Mittwoch, 29. Februar 2012

Geosammlung der TU Clausthal (3)


Abb. 38:
Südfassade des Hauptgebäudes der TU Clausthal
zum Marktplatz, der derzeit umgestaltet wird. Auch der Haupteingang
zur TU soll hierhin zurückverlagert werden. Hinter der 2. Fensterreihe
von oben befinden sich 4 der 5 Räume der Geosammlung.

Vom Ausstellungsbereich "Harzmineralogie" (Schilderung meiner Eindrücke in Teil 2) geht es zu den nächsten Räumen, in denen zum einen die Naturgeschichte des Harzes sowie seines Vorlandes und zum anderen die allg. Erdgeschichte und Entwicklungsgeschichte des Lebens thematisiert wird. Mich zog es jedoch an diesem Tag direkt (ohne damit hier eine Wertung zu den beiden Räumen abgegeben zu wollen) weiter zum letzten "Brocken" der Clausthaler Geosammlung, der Lagerstättensammlung, die im Westflügel des Universiäts-Hauptgebäudes untergebracht ist (siehe Abb. 1 in Teil 1).


Abb. 39:
Blick in den Ausstellungsraum "Naturgeschichte des Harzes",
einem geologisch-paläontologischen Teil der Geosammlung (2.2.)

Abb. 40:
Eindrucksvoller Lackabzug eines Bodenprofils.
Leider ohne Hinweise auf Herkunft, Bodenart und Alter.
Abb. 41:
Blick in den Ausstellungsraum "Erdgeschichte und Paläontologie" (2.1)

Abb. 42:
Ohne Worte

In der Lagerstättensammlung (Teil 1.3)

Obwohl die durchgehende Fensterfront zur Adolph-Roemer-Straße und die als Trennwand zum Treppenhaus ausgebildete Vollglasvitrine genug Licht spenden sollte, wirkte der Raum der Lagerstätten-Sammlung an diesem Tag recht düster und nicht so einladend. Da ich mich in einer zu wissenschaftlichen Zwecken aufgebauten Sammlung und nicht in einem "Showroom", wie z.B. in der "Terra Mineralia" in Freiberg, befinde, möchte ich das auch nicht überbewerten. Allerdings, geht man von den "hellen" Räumen der Systematik und Harzmineralogie anschließend zur "dunklen" Lagerstättensammlung, fällt dieses besonders auf. Ein Austausch der dunklen Vitrinen-Hintergrundgestaltung in der Raummitte durch eine hellere Variante wäre vorteilhaft, wird allerdings aus Kostengründen wohl nicht realisiert.


Abb. 43:
Vitrinen der Lagerstättensammlung
Aus dem Gesamtfundus von ca. 25.000 Einzelproben werden in diesem Raum ca. 3.000 Erz- und Gesteinsproben ausgestellt. Begleittexte in den Vitrinen erläutern kurz und (manchmal etwas sehr knapp) die Prozesse, die zur Bildung der jeweiligen Lagerstätte bzw. des  Lagerstätten-Typs geführt haben. Die 10 freistehenden Vitrinen in der Raummitte sind sehr vorteilhaft nach den chemischen Elementen abschnittsweise gegliedert. Zu jedem Element, z.B. Eisen, Blei, Kupfer, Nickel, Silber, Titan, Vanadium usw. werden die entsprechenden Minerale mit den entsprechenden Element-Mengenanteilen sowie deren wesentliche Lagerstätten-Typen genannt. Kleine Karten zeigen beispielhaft, wo sich entsprechende Lager- und Abbaustätten befinden. Von allen wirtschaftlich oder wissenschaftlich wichtigen und bedeutenden Lagerstätten der Erde sind die Erze, Erzminerale und auch wichtige Nebengesteine ausgestellt.


Abb. 44:
Wolframit in Siderit
Tirpersdorf, Oelsnitz, Sächs. Vogtland
Bildbreite ca. 8 cm

Einige Vitrinensegmente widmen sich den nichtmetallischen Rohstoffen, wie Flußspat, Schwefel, Baryt, Kali-/Steinsalz, Graphit und Diamant. Kiese und Karbonatite werden ebenfalls thematisiert.


Abb. 45:
Laterit (Hämatit-Limonit-Gemisch)
Indien
Bildbreite ca. 15 cm

Abb. 46:
Vitrine am der hinteren Stirnseite des Raumes. Hier sind die Exponate
nach den lagerstättenbildenden Prozessen (magmatisch, hydrothermal,
sedimentär und metamorph) geordnet.

Abb. 47:
Hämatit als Roter Glaskopf,
Knollengrube, Bad Lauterberg
Bildbreite ca. 40 cm

Die als Raumteiler fungierende Vitrine enthält überwiegend Proben von Erzen und Nebengesteinen aus den bedeutendsten deutschen Lagerstätten-Bezirken. Dem Sammler und Interessent heimischer Minerale werden hierbei sicherlich die interessantesten Exponate dargeboten, sind doch die meisten Gruben nicht mehr zugänglich oder erloschen.
Als Beispiele nenne ich Proben aus Wölsendorf (Flussspat), Passau (Graphit), dem Fichtelgebirge (Gold, Hämatit), dem Schwarzwald (Flussspat, Pb, Zn, Baryt), dem Siegerland (Eisen) und dem Rheinischen Schiefergebirge (Pb, Zn, Baryt). Selbstverständlich darf auch der Harz nicht fehlen. Annähernd die Hälfte der Vitrinen-Segmente widmen sich den Lagerstätten des Harzes (Pb, Zn, Ag, Sb, Flussspat); Neudorf, Ilfeld, Bad Lauterberg und Goslar sind die dazugehörigen bekannten Orte.

"Insgesamt zeigt die Lagerstätten-Sammlung eine repräsentative Auswahl von Erzen historischer und moderner Lagerstätten, die für die Gewinnung von Rohstoffen bedeutend waren und sind", so das Begleitheft zur Ausstellung, das man für einen geringen Geldbetrag vor Ort kaufen kann.

 Hinzufügen möchte ich, dass dieser Teil der Geosammlung sicherlich der wissenschaftlich "wertvollste" sein dürfte. Für uns Mineralsammler bedeutet das leider auch, dass hier kaum beeindruckende "Eyecatcher" zu entdecken sind. Trotzdem sollte dieser Raum bei einem Besuch nicht ausgespart werden, liefert die Zusammenstellung der Exponate "Wissen pur", das  man auf engem Raum nicht so schnell woanders öffentlich geboten bekommt. Nutzen Sie diese Gelegenheit unbedingt.
Problematisch ist die hohe Anzahl an Exponate. Was heißt das? Sofern für Ihren Besuch der Geosammlung nur ein einziger Tag zur Verfügung steht, so sollten Sie sich entscheiden, ob Sie sich mehr an den Schönheiten der Kristalle erfreuen oder Ihr Wissen in lagerstättenkundlichen Themen aufbauen oder auffrischen wollen. Möchten Sie beides, bleibt ein Aspekt mit Sicherheit auf der Strecke, es sei denn, Sie rennen durch die Gänge zwischen den Vitrinen. Schon nach Besuch des Systematik-Raumes werden Sie einen  gewissen Sättigungszustand erreicht haben; die Lagerstättensammlung werden Sie dann anschließend eher lustlos durchstreifen und die Exponate nur oberflächlich wahrnehmen. Umgekehrt, also zuerst Lagerstätten, danach Systematik (und Harz) gilt das genauso. Ich denke an meinen Besuch der Mineraliensammlung im Berliner Naturkundemuseum zurück, in der "nur" 4.000 Proben der Öffentlichkeit gezeigt werden, und an meinen Zustand danach, den ich nur als "groggy" bezeichnen kann. Erinnern Sie sich: In Clausthal werden mehr als die doppelte Anzahl Exponate geboten. Wenn möglich, sollte die Geosammlung an zwei (oder mehren) Tagen erkundet werden. Die als "lächerlich niedrig" zu bezeichnenden Eintrittspreise von 1,50 Euro (für Erwachsene) und 1,00 Euro (für Studenten, Schüler und Behinderte) sollten dabei kein Hinderungsgrund sein.

Weitere Informationen:


Vor über 10 Jahren wurde die Geosammlung, wie in Teil 1 kurz angerissen, um die Abteilungen Erdgeschichte, Paläontologie und Naturgeschichte des Harzes erweitert. Hierfür hatte die damalige Hochschulleitung Räume und Flächen zur Verfügung gestellt, die jetzt anderen Zwecken dienen sollen. Im Rahmen anstehender Umbaumaßnahmen und der geplante Einzug der NTH-Geschäftsstelle soll die Geosammlung "auf frühere Ausmaße reduziert" werden.
Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang ein Manko beseitigen, das vor allem die Interessenten an den Lagerstätten und Minerale des Harzes betrifft: Die Exponate sind momentan auf 4 Räume verteilt. Manche Stufe aus der Systematik wünschte man sich im Raum der Harz-Sammlung, manche Lagerstätten-Stufe wäre in der Systematik besser aufgehoben. In der Naturgeschichte des Harzes liegen auch noch Proben herum. Es ist mühsam, sich einen umfassenden Überblick zu verschaffen, besonders wenn man, wie oben geraten, die Geosammlung an zwei Terminen besucht. Hier liegt leider Einiges im Argen. Nachdem die in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene, aber eine wichtige Lücke schließende Mineralien-Ausstellung im Goslarer Museum so-mir-nichts-dir-nichts verschwunden ist, sollte der Bereich der Harzmineralogie bedeutend und merklich mit besseren und neuen Stufen aufgewertet werden. Spenden und Leihgaben werden gerne vom Kustos der Geosammlung angenommen.




Wer noch nicht genug Steine angeguckt hat, der wird auch in der sehenswerten und bedeutenden Marktkirche (zum H. Geist), die größte Holzkirche in Deutschland, gegenüber fündig: Zwischen Altar und Bänken befinden sich noch vier weitere typische Proben aus dem Oberharzer Gangerzbergbau. Aber auch so lohnt ein Blick hinein.

Abb. 48A bis 48C
Marktkirche Clausthal

Vis-à-Vis befindet sich das Amtsgebäude des ehemaligen "Oberbergamtes" (heute: Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie), genauso sehenswert. Folgende Bilder als kleiner "Rausschmeißer" und Endpunkt vom meinem Besuch der Geosammlung in Clausthal:


Abb. 49A bis 49C
Gebäude des "Oberbergamts" in Clausthal

Abb. 50:
Am Torflügel zum Innenhof des "Oberbergamtes"







Samstag, 25. Februar 2012

Geosammlung der TU Clausthal (2)



Direkt an die (systematische) Mineraliensammlung, die ich in Teil 1 skizziert habe, schließt sich die Mineralogische Harzsammlung an. Diese wurde 1991/92 eingerichtet und zeigt ca. 1.000 Exponate aus einem Gesamtbestand von ca. 25.000 Proben. Bei meinem Besuch waren einige Stufe entnommen; sie werden derzeit in Marburg gezeigt.


Abb. 25:
Blick von der Harzsammlung durch die Tür auf die Vitrinen
der Systematik-Sammlung.

Abb. 26:
Wandvitrine mit Erzstufen des Oberharzes

In der Mineralogischen Harzsammlung (Teil 1.2)

Die zwei freistehenden Vitrinen im Raum werden durch drei Wandvitrinen umfasst. Die große Fensterfront sorgt für eine enorme Lichtdurchflutung des Raumes (wenn die Sonne scheint).
Schwerpunkt unter den ausgestellten Stücken sind – kaum verwunderlich – vielgestaltige Erzminerale der hydrothermalen Ganglagerstätten des Harzes. Stufen aus den Revieren bei Bad Grund und Clausthal-Zellerfeld sind hierbei dominant. Der breiten Vielfalt an Sekundär- und Nebengesteinsmineralisationen wird die Ausstellung leider nicht gerecht. Zwar finden sich in den freistehenden Vitrinen einige typische Vertreter aus der Pb-Zn-Cu-Paragenese diverser Lagerstätten und Fundstellen, die Anzahl entsprechender Exponate überzeugt nicht so richtig. Hier habe ich deutlich mehr erwartet.

Als echte Hingucker erweisen sich die vielgestaltigen Calcitstufen aus dem Sankt Andreasberger Silbererzbergbau. Als überaus "prächtig" kann man die Großkristall-Stufe aus Abb. 29 nennen, die, obwohl äußerst ungünstig in der untersten Vitrinenreihe platziert, sofort unweigerlich die Blicke auf sich zieht. Das museale Angebot an Zeolithen aus Sankt Andreasberg fand ich für eine Harzsammlung nicht überzeugend. Das Museum neben der ehem. Grube Samson ist hier eindeutig besser "aufgestellt".

Exponate aus Lagerstätten des Harzes mit "exhalativ-sedimentären" gebildeten Vererzungen, wie sie am Rammelsberg in Goslar und in Lerbach bergmännisch herein gewonnen wurden, treten mengenmäßig zurück. Wer sich speziell für die Rammelsberger Erze interessiert, wird aus der Geosammlung enttäuscht herausgehen; ich empfehle,  das Studium der Exponate direkt im Bergbaumuseum am Rammelsberg (2. Etage in der Aufbereitung) vorzunehmen; die Ausstellung geht dort stärker "in die Tiefe".

Die Ausstellung wird ergänzt durch einige typische Stufen aus den Erzgängen des Unterharzes, mit Mineralen der Granitintrusionen und Vulkanite des Südwestharzes.

Folgende Bilder mögen einen kleinen Rundumschlag zeigen. Sicherlich gibt es weitere "Wow-Stufen" in der Ausstellung. Diese entzogen sich aber leider meinen bescheidenen fotografischen Mitteln.


Abb. 27A und 27B
Oberharzer Gangerzstufen

Abb. 28
Gangerzstück mit Galenit, Sphalerit, Quarz, Chalkopyrit und
Tonschiefer;
Hillfe-Gotteser-Gang, 12. Sohle, Bad Grund

Abb. 29:
Da wird man auch als Mikromineralsammler schwach:
Braunspat (Kalkspat I, nach A. Wilke) mit jüngerem Calcit,
Apophyllit und Analcim;
Grube Samson, Sankt Andreasberg.  Ein Fund von 1883
Kantenlänge der Kristalle bis 25 cm

Abb. 30:
Blättriger Calcit
Sankt Andreasberg
Bildbreite ca. 15 cm

Abb. 31:
Beeindruckende Stufe mit Tetraedrit und Calcit
Grube Rosenhof, Clausthal
Bildbreite ca. 20 cm

Abb. 32:
Arsenolith und ged. Arsen
Sankt Andreasberg
Bildbreite ca. 16 cm

Abb. 33:
Selten: Samsonit auf Calcit
Samsoner Gang, Sankt Andreasberg
Bildbreite ca. 10 cm
Abb. 34:
Cerussit, Malachit
Oberschulenberg
Bidbreite ca. 20 cm

Abb. 35:
Chalkoalumit
Oberschulenberg
Bildbreite ca. 5 cm

Klassiker, wie die Manganite aus Ilfeld sowie die Galenite aus Neudorf dürfen natürlich nicht fehlen. Die Clausthaler Exponate sind in diesem Bereich aufgrund der großen Kristallbildungen außergewöhnlich (s. nachstehende Abbildungen):


Abb. 36:
Manganit
Ilfeld
Bildbreite ca. 20 cm

Abb. 37:
Galenit auf Siderit
Neudorf, Harzgerode, Sachsen-Anhalt
Kristalle bis 3,5 cm Kantenlänge!

Nicht vergessen möchte ich eine kleine, optisch nicht gerade schöne Wandvitrine in der Ecke der Fensterfront. Sie enthält etliche (Silber-)Münzen und Ausbeutetaler von 1539-1930 aus den bedeutendsten deutschen Bergbaugebieten Harz, Erzgebirge und Schwarzwald.
Auch wenn die Sicherungsmaßnahmen der Bedeutung und dem Wert der Münzen entspricht, bei der Beleuchtung sollte man nach besseren Lösungen suchen.

Nicht ganz befriedigt gehe ich zum Raum mit der Lagerstättensammlung. Meine Eindrücke hiervon und eine zusammenfassende Bewertung der Ausstellung in der TU Clausthal finden Sie im 3. und letzten Teil.



Dienstag, 21. Februar 2012

Geosammlung der TU Clausthal (1)



Auch Mikromineralsammler brauchen hin und wieder eine Abwechslung vom stetigen Blick durch das Stereomikroskop auf der Jagd nach seltenen und schönen Kristallen. Die Suche nach neuem Material gestaltet sich derzeit witterungsbedingt als ziemlich "unkomfortabel". Mein Drang, mit dem Eispickel Haldenoberflächen zu lockern oder bis zum Bauch im Flugschnee zu stehen, um im Steinbruch mögliche Klüfte aufzumeißeln, hält sich ebenfalls in Grenzen. Eine gute Gelegenheit also, sich einmal wieder in diversen (geheizten) Museen herumzutreiben und sich dabei auch den "größeren Sachen" zuzuwenden:
Micromounts – das erste und einzige deutschsprachige Internetblog vom Sammler für Sammler – war wieder einmal unterwegs, und zwar zu einer der bedeutendsten geo-wissenschaftlichen Sammlungen in Deutschland, der "Geosammlung" der Technischen Universität Clausthal im (derzeit verschneiten) Oberharz.

Die steile, nur schlecht von Schnee und Eis geräumte Straße von der B241 zum Clausthal-Zellerfelder "Kronenplatz" meisterte ich irgendwie, trotz "suboptimaler" Ganzjahresreifen. Ab dort ging es im Gefälle die "Adolph-Roemer-Straße" hinunter, an dessen Ende sich der Eingang zum Hauptgebäude der TU Clausthal befindet, in der die Geosammlung im 2. Obergeschoß untergebracht ist.

Abb. 1:
(Noch) Eingang am Westflügel des Hauptgebäudes der TU Clausthal,
Adolph-Roemer-Str. 2a
Abb. 2:
Im 2. Obergeschoss des Hauptgebäudes.
Im Hintergrund der Eingang zu den Schauräumen, rechts Vitrinen 
der Lagerstätten-Sammlung, die auch von außerhalb betrachtet
werden können.

Die "Geosammlung" umfasst nach Zusammenfassung der Studiengänge Geologie und Mineralogie und mit Neugestaltung im Sommer 2001 nunmehr mineralogische, geologische und paläontologische Anteile. Die Exponate der beteiligten Institute wurden – auch räumlich – "unter einem Dach zusammengefasst".
Die weltweit bekannten mineralogischen, petrographischen und lagerstättenkundlichen Sammlungen, deren Grundstock bereits im Jahre 1811 in der damaligen, gerade neu konstituierten Bergschule gelegt wurden, sind vor über 10 Jahren durch neu eingerichtete Ausstellungsteile, "Erdgeschichte und Paläontologie" und "Naturgeschichte des Harzes" ergänzt worden.

Die Geosammlung gliedert sich heute folgende Ausstellungsteile, die in separaten Räumen untergebracht ist:

1. Mineralogischer Teil
1.1 Mineraliensammlung (ca. 5.000 Exponate / 200 m²)
1.2 Mineralogische Harzsammlung (ca. 1.000 Exponate / 53 m²)
1.3 Lagerstättensammlung (ca. 3.000 Exponate / 135 m²)

2. Geologisch-paläontologischer Teil
2.1 Erdgeschichte und Paläontologie
2.2 Naturgeschichte des Harzes

Im Rahmen dieses Blogs soll der mineralogische Teil (1.1 bis 1.3) im Vordergrund stehen.

Die Mineralogischen Sammlungen weisen einen Bestand von mehr 120.000, allerdings nicht durchgängig inventarisierten Proben aus. Zusammengefasst bilden sie damit eine der größten Mineraliensammlung in Europa und die drittgrößte universitäre mineralogische Sammlung weltweit. Eine herausragende Bedeutung erfahren die Sammlungen auf dem Gebiet der Erze und Rohstoffe. Viele Stücke stammen aus erschöpften und erloschenen Fundstellen und bilden die Grundlage vergleichender wissenschaftlicher Untersuchungen.
Insgesamt sind ca. 9000 Exponate zugänglich. Sie zeigen die breite Vielfalt der Minerale und informieren über die Entstehung verschiedenster Erze und nichtmetallischer Rohstoffe. Außerdem erhält man einen kleinen Einblick, welche Gesteine und Minerale im Harz zu finden sind.


Durch die Mineraliensammlung (Teil 1.1)

Die kalte Nüchternheit des Raumes erstaunt zunächst, sind doch die Ausstellungsmöbel aus dem Jahre 1907; ich hätte hier mehr "warme" Holztöne erwartet. Die Neon-Beleuchtung von der Decke unterstützt die sterile Atmosphäre, die allerdings nicht unangenehm ist und dem Lehr- und Anschauungszweck dieser Sammlung entspricht. Museales Ambiente mit gedämpfter High-Tech-Beleuchtung habe ich ohnehin nicht erwartet. Die Ästhetik der Minerale tritt hier bewusst zurück. Die Ausrichtung erfolgt "nach Kriterien der wissenschaftlichen Systematik und nach genetischen Aspekten." *)

Abb. 3A und 3B: 
Blick in die Mineraliensammlung. Links und hinten die Vitrinen-Reihe
zum Thema "Mineralien und ihre Bildungsbedingungen"; rechts
freistehende Vitrinen mit den Mineralien sortiert gemäß der
Systematik nach STRUNZ.

Zwischen der langen Festerfront (Südseite) und der fast durchgehenden Vitrinenreihe auf der gegenüberliegenden Längsseite des Raumes sind 14 Stück freistehende Vitrinen aufgebaut, die die gemäß der auf der chemischen Zusammensetzung beruhenden Mineralsystematik von Hugo STRUNZ sortierten Exponate enthalten. Möchte man seine "Reise durch die Systematik" bei den Elementen starten, so muss man hierzu zunächst den gesamten Raum bis zur hintersten Ecke durchschreiten. Mit zunehmender Mineralklasse lichten sich die Vitrinen zusehend. Besonders im Bereich der Silikate klaffen große Lücken (s. Abb. 4). Radioaktive Stufen wurden fast durchgehend entfernt; man wollte und konnte den Auflagen beim Umgang mit diesen Stoffen nicht entsprechen. Schade. Eine schöne Autunitstufe ist mir trotzdem aufgefallen (vgl. Abb. 24). Vergessen?

Abb. 4:
Viel Platz für Ihre Spende

Die Wandvitrinen sind speziellen Themen vorbehalten. So finden sich in ihnen Exponate, die die Mineralisation in Abhängigkeit von physikalisch-chemischen Bildungsbedingungen eindrucksvoll darstellen. Mineralien der magmatischen Abfolge, pegmatitische, hydrothermale, rezente, vulkanische und metamorphe, oberflächennahe Bildungen werden thematisiert. Einige Vitrinen widmen sich speziell den Wachstumsformen, mechanischen und optischen Eigenschaften der Minerale, Pseudomorphosen, Verwitterungsbildungen und Aspekten der Kristallsymmetrie. Ergänzt wird die Sammlung durch Vitrinen mit Schmuck-/Edelsteinen, Salzminerale sowie Meteoriten, Tektiten und Impaktgesteinen.
Äußerst informativ und lehrreich.

Hier einige Impressionen aus der Mineralogischen Sammlung - eine bunte, ganz subjektive Mischung mit einigen Klassikern:


Abb. 5:
Malachit pseudomorph nach Azurit
Tsumeb-Mine, Namibia
Bildbreite ca. 9 cm (!)

Abb. 6:
Gips-Nadeln als rezente Neubildung
Grube Rammelsberg, Goslar, Harz
Bildhöhe ca. 12 cm

Abb. 7:
Schlangengips (und Alabaster)
Walkenried, Südharz, Niedersachsen
Bildbreite ca. 35 cm

Abb. 8:
Dolomit-Rhomboeder
Tsumeb, Namibia
Bildbreite ca. 30 cm

Abb. 9:
Ankerit auf Quarz auf Zinkblende
Freiberg, Sachsen
(Anm.: Ein Stück aus der Grube Beihilfe, Halsbrücke ?)
Bildhöhe ca. 16 cm

Abb. 10:
Hämatit als roter Glaskopf
Knollengrube bei Bad Lauterberg, Harz
Bildbreite: ca. 15 cm

Abb. 11:
Arsen, ged. ("Scherbenkobalt")
Sankt Andreasberg, Harz
Bildbreite ca. 12 cm

Abb. 12:
Relativ große "Pyritsonne" mit Anlauffärbung
Sparta, Randolph Co., Illinois, USA
Bildbreite ca. 17 cm

Abb. 13:
Rammelsbergit und Chloanthit
Schwarzwassertal, Erzgebirge
Bildbreite ca. 7 cm

Abb. 14:
Partzit (olivgrüne Partien) in Baryt
Steinbruch Winterberg, Bad Grund
Bildbreite ca. 10 cm

Abb. 15:
Amethystkristalle auf einem abgebrochenen Morionkristall
Madison Co., Montana
Bildbreite ca. 12 cm

Abb. 16:
Pyrolusit-Nadeln auf Goethit
Grube Eisenkaute bei Bad Marienberg, Westerwald
Bildbreite ca. 12 cm

Abb. 17:
Rhodochrosit
Grube Luise, Horhausen, Westerwald
Bildbreite ca. 8 cm

Abb. 18:
Calcit-Skaleonoder
Lancashire, Großbritannien
Bildbreite ca. 14 cm

Abb. 19:
Aurichalcit, Rosasit
Esfehan, Iran
Bildbreite ca. 12 cm

Abb. 20:
Eingewachsene Boracit-Kristalle
Lüneburg, Nds.
Bildbreite ca. 12 cm

Abb. 21:
Coelestin-Kristalle
Grube Wolkenhügel, Bad Lauterberg, Harz
Bildbreite ca. 20 cm

Abb. 22:
Cyanotrichit
[Vermutlich Grube Glückrad] Oberschulenberg, Harz
Bildbreite ca. 6 cm

Abb. 23:
Lose Kristalle des seltenen Phosphates Struvit
[St. Nikolaikirche], Hamburg
Bildbreite ca. 5 cm

Abb. 24:
Autunit
Von der Typloklität Autun, Frankreich
Bildbreite ca. 10 cm

Man möge die Qualität der Bilder verzeihen. Sie wurden mit einer betagten 4-Megapixel-Kamera im Nahmodus mit Zeitauslöser auf Stativ ohne jegliche Zusatzbeleuchtung durch die spiegelnden Gläser der Vitrinen und ohne Polfilter aufgenommen. Ich hatte schlimmere Ergebnisse erwartet, denn die Spiegelungen waren extrem. Einige davon habe ich grafisch nachbearbeitet und störende Kanten entfernt. Auch die Farben waren gut abgeglichen. Die Beleuchtung von Raum und Vitrinen ist anscheinend sehr "farbneutral", der Himmel war draußen zum Glück bedeckt. Ich hoffe, Sie gefallen trotzdem.

Die systematische Tiefe, wie ich sie im Naturkundemuseum in Berlin kennengelernt habe, findet man hier nicht. Manche Mikromineralstufe in einer Lupendose (z.B. Abb. 22) wirken als Alibi und Lückenfüller. Etliche Stufen waren Spenden. Die Angaben "A.Wilke" und "Nachlass Correns", zwei Namen, die Sammler eigentlich kennen sollten, traten öfters auf.
Einige Klassiker, die man dort (auch) erwartet hätte, suchte man vergebens. Manche Stufe von Harzer Fundstellen hätte man sich eher im Nebenraum gewünscht.
Trotzdem, eine sehenswerte Sammlung. Mit diesem kleinen Fazit verlasse ich diesen Teil der Geosammlung und gehe zurück in den Raum mit der Mineralogischen Harzsammlung (1.2). Meinen Eindrücken hiervon ist der 2. Teil gewidmet.



*) Quelle: Flyer "Geosammlung. Technische Universität Clausthal".