Samstag, 28. Januar 2012

MM-Präparation 2: Sichten und Markieren



Der Weg von der im Gelände gefundenen Gesteinsprobe mit Mikromineralien bis zum fertigen Micromount ist manchmal lang und mühsam. Begleiten Sie mich auf dem Weg dorthin.

(Fortsetzung)

Das getrocknete Rohmaterial liegt ausgepackt, ausgebreitet und gekennzeichnet vor uns. Bei manchen Fundstellen kann nun eine grobe Vorsortierung, z.B.  nach Art des Muttergesteins (Matrix), der Paragenese oder anderen Kriterien erfolgen, wenn es für die weiteren Bearbeitungsschritte sinnvoll erscheint und die Gesamtzeit für die Präparation des Materials signifikant verkürzt.

Sichten
Der nächste Schritt stellt die erste grobe Durchsicht des Materials unter dem Binokular dar (eine 15fache Vergrößerung ist völlig ausreichend). Und zwar geschieht dieses, bevor irgendwelche Anstrengungen hinsichtlich Reinigung, Bestimmung und Zerkleinerung unternommen werden.
Ziel der Prüfung ist es, für jeden einzelnen Stein zu entscheiden, welche speziellen Bearbeitungsschritte sich anschließen und welche auf keinen Fall erfolgen dürfen. Stellt man während der Durchsicht fest, dass sich auf der Oberfläche des Rohmaterials z.B. wasserlösliche Minerale befinden, so ist es einleuchtend, dass diese nicht weiter gewaschen werden dürfen. Zeigen sich haarförmige Kristalle, so ist eine harte Behandlung der Probe mit der Wurzelbürste oder die Reinigung im Ultraschallbad zu vermeiden.
Ein weiteres Kriterium ist die Feststellung von etwaigen Rissen im Gestein, die sich auf die spätere Form der Zerkleinerung auswirken können. Solche "Problemkinder" legt man zunächst zur Seite.

Die Sichtprüfung geht einher mit dem Sortieren des Rohmaterials nach einem möglichst fein strukturierten Schema. Hierzu mehr im 3.Teil der Reihe "MM-Präparation".


Markieren
Während des Sichtens des Rohmaterials tut der Mikromineralsammler gut daran, sich die Lage der Kristalle auf der unformatierten Stufe einzuprägen. Auch die Lage von einzelnen Kristallgruppen zueinander wirkt sich gegebenenfalls auf den nächsten Bearbeitungsschritt – meist die Zerkleinerung – aus. Prüfen Sie alle(!) Seiten der Gesteinsprobe. Nicht selten verbergen sich nicht nur auf der schnell  auserkorenen "Oberseite" andere, mehr und/oder bessere Kristalle. Machen Sie sich also ein komplettes Bild von dem Material, bevor Sie den nächsten Bearbeitungsschritt unternehmen. Orientieren Sie sich.

Schon auf dem kurzen Weg vom Binokular zum Zerkleinerungsplatz haben Sie vergessen, wo sich genau auf dem Gesteinsstück die Kristalle befunden haben. Besonders bei großen Proben verliert man schnell den Überblick. Hilfreich haben sich hierbei (jetzt schon) kleine selbstklebende, farbige Pfeile erwiesen, die die Lage bemerkenswerter Kristalle oder Zonen anzeigen, die eine besondere Behandlung oder besondere Beachtung erfordern. 

Abb.1: Elektro-Isolierband vom Discounter

Die Klebepfeile kann man leicht selber herstellen. Ich bevorzuge als Ausgangsmaterial billigstes Isolierband aus der Elektrotechnik. Es ist sehr elastisch, eher dünn und hat eine hohe Klebkraft. 10 Rollen in unterschiedlicher Farbe kosten z.B. bei Lidl weniger als 2,-- Euro. Da unsere Pfeile sehr klein sind, reicht der Vorrat ein Sammlerleben lang – wenn die Isolierbandrollen richtig gelagert werden.
Als zweckmäßig hat es sich erwiesen, einen kleinen Streifen des Selbstklebebandes abzutrennen und auf eine saubere Glasscheibe als Schneidunterlage zu kleben (ohne es anzudrücken). Anschließend werden mit einem scharfen Cuttermesser oder einer Rasierklinge kleine spitze, gleichschenklige Dreiecke im Wechsel hineingeschnitten. Die Aufnahme der Pfeile erfolgt entweder mit der Spitze des Messers und mit einer Flachpinzette, die man vorsichtig flach unter die Pfeile schiebt.

Abb.2: Klebebandstreifen auf Glasplatte
Abb.3: Herausgeschnittene Markierungspfeile
(Anm.: Foto zu Demonstrationszwecken; zur besseren
Materialausnutzung sollte wechselseitig geschnitten
werden, vgl. Abb.4)
 
Die fertigen Markierungspfeile werden in der Nähe der ausgesuchten Stellen aufgebracht. Sofern Sie die Pfeile auf dem fertigen Micromount bzw. auf der eingedosten Mikromineralstufe nicht  wünschen, so kleben Sie diese in ausreichendem Abstand zu den "Objekten der Begierde" auf. Ausreichend heißt hier, dass die Klebepfeile der anschließenden Formatierung zum Opfer fallen. Bereits beim ersten Aufkleben sollte man sich daher von der Gestalt der fertig formatierten Stufen ein Bild machen, denn einige Klebebänder lassen sich später nicht oder nur mit erhöhtem Aufwand rückstandsfrei entfernen. Ist Ihr Pfeil zu nah am Objekt und soll nicht als Hinweispfeil auf der fertigen Stufe verbleiben, was allerdings öfters sinnvoll ist, so kann es vorkommen, dass später kleine Kleberreste den Anblick dauerhaft trüben.
Klebebandreste auf der Glasscheibe sollten erst entfernt werden, wenn sich keine Pfeile mehr zuschneiden lassen oder in absehbarer Zeit kein weiterer Bedarf  besteht. Die Klebewirkung bleibt über lange Zeit erhalten.

Abb.4: Wechselseitiger Zuschnitt von Markierungs-
pfeilen mit Rasierklinge. Aus: "The complete Book
of Micromounting" von Quitin Wight, Tucson 1993

An dieser Stelle bereits ein paar Worte zu den Markierungsobjekten auf fertigen Stufen, die der Sammler hin und wieder auf den Tisch bekommt: Nicht selten sieht man unförmig zugeschnittene geometrische Formen, die nach allem aussehen, nur selten nach einem Pfeil. Was lief da schief? Als Klebeband wurde (unnötigerweise) eine gewebeverstärkte Variante gewählt - es ist für unsere Zwecke viel zu dick. Der Zuschnitt erfolgt außerdem noch "frei Hand" mit einer Papierschere mit unzureichender Schneidkraft. Das Band quetscht sich folglich zwischen die nicht ausreichend geschärften Schneiden der Schere, die Schnittkanten werden krumm und fransen aus, aus dem gewünschten spitzen Dreieck wird eine unregelmäßige Fläche ohne eindeutige Spitze. Immerhin schaffen es manche, dem klebenden "Pseudo-Trapez" ein notwendiges Breiten-Längenverhältnis zu geben, so dass man wenigstens erahnen kann, wohin das Klebeteil zeigen soll. Aber auch nur manche…

(wird fortgesetzt)


Dienstag, 24. Januar 2012

MM-Präparation 1: Auspacken



Der Weg von der im Gelände gefundenen Gesteinsprobe mit Mikromineralien bis zum fertigen Micromount ist manchmal lang und mühsam. Begleiten Sie mich auf dem Weg dorthin.

Auspacken
Zunächst heißt es, das Rohmaterial vorsichtig aus der Verpackung zu befreien und sofort zweckmäßigerweise in Gefäße zu legen, die einerseits das gesamte Material bzw. die Paragenese zusammenhalten und andererseits eine Vorsortierung zulassen. Hierfür eignen sich besonders kleine Schälchen aus dem Handel - Verpackungsmüll quasi, wie z.B. leere Pralinenpackungen, Trays für Ü-Eier, Schokoladen-Osterhasen und Zahnpastatuben, Styroporschalen unter Obst und Gemüse, flache Tabletts u.v.a.m. 

Großflächig ausgebreitetes Rohmaterial

Spätestens an dieser Stelle sind die Daten, die wir im bereits im Gelände auf der Verpackung notiert haben (Fundort, Funddatum, Paragenese, ggf. Finder, besondere Fundumstände), auf jedes Sortiergefäß penibel zu übertragen. Unter Umständen ist es zweckmäßig, sogar jedes individuelle Gesteinsstück separat zu kennzeichnen. Sofern Sie als Sortierunterlagen Kunststoffverpackungen gewählt haben, so können diese mit wasserfesten Markern(Fabr. Edding od. gleichw.) direkt beschriftet werden.

Rohmaterial, das am Aufschluss im Gelände nicht weiter eingepackt wurde (sog. "Eimerware"), wird nun vorsichtig ausgebreitet und auf die Sortierunterlagen verteilt. Auch hier gilt es, akkurat zu kennzeichnen.

Ist das Rohmaterial nass und mit Erde verschmutzt, so lassen wir es zunächst durchtrocknen, da sich die Rückstände besser entfernen lassen. Durch eine voreilige Waschaktion werden etwaige wasserlösliche Minerale beschädigt oder vernichtet. Lichtempfindliches Material sollte dunkel zwischengelagert werden. Lose, trockene Erde wird durch sanftes Klopfen auf die Stufe vorsichtig entfernt, organische Reste (Laub, Moos, Flechten) werden so weit es geht mechanisch gelöst. Kleine Brösel und abgeplatzte Gesteinsstücken, die in der Verpackung zurückbleiben, auch die kleinen Krümel am Eimerboden werden nicht entsorgt, denn sie könnten kleine Kristalle enthalten. Man sammelt den "Abfall" separat in einer flachen Schale, die man direkt unter dem Mikroskop durchmustern kann.

Ist das Rohmaterial ausgepackt, ausgebreitet und gekennzeichnet, schließt sich der nächste Bearbeitungsschritt, die erste Durchsicht unter dem Binokular an. Bei absehbaren Unterbrechungen der Arbeitsschritte sollte das Material möglichst staubgeschützt und dunkel zwischengelagert werden.

Wulfenit-Kristall von der Rowley Mine, Pina County, Arizona, U.S.A
Bildbreite: ca. 6 mm
Samml. & Foto: R. Santee, Bloomingdale, New Jersey, U.S.A. *)

Auch wenn es schwerfällt und die Neugier auf die anderen Funde, die ausgepackt werden wollen,  einen zerfrisst: Arbeiten Sie ausschließlich im sog. "Batchbetrieb". Packen Sie stets nur das Material von einer einzigen Fundstelle aus. Erst nachdem Sie die dazugehörigen Funde komplett bearbeitet haben, d.h. der letzte Deckel der beschrifteten Micromount-Dose geschlossen ist, sollten Sie das Material der nächsten Fundstelle bearbeiten. Ehe Sie sich versehen, liegen sonst etliche Sortierschälchen mit unterschiedlichem Material in irgendeiner Ecke, die Sie nach wiederholten Bearbeitungsunterbrechungen nicht mehr genau zuordnen können, denn die notwendige Disziplin zum akkuraten Kennzeichen des Rohmaterials zu diesem Zeitpunkt der Fundbearbeitung lässt schnell nach. Ich spreche da leider aus Erfahrung. Besonders wenn die Materialmenge von einem Fundort recht gering ist, ist man geneigt, mehrere Fundstellen parallel zu bearbeiten. Zwischendurch erhält man auch von bekannten Sammlern einiges (unverpacktes) Fremdmaterial und legt es dazu. Schlabbert man noch an der Kennzeichnung, dann ist das Chaos vorprogrammiert. Ich habe schon einiges Material wegwerfen müssen, da ich es nicht mehr zuordnen konnte. Die Meinung, das Material wird äußerst kurzfristig bearbeitet und braucht deshalb nicht für einen kurzen Zeitraum gekennzeichnet zu werden, hat sich durch "fehlende Gedächtnisleistung" und Überschätzung des Freizeitkontingents schnell als irrig herausgestellt.

(wird fortgesetzt)



*) mit freundlicher Genehmigung