühjahr nach der Schneeschmelze aufzusuchen. Kein Blätterwald, der den Blick auf Haldenumrisse, Pingen und sonstige markanten Zeichen eines alten Bergbaus erschwert oder sogar verhindert. Optimale Bedingungen.


Abb. 2: Situation kurz nach Bachquerung. Die Haldenkante (Pfeile)
ist deutlich zu erkennen.

Wir steigen weglos in den Wald hinauf. Hier liegen wie an einer Perlenschnur aufgefädelt die Überreste des „Unteren Stollens“ und des „Oberen Stollens“. Dazwischen, jedoch in unmittelbarer Nähe des oberen Stollens liegt das „Schächtchen“. Die von SPERLING und STOPPEL [1] angegeben drei Zugänge konnte ich ausmachen, allerdings nicht eindeutig zuordnen: Einige zusätzliche tiefe Pingen mit dichter Laubdecke machen die Sache nicht leicht(er). Ausführlicher schildert SCHNELL [2] die ehemaligen Betriebsverhältnisse. Obgleich einiger Begriffsungenauigkeiten der Alten in den Bergwerksakten sieht er folgenden Anlagen als erwiesen an:
  • ein oberer Stollen (325 m)
  • ein unterer Stollen (101 m)
  • zwischen beiden eine Feldortstrecke
  • ein der Wetterhaltung halber angelegter Durchschlag vom oberen zum unteren Stollen
  • ein kleiner Tagesschacht.
Andere Quellen zitieren SCHNELL mit 2 Tagesschächten. Die Bergbauaktivitäten im frühen 18. Jahrhundert sollen darüber hinaus in einem großen Tagebau am ausbeißenden Gang begonnen haben. Wie dem auch sei, im Gelände ist die Zuordnung kaum noch möglich.


Abb. 3: In der Mitte des Bildes sind schön die Haldenkonturen
(hier des „Unteren Stollens“) zu erkennen. Blick vom Tal bergaufwärts.

Abb. 4: Vor dem „Unteren Stollen“ stehend ist bereits der Pingen-Rand
des „Schächtchens“ wenige Höhemeter oberhalb zu erkennen.

Abb. 5: Untere-Stollen-Halde von der Bergseite aus gesehen. Im
Vordergrund der Einschnitt zum verschütteten Mundloch. Der Pfeil
zeigt auf den Forstwirtschaftsweg, der uns zumAufschluss geführt
hat.

Abb. 6: In der Bildmitte befand sich das Mundloch zum „Oberen Stollen“.

Abb. 7: „Hinterlassenschaften“ anderer Sammler im
Bereich der Schachtpinge. Im Hintergrund
Stolleneinschnitte bzw. Pingenzug.

Die Grube „König David“ wurde 1713 erstmalig urkundlich erwähnt. Nach SCHNELL bat in diesem Jahr die Gemeinde Wolfshagen, die Grube am Borberg wieder aufzunehmen. Der Beginn der Bergbauaktivitäten lag demnach früher. In der Zeit von 1744-1767 erfolgte der Abbau von silberhaltigem Bleiglanz und von Kupferkies als reines Zubuße-Geschäft. Spätere Aufwältigungen Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts blieben erfolglos. 1898 ging der obere Stollen zu Bruch.

Was uns bleibt, sind die Halden. Diese liegen heute unter einer recht dichten Schicht Buchenlaub. Nur vereinzelt schauen größere Gangstücke hervor. Ein Herumpicken in tieferen Erdschichten zeigt die Ausmaße unseres Fundgebietes.

Gangmaterialien

Auf den Halden vor und neben den ehemaligen Mundlöchern und den Rändern der tiefen Pingen findet man hauptsächlich Quarz als Gangart. Dieser ist manchmal zertrümmert oder kommt in Form einer Brekzie mit Nebengesteinsfragmenten und den untergeordneten Gangarten Calcit und „Braunspat“ vor. Daneben treten Stücke reiner Quarz-Kalkspat- sowie Eisenspat-Trümer auf (s. Abb. 8 und 9).


Abb. 8:Ganggesteinsstück mit brekziöser Struktur

Abb. 9: Gangmaterial Quarz und „Braunspat“

Mineralisationen für Sammler


Die Gangstücke weisen öfters kleine Hohlräume auf, in denen einige schön ausgebildete Mikrominerale sitzen. Zunächst Kristalle der Gangartminerale selbst: Sofern von den Quarzen nicht nur die Spitzen innerhalb eines Rasens zu sehen sind, lassen sich besonders gedrungene Kristalle mit sehr schmalen Flächen des sechsseitigen Prismas, teilweise doppelendig ausgebildet, beobachten. Nicht selten sind einzelne trübweiße und wasserklare Quarz-Kristalle bis 7 mm lang. Besonders attraktiv unter dem Stereomikroskop sind wasserklare Quarz-Kristallgruppen, die von winzigen Calcit-Rhomboedern leicht „überzuckert“ sind. Die Kanten der Kalkspat-Kristalle sind meist abgerundet und erreichen Größen bis 1 mm. Freie Kristalle in derben Gangartstücken habe ich nicht beobachten können. Der Braunspat zeigt sich in eher linsenförmig. Während man noch „frische“ derbe Gangstücke mit nur geringer Oxidation findet, sind die Kristalle stark limonitisiert und halten selten eine Reinigung stand. 

Die in der Literatur genannten häufigen Gipskristalle (untertage) habe ich auf den Halden nur einmal in schlecht ausgebildeten, leistenförmigen Kristallen neben Calcit und Quarz gefunden. Die in großer Teufe des Grubengebäudes angetroffene Zinkblende zeigte sich mir auf den Halden allerdings nicht.

Überrascht war ich von dem Fund eines schönen Kupferkies-Tetraeders in einer schmalen Quarz-Kluft im Nebengestein. Der Einzelkristall ist ca. 2 mm groß, oberflächlich mit einer dünnen Limonit-Haut überzogen und zeigt auf einer Kristallfläche eine hellgrüne Malachit-Kruste.

Eher blind schlug ich auf ein großes Gesteinsstück in der Halde. Als erstes vernahm ich einen deutlichen Geruch von Schwefelwasserstoff, erst dann erfolgte der Blick auf das, was ich da aufgeklopft hatte: Das Handstück zeigt über die komplette Breite ein etwa 2 bis 2,5 cm breites Band (bzw. Teil eines Nestes) von feinkörnigem Bleiglanz. Die Absplitterungen zeigten zu Hause eingewachsene, kleine Chalkopyrite. Stellenweise überzieht das Erz eine dünne Cerussit-Kruste. Einige ausgefüllte Risse im Bleiglanz dürften auch Cerussit sein. Aber nicht nur „derbes Zeug“, was üblicherweise seinen Weg in den Abfall findet, fand ich: In einem Hohlraum zwischen Galenit und Nebengestein bzw. Gangart Quarz zeigten sich einige, winizige nadelförmige Kristalle (bis 0,4 mm, vermutl. auch Cerussit). Besondere Aufmerksamkeit schenkte ich blass hellgelben, fast schon rundlichen Kristallkörnern in einem weiteren Hohlraum im zersetzten Galenit. Aufgrund von Vergleichsfunden von anderen Pb-Cu-Zn-Lagerstätten möchte ich den Fund als ged. Schwefel ansprechen. Auch diese Körner sind winzig (ca. 0,25 mm).

Die Literatur gibt einen Silbergehalt  des Bleiglanzes von 0,10 bis 0,15 % (auf 100 % Pb bezogen) an. Silberglanz in mikroskopischen Mengen ist ebenfalls beobachtet worden.

Abb. 10: Gangstück mit Galenit

Da ich nur kurz auf den laubüberdeckten Halden herumgepickt habe, bin ich mit meinen Zufallsfunden ganz zufrieden. Eine gezielte Öffnung der einzelnen Halden würde sicherlich noch manch guten Fund bringen. Die Halden vor ehem. Mundloch des oberen Stollens und der Schachtbereich sind nach meinen Eindrücken ergiebiger als der Bereich des unteren Stollens.


[1] in: Geol. Jb., Reihe D, Heft 46, Stuttgart 1981

[2] SCHNELL, W. (1954): Das Bergbaugebiet von Wolfshagen-Langelsheim im Harz. Gangverhältnisse und Wirtschaftsgeschichte. - Schr. wirtschaftswiss. Ges. Stud. Nieders., 47: 35 S., 3 Abb.; Bremen-Horn (W. Dorn).



 

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