Sonntag, 1. Mai 2011

Fundstelle: Der Steinbruch Winterberg, Bad Grund


 
 

Vom Winterberg - nördlich der Bergstadt Bad Grund am Südwestrand des Harzes - ist nicht mehr viel übrig geblieben. Seit den 1930er Jahren werden im Tagebau hochreine Kalke eines Korallen- und Schwammriffatolls abgebaut, das aus den benachbarten karbonischen Grauwacken und Schiefern, allseitig von tektonischen Störungszonen begrenzt, herausragt. Die fossilreichen Kalkgesteine des Kalksteinkomplexes, zu dem auch der benachbarte "Iberg" gehört, werden stratigraphisch in das obersten Mitteldevon bis Unterkarbon eingruppiert.

Die hochwertigen Kalke (Gehalte von über 96%) wurden anfangs bevorzugt als Zuschlagstoff bei der Eisenverhüttung im benachbarten Salzgitter eingesetzt. Ein benachbartes Kalkwerk stellt Produkte für die Baustoffbranche und chemische Industrie hier. Der gebrochene Rohkalkstein wird im Straßenbau benötigt und findet in der Putz- und Mörtelherstellung seine Verwendung.



Der ausgedehnte Steinbruch wird heute aktiv durch die Fels-Werke GmbH betrieben (im Unternehmensbereich der Xella-Gruppe; heute zweitgrößten Kalkproduzent in Deutschland). Nur an wenigen Tagen im Jahr dürfen größere Gruppen von Mineral- und Fossilien-Sammlern im Steinbruch ihr Glück versuchen.



Mit schwerem Werkzeug, großvolumigen Rucksäcken und Handkarren ausgerüstet, verliert sich die Sammlergruppe alsbald auf dem großen Areal und den zugänglichen Strossen. Schutzhelm und Sicherheitsschuhe sollten nicht fehlen, eine Warnweste ist für Sammler hilfreich, die sich beige-braun gekleidet haben und schnell übersehen werden.

Der Steinbruch ist bekannt für seine außergewöhnlichen Calcit- und Barytstufen. Die in der Literatur beschriebenen "Blauen Baryte" findet man heute allerdings nicht mehr. (s. nachstehende Abb.) Zonen mit reichhaltigen Fe-Mn-Mineralisationen sind allgegenwärtig, Anreicherungen von Cu-Sekundärmineralien können öfters beobachtet werden, Fahlerze konnte ich bei meinen Besuchen nicht auffinden.
Schaustufen mit großen Kristallen vom Winterberg bei Bad Grund sieht man in vielen öffentlichen Sammlungen. Hier beispielhaft einige Exponate aus dem Museum der Grube Samson in Sankt Andreasberg:



Bei meinem ersten Besuch habe ich die Sammlerkollegen mit ihren Handwägelchen, modifizierten Bollerwagen und sonstigen Eigenbaukarren müde belächelt. Am Ende des Sammeltages wünschte ich mir selbst so ein Gefährt: Dreimal schleppte ich meine Funde zum über 1,5 km entfernt stehenden Auto, teilweise über hohe 3 Strossen hinweg. Der mit Baryt und Calcit gefüllte Rucksack wog jedesmal über 35 kg. Hier vergisst der Micromounter schnell seine bevorzugte Sammelausrichtung: Calcit-Skalenoder von über 2 cm Größe, freistehende Baryt-Tafeln in kugelförmigen Aggregaten bis 3 cm lassen auch den Micromounter selten kalt. Bei den farbenfrohen Sekundärmineralisationen wird ebenso gerne und reichhaltig zugegriffen. So bald kommt man nicht wieder in den Steinbruch Winterberg bei Bad Grund, die Chance bietet sich nicht oft ... überschätzen Sie ihre Kräfte nicht.

Als Abschluss typische Stufen von Calcit auf/mit Baryt, Eigenfunde von 2008-2010:

Bildbreite ca 50 mm
Bildbreite ca. 80 mm
Stufe wie vor. Bildbreite ca. 70 mm
Stufe wie vor. Bildbreite ca 80 mm
 
Wichtig - neben dem schweren Werkzeug (u.a. Vorschlaghammer, Brechstange angeraten) - ist die Mitnahme von reichlich Verpackungsmaterial. Die Baryte und Calcite sind sehr stoßempfindlich. Weiße Macken an den Kristallen stören den Gesamteindruck, manche Unachtsamkeit oder unzureichende Verpackung macht viel Arbeit in Kürze zunichte.

Weitere Informationen (Geologie und Mineralliste):
Am 13. bis 15. Mai 2011 findet der "Tag des offenen Steinbruchs" statt. Der Winterberg scheint diesmal nicht auf dem Programm zu stehen. Nachfragen schadet aber nichts:



1 Kommentar:

  1. hello

    I was wondering if you could give me any tips where I could find quarzt krystals in the Harz Ranges Germany. Today we found some at the Oker Tal Sperre. We are travelling from Goslar any help would be great. Thankyou

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