Montag, 21. Januar 2013

MM-Präparation 11: Formatierung (7)



Der Weg von der im Gelände gefundenen Gesteinsprobe mit Mikromineralien bis zum fertigen Micromount ist manchmal lang und mühsam. Begleiten Sie mich auf dem Weg dorthin.

(Fortsetzung)


Heute möchte ich ungekürzt einen Tipp weitergeben, der vor fast 14 Jahren im Internet auf einer schon seit langer Zeit nicht mehr existierenden Mineralien-Plattform veröffentlicht wurde(*).  Er passt sehr gut zum Thema »Formatierung« und  behandelt den Einfluss der Form einer Stufe auf seine Haftfähigkeit bei der Verwendung mit MM-Kitt. Mein Dank gilt dem unbekannten Autor. Hier sein Tipp:

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Abkanten von Mineralstufen
Wer kennt nicht das Problem: nach Jahren wird in den MM-Döschen der Kitt spröde und es besteht die Gefahr, daß eine Stufe, die schlecht befestigt ist, sich von der Unterlage löst. Es gibt einfach keine Masse, die eine über die Zeit gleichbleibende Haftfähigkeit besitzt. Aber: Bereits am Geruch kann man erkennen, inwieweit sie gealtert und dadurch weniger haftfähig geworden ist (**).

Was kann man dagegen tun? Gegen eine Beschädigung beim Transport werden die Stufen üblicherweise in weiches Papier gehüllt. Dies hilft zwar in vielen Fällen, kostet aber vermehrt Zeit und beseitigt nicht die eigentliche Ursache. Unbefriedigend ist auch die Verwendung größerer Mengen von Kitt oder die Methode, die Stufe schräg auf eine der Spaltflächen zu drücken. Von daher sollte man sich überlegen, ob und mit welchen Mitteln man nicht besser die Ursache ungenügender Befestigung beseitigen sollte.

Für die Befestigung spielen zwei Faktoren eine Rolle: zum einen der Kitt, zum anderen die Präparierung der Stufe. Auf ersten hat man wenig Einfluß; er besitzt im Neuzustand eine hervorragende Haftung, welche praktisch jede Stufe zu halten imstande ist. Wer denkt dabei schon an Alterung? Für diesen Zustand aber sollte die Präparierung ausgeführt werden, damit die Verbindung auch nach Jahren noch sicher hält.

Die Festigkeit der Verbindung hängt vom Gewicht der Stufe, dem Schwerpunkt-Abstand, der Kontaktfläche und deren Beschaffenheit sowie der Benetzung der Oberfläche entsprechend dem auf den Kitt ausgeübten Druck ab. Ein niedriges Höhen-Seitenverhältnis ist grundsätzlich anzustreben. Ideal ist eine ebene Kontaktfläche, die parallel zu der Auflagefläche mit einer gewissen Kraft aufgedrückt wird und eine maximale Haftung ergibt. Eine solche erfordert freilich einen Bearbeitungsaufwand mittels Trennen und Schleifen. Das andere Extrem ist ein scharfer Grat, der beim Spalten entsteht und wegen der Härte oder Spaltfreudigkeit des Muttergesteins auf die Weise nicht entfernt werden kann. Die Stufe läßt sich leicht auf den Kitt drücken und stößt irgendwann gegen die Auflagefläche. Mit der Zeit schrumpft der Kitt durch Austrocknen, löst sich stellenweise von der Oberfläche der Stufe, den Rest erledigen Stöße von außen.

Jede Stufe ideal zu bearbeiten wäre sicherlich übertrieben. Um der verminderten Haftung des Kitts im Alter Rechnung zu tragen kann aber zumindest bei größeren Unebenheiten oder Schrägen ein Abkanten der Kontaktseite empfehlenswert sein, das durch Schleifen erfolgt. Bereits eine kleine Kontaktfläche parallel zur Mineralseite kann viel bewirken, da sich gleichzeitig der Schwerpunkt-Abstand und das Risiko, daß die Stufe gegen die Auflagefläche stößt, verringern. Zu beachten ist, daß die Mineralien durch übermäßige Wärmeentwicklung nicht beschädigt und anschließend in fließendem Wasser gespült werden. Über Notwendigkeit und Umfang dieser Maßnahme muß der Sammler im einzelnen Fall entscheiden; jedenfalls sollte sie von dem Gesichtspunkt geleitet werden, daß die Alterung des Kitts der Haltbarkeit der Verbindung nichts anhaben kann. In diesem Falle kann er sich auch nach Jahren noch ungetrübt an den Ergebnissen seiner sammlerischen Tätigkeit erfreuen, Käufer oder Tauschpartner werden sich dankbar an gute Präparierarbeit erinnern.

Zum Schluß: Die Gefahr des Ablösens ist bei MM-Stufen am geringsten, ebenso der Aufwand des Abkantens. Hierzu benötigt man nicht einmal eine Schleifmaschine, sondern kann mit einem Handschleifstein auskommen (vorzugsweise aus Siliciumcarbid, wegen der Schleifpartikel mit genügend Wasser Schleifen und Spülen). Der geringe Aufwand kommt dem allgemeinen Trend entgegen, Mineralien bis zu einer gewissen Größe einheitlich in MM-Döschen zu fassen.
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Diese Ausführungen decken sich mit meinen langjährigen Beobachtungen. Dem Leser wird angeraten, bereits bei der Formatierung auf die spätere Montage mit MM-Kitt zu achten - oder eine andere Befestigungsmethode zu wählen. Ich verwende auch aus oben genannten Gründen kein MM-Kitt mehr. Allerdings: Heiß-, Alles- und Sekundenkleber haben auch ihre "Tücken" und Nachteile.


Happy Micromounting!


(*) Die Übertragung in die neuen Rechtschreibregeln habe ich mir erspart.
(**) siehe auch mein Blogeintrag vom 26.10.2012 hier