Donnerstag, 28. April 2011

Im Museum für Naturkunde in Berlin (1)


Abb. 1: Museumsportal in der Invalidenstraße
 
Mein letzter Besuch des Museums für Naturkunde in Berlin hatte noch etwas Abenteuerliches – die Stadt war noch geteilt und die Grenzkontrollen an der Moabiter Invalidenstraße waren als scharf und überzogen bekannt. Man wusste vorher nie, wie der Tag enden wird. Das Museum lag nur wenige hundert Meter hinter der Mauer und war stets auch für West-Berliner ein Anziehungspunkt. Vergleichbare Museen gab und gibt es bis heute im Westteil der Stadt nicht. Zeit also, die alten Eindrücke aufzufrischen.


Dieses mal stand nur die Mineraliensammlung auf dem Programm. Die Höhepunkte des Museums – das anerkannt weltweit größte Dinosaurierskelett (ein 13,3 m hoher Brachiosaurus brancai) sowie die fossilen Überreste des Berliner Exemplars eines Urvogels Archaeopteryx lithographica – blieben diesmal aus Zeitgründen außen vor. Auch andere Säle, Dioramen und Sonderaustellungen mussten leider dem engen Terminplan weichen.

Die Sammlung ist historisch gewachsen und verstand sich stets als Lehr- und Studiensammlung. Der Kauf der Mineraliensammlung von Carl Abraham Gerhard im Jahre 1781 durch die Berliner Bergakademie gilt als Gründung der Sammlung. Weitere Zukäufe herausragender Sammlungsbestände anerkannter Forscher und Privatsammler, Schenkungen bekannter Persönlichkeiten und die Eingliederung von Expeditionsmaterial ließen die Sammlung schnell anschwellen:
  • Käuflich erworben wurden die Sammlungen von Johann Jakob Ferber (1790), Christian Samuel Weiss (1811), Martin Heinrich Klaproth (1817, mit den Originalobjekten seiner Analysen und Elemententdeckungen), Friedrich August Alexander von Eversmann (1820), G. W. Bergemann (1837), F. Tamnau (1841, 34.000 Stück), A. v. Janson (1899, 14.000 Stück), Prager (1910), des Apothekers Eisenberg (1965, Siegerland-Sammlung),  des Bergmanns Max Köhler (1969, Kupferschiefersammlung) und  von Curt Gerber (1969, vogtländischer Minerale);
  • Geschenkt wurden Sammlungen von Dietrich Ludwig Gustav Karsten (1789), Leopold von Buch (1803, Auvergne-Sammlung), der sog. "Alten russischen Sammlung" beim Staatsbesuch von Zar Alexander I. in Berlin. (1803, 3.081 Stück), Karl Friedrich Rammelsberg (1879, Übernahme),  der Witwe des Industriellen Carl Rumpff (1889, Schenkung der Sammlung des Erzherzogs Stephan Victor von Österreich, ca. 14.000 Stücke), Julius Wilhelm Ewald (1892), Ernst Freiherr von Knobelsdorff (1894), Christian W. Ernst (1903, isländischer Minerale), von Ernst Tosch (1912, Rüdersdorf-Sammlung), J. C. Dreher (1912, brasilianischer Achate und Chalcedone), A. Posnansky (1912, chilenische Mineralien), Ernst Reunig (1936, südafrikanischer Minerale),  W. Thometzek (1936, Tsumeb-Mineralen/Namibia) und die Mineraliensammlung des damaligen Kustos Emil Fischer (1963);
  • Wertvolles Expeditionsmaterial, das Alexander von Humboldt auf seiner amerikanischen Reise (1799-1804) gesammelt hat, wurde 1805 als Schenkung integriert; Die Übernahme von Expeditionsmaterial von Alexander von Humboldt und Gustav Rose von ihrer Reise in den Ural und Altai erfolgte 1829. Durch Stiftungen finanzierte Expeditionen nach Ceylon, Grönland, Serbien und in die USA lieferten von 1896 bis 1917 weiteres Material.
Viele der o.g. Spender und Sammlungsverkäufer finden sich in der Liste der Direktoren und Kustoden des Mineralogischen Museums wieder. Etliche berühmte "Insider", die heute jeder Mineralsammler kennt, waren in Berlin tätig:


Abb. 2: Blick in den Mineralien-Saal

Der Gesamtbestand der Mineraliensammlung umfasst heute ca. 250.000 Objekte, nur etwa 4.000 Stufen sind im Mineralien-Saal des öffentlichen Museum ausgestellt. Die Sammlung am Institut für Mineralogie der Humboldt-Universität befindet sich im 1. Obergeschoss des Museums über der Ausstellung in einem fast 500 qm großen Raum in fest eingebauten Schränken mit Schubladen und in Glasaufsätzen - allerdings nicht öffentlich zugänglich.

Abb. 3: Original Schauvitrinen

Die Reihenfolge der Mineralarten in Sammlung und Ausstellung entspricht etwa dem kristallchemischen Mineralsystem von STRUNZ. Innerhalb der einzelnen Minerale erfolgt die Anordnung regional von ehemals preußischen über deutsche, europäische bis zu überseeischen Fundorten. Dieses System wurde seit Einzug in das Museumsgebäude 1889/90  bis heute beibehalten.
Neben der systematischen Hauptsammlung gibt es noch eine Spezialsammlung von Edelsteinen und eine systematische Lehrsammlung. Durch eine alphabetische Mineralnamenkartei ist die Sammlung gut aufgeschlossen, so dass man die Minerale mit ihren verschiedenen Ausbildungen und Paragenesen von zahlreichen Fundorten direkt vergleichen und studieren kann.

Abb. 4: Namensgeber der Universität mit seinen Funden
Abb. 5: Separater Schaukasten mit Originalgeräten

Der Raum lebt von seiner Historie und hat seinen eigenen Charme. Die Schauvitrinen sind originär und unterstützen den historischen Wert der Exponate. Zwischen den Reihen der hohen Schauvitrinen befinden sich Schautische mit weiteren, ergänzenden und meist kleineren Objekten. Große bzw. besonders herausragende Exponate befinden sich in Sondervitrinen.

Hier einige Eindrücke:

Abb. 6: Mesolith, Apophyllit und Stilbit. Pashan Hills, Poona, Indien.
Abb. 7: Schautisch mit Elementen
Abb. 8: Schautisch mit Elementen
Abb. 9: Einige Sulfide
Abb. 10: Stephanit. Sankt Andreasberg, Harz
Abb. 11: Aus dem Ostharz
Abb. 12: Einige Quarz-Varianten



Wird fortgesetzt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Guten Tag.
Ich freue mich über jeden Kommentar, sei es Lob, Kritik und Ergänzungen direkt zum behandelten Thema (Post). Nur zu!

+++++ Für Sonstiges, wie z.B. "Wo ist mein Kommentar geblieben?" oder andere allgemeine Dinge, die nicht zum eigentlichen Thema gehören, benutzen Sie bitte ausschließlich die o.g. EMail-Adresse. +++++

Micromounter