Samstag, 16. August 2014

Übersichtliche Vitrinen


Nach langer Zeit etwas Neues im Blog bzw. überhaupt mal wieder etwas. Heute möchte ich eine einfache Methode vorstellen, Schauvitrinen übersichtlich und optisch ansprechend(er) zu gestalten. Nun, das mag den Hardcore-Micromounter nun nicht gerade primär interessieren, aber ich denke, Mikromineral-Sammler sammeln – und sei es nur nebenbei – auch die etwas handlicheren Stufen; jedenfalls kenne ich keinen, der große Kristalle einfach liegen lässt. Manch eine davon findet ihren Weg auch in die Vitrine.

In einigen öffentlichen Sammlungen ist man dazu übergegangen, das klassische Etikett oder Schild an der Stufe durch eine fortlaufende Nummerierung zu ersetzen. Die Nummerierung findet man auf einer separaten Tafel (meist außerhalb der Vitrine) wieder, die die üblichen Angaben – Mineralname, Paragnese, Fundort – zugeordnet auflistet. Die Nummern sind meist auf kleinen Holzwürfelchen oder auf geometrischen Körpern aus transparentem Kunststoff bzw. Glas eingraviert, die sehr dezent bleiben. Vorteil:  Die Vitrine wird nicht durch große Etiketten zugekleistert, man kann sich voll auf die Schönheiten und Eigenarten der ausgestellten Stufen konzentrieren. Möchte man weitere Informationen, so liest man die Tafel. Gesehen habe ich solche Beschriftung u.a. im Harzmuseum in Wernigerode und  in der Hamburger Unisammlung.

Es galt, das System auch für die häusliche Privatausstellung anzuwenden. Ein System, bei dem die Etiketten groß sind und den Blick auf die Stufe versperren oder unter der Stufe liegen (und jedesmal in die Hand genommen werden müssen), widerspricht meinem ästhetischen Ansprüchen an eine gelungene Schauvitrine.
Die reine Kopie der Nummernklötzchen aus dem Museum scheiterte schnell an den Kosten.  5- oder 6-seitig polierte PMMA-Würfel mit 8 mm Kantenlänge wurden mir für ca. 1,85 Euro/Stück (netto) angeboten. Lässt man die fortlaufende Nummerierung eingravieren, dann nähert man sich, der 3-Euro-Grenze. Bei einer Vitrine mit 150-200 Stufen summiert sich das auf weit über 500 Euro. Eine Geldmenge, die man sicherlich lieber in erstklassige Stufen anlegt als in „Plastikwürfel“. 

Abhilfe

Erster Schritt: Statt Klötzchen vom Kunststoffbauer werden Fertigteile verwendet. Zweiter Schritt: Statt Gravur werden Aufkleber mit Nummern eingesetzt.

Die Suche nach den günstigen Kunststoff-Fertigteilen erwies sich  lange als erfolglos. Erst ein schmerzhafter Zufall führte dann zur Lösung: Um zu meiner Mineraliensammlung im Dachboden zu gelangen, muss ich am Spiel“zimmer“ meiner Kinder vorbei. Das dortige Spielzeug-Schlachtfeld erstreckt sich oft auf den Flur davor. Eines Tages bohrte sich eines der verstreuten Spielzeugteile unsanft in meine Fußsohle – das gesuchte perfekte Klötzchen für meine Vitrine! LEGO®!! Ganz konkret:  Dachstein 1x1x2/3 (LEGO®-Nr. 50746)


Abb.1  und 2:
Nicht nur Spielzeug zu verwenden: LEGO
®
-Dachsteine
Diesen Stein gibt es in etlichen Farben (durchgefärbt und auch transparent), da ist für jeden Geschmack etwas dabei.  Er lässt sich sowohl hinlegen als auch aufstellen (vgl. Abb.3). Für in den Vitrinen oben stehende Stufen bietet sich die aufgestellte Variante an. Sind die Stufen unterhalb der Augenhöhe postiert, so zeigt ein hingelegter Stein das größere Beschriftungsfeld.  Diese beträgt immer ca. 7,5 x 8,5 mm, egal wie man es dreht.


Abb. 3:
Aufstellvarianten
Was fehlt, war die Nummerierung. Neben der Möglichkeit, sich seine Aufkleber für die Klötzchen am heimischen Drucker zu erstellen (und hinterher akkurat zuschneiden zu müssen, damit die Ziffern auf allen Klötzchen auf gleicher Höhe stehen), suchte ich im Angebot zu vorgefertigten Ziffern. Die schönen Transfer-Rubbelbuchstaben von früher sind entweder nicht mehr am Markt erhältlich oder die Font-Größe passte nicht zum Legostein. Meine Wahl fiel letztendlich auf Zahlenetiketten der Fa. Avery-Zweckform, schwarz auf weißer Folie, vorgestanzt. Konkret: Z-Design 3721. 

Abb. 4:
Detailansicht der Folienaufkleber
Die laufende Nummerierung endet bei 99. Auf den LEGO® -Stein passen ohnehin nur zwei Ziffern. Enthält die Vitrine mehr als 100 Stufen, muss man tricksen und vielleicht die Klötzchen-Farbe variieren. Dafür gibt es aber zwei Aufkleberblätter.
Die fertigen Aufkleber haben die Größe 7,0 x 9,5 mm und passen somit fast exakt auf das Beschriftungsfeld des LEGO®-Steins. Nur die Überlänge von 1 mm muss hinterher angepasst werden.

Die Kostenseite

Die LEGO® -Steine gibt es in ausreichender Menge online zu guten Preisen. Der Preis pro Stück variiert je nach Anbieter, Farbe und Volumen zwischen 4 bis 10 Cent. Mehr sollten Sie nicht bezahlen. Meine transparenten habe ich für 4,5 Cent/Stück (inkl. Versand) bekommen. Zwei Blatt der Aufkleber kosten ca. 2,50 Euro (inkl. Versand).
Legt man die Kosten für ein Nummernklötzchen um, so ergibt sich eine Spanne von 5 bis 11 Cent – ein Bruchteil der Kosten für die „edle“ Variante (s.ob.).

So geht’s:

Abb. 5:
LEGO® -Steine, Aufkleber, Pinzette und Skalpell bereitlegen.
Abb. 6:
Montagehilfe. Es ist ziemlich fummelig, die Aufkleber
akkurat zu platzieren, wenn die Klötzchen lose in den
Fingern gehalten werden. Es ist vorteilhaft, die Dachsteine
vorher auf
LEGO® -Platten (hier rot) erhöht zu montieren;
nehmen Sie dabei einreihige
LEGO® -Steine (hier blau)
oder was die Steinekiste Ihrer Kinder/Enkel so hergibt.
Abb. 7:
Ziehen Sie den Aufkleber vom Bogen und platzieren
Sie ihn mit Hilfe einer Pinzette mittig ausgerichtet auf
dem Dachstein. Da der Aufkleber etwa 1 mm länger
als das Beschriftungsfeld ist, müssen Sie sich 
entscheiden, ob Sie später oben oder unten ab-
schneiden wollen. Die Ziffer steht dann nicht absolut
zentral auf dem Stein. Nehmen Sie daher die obere
oder untere Kante als Anschlagslinie.
Probieren Sie mit nicht benötigten Aufklebern vorher
das Handling und die spätere Optik.
Abb.8: 
Noch den Überstand mit dem Skalpell abschneiden …
Abb. 9:
… und fertig. Man sieht, dass die Folie leicht durch-
scheinend ist. Wer das nicht mag, sollte voll eingefärbte
Dachsteine (z.B. weiß) wählen.
Stufe und Klötzchen in der Vitrine platzieren und
separaten Erläuterungstext erstellen. Diesen dem
Betrachter aushändigen, sofern Sie nicht persönlich die
Stufen erläutern und ihn mit der Vitrine alleine lassen.
Das alte Etikett wird nicht vernichtet. Ggf. vermerken
Sie darauf noch die laufende Nummer in der Vitrine
(Bleistift!) bzw. sorgen Sie für eine spätere unzweifel-
hafte Zuordnung zwischen (separiertem) Etikett und
Stufe.
Die Dachsteine lassen sich noch erweitern. So böte es sich z.B. an, diesen auf einer andersfarbigen 1x1-Fliese zu montieren. Da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.
Ich hoffe, die Methode gefällt. Sofern meine Vitrine fertig bestückt ist, zeige ich hier das Ergebnis als Foto.



LEGO
® : Ist die markenrechtlich geschützte Produktbezeichnung der Firma LEGO A/S

 

Keine Kommentare:

Kommentar posten

Guten Tag.
Ich freue mich über jeden Kommentar, sei es Lob, Kritik und Ergänzungen direkt zum behandelten Thema (Post). Nur zu!

+++++ Für Sonstiges, wie z.B. "Wo ist mein Kommentar geblieben?" oder andere allgemeine Dinge, die nicht zum eigentlichen Thema gehören, benutzen Sie bitte ausschließlich die o.g. EMail-Adresse. +++++

Micromounter