Mittwoch, 2. März 2011

Fundstelle: Der Petersberg bei Halle (Saale)

Luftbild. MDB-Steinbruch am Petersberg (nach Google Maps, ergänzt)

Es gibt Steinbrüche, die sind einem beim allerersten Anblick sofort sympathisch, und sie bleiben es, auch wenn man sie trotz mühevoller Suche mit leeren, aber schmutzigen Händen wieder verlassen muss. Der etwa 10 km nördlich von Halle (Saale) beim Ort Petersberg am Fuß der gleichnamigen Geländeerhebung gelegene Steinbruch gehört für mich zweifelsohne zu dieser Kategorie (obgleich ich dort immer fündig war).
Vielleicht liegt es an einer als angenehm empfundenen Kombination von der Anlagengröße, der Anzahl und Grundfläche etwaiger Strossen, Höhe der Abbauwände, Sonnenlichteinfall und der Gesteinsfarbe. Besonders tiefe "Löcher" bzw. hohe Abbauwände dunkler Gesteine wirken mitunter bedrohlich, in großen oder unübersichtlichen Anlagen fühlt man sich schnell verloren und irrt orientierungslos herum. Dieser Eindruck hinterlässt seine Spuren bei der Mineralsuche. In Steinbrüchen, in denen man sich "wohl" fühlt, wird man eher fündig. Und: Das Sammelerlebnis ist hier bleibender und ungleich höher einzuschätzen, unabhängig vom Abbaustand und damit den objektiven Fundmöglichkeiten.
Der Steinbruch am Petersberg ist für einen ernsthaften Mikromineralsammler, der in seiner Freizeitbeschäftigung etwas anderes sieht, als nur schnell den Kofferraum vollpacken zu können, seine Funde zu horten oder durch Verkäufe im Internet seine "Unkosten" wieder hereinzuholen, eine hervorragende Wahl. Auch wenn die Aufschlussbedingungen naturgemäß schwanken und manchmal gute Funde ausbleiben, denkt man hier immer gerne an sein dortiges Sammelerlebnis zurück - und kommt wieder.

Auf der untersten 4. Sohle. Blick nach SE (Stand 2010)

Dass uns Sammler die Möglichkeit hierzu gegeben wird, liegt an der aufgeschlossenen Haltung des Steinbruch-Inhabers, der "Mitteldeutsche Baustoffe GmbH". Bislang stand der Steinbruch vom Frühjahr bis in den späten Herbst an jedem 4. Samstag im Monat, jeweils von 9 bis 15 Uhr, dem interessierten Sammler nach vorheriger Anmeldung und Entrichtung eines geringen Unkostenbeitrages offen. Sorgen auch Sie bitte dafür, dass diese heute immer seltener werdende Möglichkeit weiterhin bestehen bleibt.
Außerhalb der Zeiten ist eine Suche nicht möglich. Weitere Details und aktuelle Termine entnehmen Sie bitte dieser Webseite der MDB.

Bislang wurde es gestattet, mit dem PKW über steilen Rampen auf die 4. Sohle herunterfahren zu können, die sich als die momentan vielversprechendste erwiesen hat. Das macht die Suche komfortabel, schweres Werkzeug kann im Auto bleiben und bei Bedarf schnell herbeigeholt werden. Dieses ist zuweilen notwendig; viele Gesteinspartien im frisch geschossenen Haufwerk erweisen sich als überaus "hartnäckig".

Abgebaut wird ein recht feinkörniger, sehr dichter Quarzporphyr mit guten mechanischen Festigkeitswerten, dessen Charakter durch kleine eingesprengte Quarze, Feldspäte (Plagioklas, Orthoklas) und Biotit-Lagen in einer rotbraunen bis braunvioletten Grundmatrix bestimmt wird. Hinzu gesellen sich Hämatit und andere akzessorische Minerale. Das Gestein ("Oberer Hallesches Porphyr") stellt Reste eines vulkanischen Deckgebirges aus dem Unterrotliegendem dar.

Tafeliger Anatas auf Albit. Bildbreite ca. 2mm. Foto: W.Hajek (mit freundl. Genehmigung)

In flachen Spalten und unregelmäßig verteilten Hohlräumen des Quarzporphyrs lassen sich eine Reihe von vornehmlich frei auskristallisierten Mikrominerale finden, die später zu äußerst attraktiven Micromounts führen können. Calcit und der zuletzt eher selten vorkommende Fluorit sind auch in größeren Kristallen nachgewiesen worden.
In der Sammlerszene ist dieser Aufschluss durch außergewöhnliche Funde von Synchisit-(Ce), Anatas und Allanit-(Ce) bekannt geworden, die - wie auch die anderen Begleitmineralien - in vielen Publikationen näher beschrieben wurden. Ich verweise schon an dieser Stelle auf die wichtigste Literatur:
  • Hajek, W., Gröbner, J. (2007): Allanit, Anatas und Brookit vom Petersberg bei Halle; Lapis, 32 (10)
  • Jahn, S. (2007): Der Petersberg bei Halle a. d. Saale; Mineralien-Welt, 18 (6).
  • Koch,R.A. (1977):  Die Kluft- und Drusenminerale des Petersbergmassivs bei Halle. Fundgrube
  • Siemroth, J. (1999): Die Minerale des Quarzporphyrwerkes Petersberg bei Halle; Aufschluss, Sonderband 3
  • Vollstädt, H. (1979): Einheimische Minerale, Deut. Verl. F. Grundstoffind. Leipzig
  • Vollstädt, H., Siemroth, J., Weiß, S. (1991):  Mineralfundstellen Ostharz und Lausitz, Weise Verlag, München.
Eine petrographische Untersuchung ist Thema einer (englischsprachige) Dissertation, die man hier lesen  bzw. herunterladen kann. Die entsprechenden Seiten der Online-Datenbanken Mindat und Mineralienatlas liefern weitere Informationen.


Synchisit-(Ce) mit Anatas. Bildbreite ca. 3mm. Foto: W.Hajek (mit freundl. Genehmigung)

Bei meinen Besuchen konnte ich folgende Minerale finden:

Allanit-(Ce)
Nadelige xx in lockeren radialstrahligen Büscheln bis 1 cm Länge; grünlich-grau bis schwarz mit hohem Seidenglanz.
Anatas
Fast schon ein Durchläufer. Tiefschwarze bis stahlblaue, meist flachtafelige, quadratische Kristalle bis 2 mm Größe. Die Plättchen sind häufig auch grünschwarz bis farblos durchscheinend. Meist ansehnlich gruppiert auf Albit.
Brookit
Winzige, rehbraune, durchscheinende Kristalle neben Anatas; typisch vorherrschend mit {001} und {111}. In der Literatur als extreme Seltenheit beschrieben, bei meinen Besuchen immer gefunden. Wahrscheinlich wird Brookit einfach übersehen, da unscheinbar
Calcit
Durchläufer als grobspätige Kluftauskleidung, selten schlecht entwickelte Skalenoeder. Hexagonale xx selten, insgesamt eher unansehnlich.
Chlorit
Dunkelgrüne bis grünschwarze blättrig- schuppige Kristalle die kugelige Aggregate bis 1 mm bilden. Kluftauskleidung.
Fluorit
relativ selten (geworden), grünlich, milchig bis farblos meist neben Calcit in flachen Gesteinsspalten; fast nur Spaltflächen, Kristallflächen selten. Unattraktiv.
Hämatit
Winzige, schlecht entwickelte (undeutliche) xx neben Albit und Siderit; sonst erdig in winzigen Gesteinsklüften
Illit
Hell-lichtgrüne, unregelmäßig geformte Kügelchen neben Allanit-(Ce) und Synchisit; insgesamt häufig.
Limonit/Goethit
Erdige bis dichte braune Massen auf Albit und Flourit.
Plagioklas (Albit und Oligoklas)
Milchig-weiße bis farblose xx bis 1mm als typische krustenförmige Auskleidung von Klüften und Hohlräumen, rundliche Anhäufungen, Zwillingsbildungen häufig. Im angewitterten Zustand lösen sich großformatige Albitrasen- Partien von der Porphyr-Matrix. Dieses erschwert die Montage auf Sockeln in der MM-Dose.
Pyrit
Kristalle bis 0,5 mm, öfters mit dünner Limonit-Wad-Kruste neben/auf Siderit-xx
Quarz
Freistehende, nur an den Spitzen wasserklare Kristalle bis 2 mm Länge auf Albit; eher selten
Siderit
Schöne rehbraune xx mit hohem Glanz neben Albit und Synchisit; rundlich verzerrte Rhomboeder bis 1 mm, die in Gruppen größere runde Aggregate bilden; optisch attraktiver Farbkontrast zum Synchisit. Manchmal mit Anlauffarben, hin und wieder mit Pyrit-xx vergesellschaftet.
Synchisit-(Ce)
Rosé-/fleischfarbene bis gräuliche Kristalle bei fortschreitender Verwitterung bzw. Isotropisierung; im frischen Zustand hellgelb bis hellorange, meist durchscheinende Kristalle. Bis 8 mm große Aggregate aus gruppierten, hexagonale Täfelchen; meist neben Albit und Siderit auf schmalen Klüften. Im Durchschnitt sind die Täfelchen 2 bis 2,5 mm groß. Attraktive Stufen. Wird in der Literatur als selten beschrieben, bei meinem letzten Besuch (Sommer 2010) allerdings überaus häufig, so dass ich viele Stufen nach Auswahl der besten Stücke zurücklassen habe.

Darüber hinaus wurden folgende Minerale im gesamten Petersberger Porphyr (auch bzw. nur in den benachbarten Steinbrüchen) nachgewiesen:
Baryt, Chalkopyrit, Klinochlor, Epidot, Fluorapatit, Gips, Hämatit, Jarosit, Laumontit, Lepidokrokit, Opal, Orthoklas, Psilomelan, Rhabdophan-(Ce), Titanit, Wad.

Allanit-(Ce). Bildbreite 6,8 mm. Foto: W. Hajek (mit freundl. Genehmigung)

Die Aufschlussverhältnisse sind sehr schwankend. Nicht immer bedeutet ein frisch geschossenes Haufwerk gleichzeitig auch gute und/oder zahlreiche Funde. Manchmal entdeckt man "nur in altem" Material auf den Strossen allerfeinste Mikromineralien. Besuchen Sie den Steinbruch deshalb doch mehrmals.

Nach dem Sammelerlebnis sollten Sie sich beeilen und zur benachbarten Sommer-Rodelbahn fahren. Diese schließt um 17:00 Uhr. Der Fahrtwind sollte den letzten Staubkrümel aus dem Steinbruch von Ihrer Kleidung blasen. Viel Spaß (an beiden Lokalitäten). Man sieht sich!

Kommentare:

  1. Das erste Treffen findet am 30.04.2011 statt!

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  2. Die Allanite vom Petersberg sollen sich nach Lapis-Heft Nr. 09/2009 als Cer-Epidote bzw. als Cer-reiche Mischkristalle von Epidot und Allanit herausgestellt haben.

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