Sonntag, 8. Mai 2011

Fundstelle: Der Große Teichelberg bei Pechbrunn




Nachdem ich hier im Blog bislang nur norddeutsche Mineral-Fundstellen vorgestellt habe, möchte ich heute eine im Süden der Republik skizzieren:

Am südöstlichen Rand des Fichtelgebirges, zwischen Marktredwitz und Mitterteich liegt die Ortschaft Pechbrunn. Das Bild der kleinen Gemeinde an den Ausläufern des Steinwaldes im Landkreis Tirschenreuth wird durch eine 685 m (üNN.) hohe Basaltkuppe im Süden der Ortschaft geprägt: Der "Große Teichelberg". Er ist - neben dem Parkstein, der Zinster Kuppe u.a.m. - einer der Zeugen geologisch junger vulkanischer Tätigkeit im westlichen Basalt-Eruptionsgebiet in der nördlichen Oberpfalz und Nordböhmen. Neuere Altersbestimmungen ergaben ein Alter von ca. 21 Mio. Jahren; seine Entstehung dürfte somit in das Miozän zu stellen sein.

Der Basaltkörper des Großen Teichelbergs ist bis zu 45 Meter mächtig und ca. 500 Meter lang und breit. Einen klassischen Vulkankegel sucht man vergebens: Das Magma war relativ dünnflüssig. Als unterlagerndes Gestein ist ein grobkörniger Steinwaldgranit ermittelt worden. Tuffe, Tone und Braunkohlen sind regional unterschiedlich zwischengelagert.

Vereinfachte Geologie vom Gr. Teichelberg (*)
Profil der flachen Basaltkuppe (*)

Analysen zeigen einer sehr einheitlichen Basalt; er besteht nach H. STRUNZ (*) aus:
  • 62,5 % Titanaugit (mit ca. 4% Titandioxid)
  • 20 % Nephelin
  • 12,5 % Olivin
  • 5 % Erzmineralien (90-95% Magnetit; 10-5%: Ilmenit, Rutil, Anatas, Maghemit, Chalkopyrrhotin, Magnetkies, Kupferkies, Pyrit, Markasit und untergeordnet Arsenkies, Kupferglanz, Bornit, Valleriit, Idait, Covellin, Pentlandit und Eisen (ged.).



Der Basaltkörper wird bereits seit 1888 an der Nordseite des "Teichlbergs", wie er dort genannt wird, abgebaut. Wegen seiner hervorragenden Rohdichte dient das Material heute vor allem als Gleisschotter für die Deutsche Bahn AG. Aber auch Splitt und Edelsplitt gehören zu den gesuchten Produkten. Mittlerweile gehört der Betrieb zur Basalt Pechbrunn GmbH  - seit 1973 eine Beteiligungsgesellschaft der Basalt-Actien-Gesellschaft,   der wir schon im Steinbruch Rohden begegnet sind.
In die Produktionsanlagen flossen hohe Investitionssummen. Die Aufbereitungsanlage wurde 1973 neu errichtet, die Vorbrecher-Anlage im Steinbruch 2003 umgebaut.

Das geschossene Material wird an Ort und Stelle meist mit großen Stahlkugeln vorzerkleinert, ehe es mit Großgeräten zur Aufbereitung transportiert wird. Der "Steinbeißer" zerkleinert die Felsen weiter, um das Material einem Förderband (Achsabstand 1.200 m) zu übergeben, das am Bahnhof Pechbrunn endet. Ca. 1.000 Tonnen täglich des zerkleinerten Basalts werden in die bereitstehenden Waggons geschüttet.

Vorzerkleinertes Material
Haufwerk im östlichen Teil des Steinbruches (**)

Der Basalt ist stellenweise reich an Hohlräumen, in denen aus Thermalwässern neben Calcit und Aragonit seltene Zeolithe und andere Mineralien auskristallisieren. Auch auf den Klüften zwischen den Basaltsäulen bildeten sich Mineralien, wie z.B. Montmorillonit, Volkonskoit, Nontronit und reichlich Saponit. Ferner ließen sich Diopsid, Iddingsit (Gemenge von Goethit und Chlorit) und Phosphorit nachweisen. Vorgenannte Silikate sowie der nur in winzigsten Körnchen vorkommende Fluorapatit sind für Micromounter eher weniger interessant. Unser Hauptaugenmerk legen wir auf idiomorph auskristallisierte Zeolithe in den Hohlräumen sowie die Minerale im Tuff. Hier sind vor allem Natrolith und Phillipsit-K/-Na zu nennen, aber auch Chabasit, Thomsonit-Ca und Gismondin wurden in schönen Gesteinsproben als Mikromineralien geborgen. Eher selten sind Apophyllit, Okenit und Skolezit.

Schlot (**)

Der Eruptions-Schlot  ist wirtschaftlich nicht zu verwerten und wurde sichtbar stehen gelassen. Die Schlotfüllung ist recht bröselig und enthält eine reichhaltige Anzahl von Hohlräumen, in denen sich weitere schöne Micromounts entdecken lassen. Es lohnt sich, auch diesen Bereich umfangreich zu beproben.

Folgende Mineralien sind über die vorgenannten nachgewiesen worden. Viele davon sind Gesteinsbestandteile, viele nur erzmikroskopisch zu erkennen, manche derb und erdig - für Micromounter stets letzte Wahl -  und nur für Lokalsammler lediglich als Beleg sammelnswert. Einige davon finden sich auch selten in den Hohlräumen des Basalts. Es sind:

Allophan, Analcim, Ankerit, Baryt, Biotit, Chromdiopsid, Chromit, Chrysotil, Cowlesit, Cubanit, Dolomit, Dumortierit, Enstatit, Erionit, Feldspat, Ferrohornblende, Hämatit, Hisingerit, Hydrotalkit / Talk, Katophorite, Kupfer, Lévyn, Limonit, Mullit, Muskovit, Offretit, Opal (auch als Hyalith), Orthoklas, Paranatrolith, Quarz, Picotit, Plagioklas, Quarz, Rhodesit, Sanidin, Sillimanit, Sodalith, Tetranatrolite, Wad.

Anstehendes im Süden (**)

Der Bau der Autobahn A93 von Hof nach Regensburg hat die Erreichbarkeit dieser Fundstelle stark vereinfacht. Nur einheimische Sammler und wenige Angereiste, die die Mühen der Fahrt durch das Fichtelgebirge oder durch die Ödnis eines Grenz- bzw. ehemaligen Zonenrandgebietes nicht scheuten, verloren sich bis dahin im Steinbruch. Trotz Veröffentlichungen im "Aufschluss" oder "Lapis" blieb es am Großen Teichelberg eher ruhig. Sammler aus Westen blieben schon im Hessischen oder in der Rhön "stecken". Auch der quasi auf dem Weg liegende Zeilberg bei Maroldsweichsach in Unterfranken war ein bedeutender Anziehungspunkt . Wer den Weg auf die Basaltkuppe nahe der tschechischen Grenze bewusst gewählt hat, sollte meist nicht enttäuscht heimkehren.
Diesen zu finden, kann sich vor allem bei der Anreise von Westen und Südwesten schwierig gestalten. Ein wenig einfacher ist es, die A93 bei "Pechbrunn" zu verlassen, auf der Umgehungsstraße bis zum Ostausgang der Ortschaft zu bleiben und anschließend in zunächst südwestlicher Fahrtrichtung den Bahndamm zu unterfahren. Wir folgen der "Werkstraße" parallel zu den Gleisen in westlicher Richtung bis zu den Anlagen am Verladebahnhof. Von dort führt eine schnurgerade Straße ansteigend zum Werksgelände auf dem Gipfel.
Bei der Anreise aus Süden empfiehlt es sich, die A93 bereits bei "Mitterteich-Nord" zu verlassen, und der unmittelbar parallel zur Autobahn führenden Straße nach Pechbrunn bzw. Marktredwitz zu folgen.


Siehe auch hier:

Oben angekommen.
Bislang wurde seitens der Werkleitung das Sammeln nach Ausfüllen einer Enthaftungserklärung problemlos erlaubt. Das Einholen einer schriftlichen Erlaubnis ist vorteilhaft. Allerdings soll es auch möglich sein, nach spontaner Anmeldung im Werksbüro die Genehmigung zu erhalten. Auch dieses ist ein Zeichen für die eher geringe Frequentierung durch Sammler.



Schätzt der Gleisbauer die (auch im bundesweiten Vergleich) außergewöhnlich hohen mechanischen Festigkeitswerte des Teichelberg-Basalts, wird der Mineralsammler diese sehr schnell als ziemlich widrig ansehen: es bedarf erheblicher Mühen, um dem überaus zähen Gestein seine Stufen zu entreißen. Ausdauer und physische Stärke sind neben dem Einsatz schweren Werkzeugs hilfreich und notwendig. Sorry, unter einem 3-kg-Fäustel geht hier nicht viel, es sei denn, man beschränkt seine Suche im Tuff um den Schlot herum oder sucht im stark vorzerkleinerten Haufwerk.
Im Basalt sollte ein Vorschlaghammer bevorzugt werden. Man verhindert so das schier unendliche Herumklopfen auf dem Fels. Denn leider sind die Mineralien bzw. Mineralstufen sehr stoßempfindlich und werden sehr oft schon bei der Bergung beschädigt. Besser ist ein gezielter, kurzer, starker Schlag mit einem Vorschlaghammer als das wiederholte Schwingen eines leichten Fäustels. So werden vor allem nadelförmige Minerale "geschont". Meißel habe ich in Pechbrunn nur beim Bergen kleiner, am Felsrand sitzender Stüfchen einsetzen können, bei denen nur wenig Matrix vorhanden war. Brechstangen zum Weiten bzw. Aufbrechen feiner Gesteinsrisse nach dem Schießen sind vorteilhaft.
Der erfahrene Sammler wird daher "ein Schlag vorher" aufhören und das weitere Formatieren der Steinknacke zu Hause oder im Verein überlassen. (Auch diese sollte von hoher Güte sein!). Das Risiko des Zerbrechens oder der Beschädigung der Stufe oder der Kristalle kann so ein wenig minimiert werden. Diese Vorsichtsmaßnahme hat auch ihre Schattenseite: An der geborgenen Stufe "klebt" nun überproportional viel (und schwere) Basalt-Matrix, die sich leider beim Transport zum Auto als hinderlich erweist. Zusammen mit dem schweren Werkzeug kann sich das äußerst kräftezehrend erweisen. Mein Tipp: Versuchen Sie zu erreichen, dass Sie mit Ihrem Fahrzeug in den Bruch fahren dürfen. So können die Transportwege in diesem weitläufigen Steinbruch kurz gehalten werden. Bislang gelang mir dieses immer.

Blick vom Südende des Steinbruches nach NE (**)
 
Ein paar Worte zur Ihrer Ausrüstung:
Ein Helm ist nur bei der Suche am Anstehenden angebracht. Allerdings sollten Handschuhe, Sicherheitsschuhe und Schutzbrille nicht fehlen: Der Basalt ist frisch äußerst scharfkantig, die spitzen Splitter bohren sich beim Formatieren häufig sehr tief in die Gesichtshaut. Denken Sie an Verbandszeug! Selbst unter dicken Handschuhen habe ich mir schon die Haut zerschnitten. Sicherheitsschuhe (mind. S3 nach EN 20345, bestenfalls mit Knöchelschutz) empfehlen sich beim Besteigen der vorformatierten Basalt-Felsen, denn diese sind auch an der nicht immer einsehbaren Unterseite scharfkantig gebrochen und könnten ihre Füße aufschneiden; das Haufwerk liegt oft sehr locker.  Eine strapazierfähige Beinbekleidung (dicke Jeans) ergänzt Ihre Ausrüstung.

Findet Ihre Suche bei warmen und heiteren Wetterbedingungen statt und steht Ihr Fahrzeug gleichzeitig am Werkseingang, dann rate ich Ihnen (auch bei dieser Fundstelle), sofern Sie noch nicht lange im Gelände Minerale suchen, sich einen ausreichenden Getränkevorrat einzupacken: Schatten gibt es wenig, im Bruch ist es fast überall unangenehm windstill, das dunkle Gestein heizt sich rasant auf. Schleppen Sie nach hohem körperlichem Einsatz beim Bergen der Stufen diese und noch Ihr schweres Werkzeug durch die Gegend, dann kann das schnell an die Substanz gehen.

Nimmt man diese und andere mögliche Widrigkeiten in Kauf, wird man auch heute noch - besonders nach Sprengungen – mit überdurchschnittlich hohen Fundmöglichkeiten und erstklassigen Mikromineralstufen belohnt. Aber man sollte sich vielleicht beeilen, denn die Fundmöglichkeiten werden sich nach derzeitigem Stand bald erheblich verschlechtern. Das Ende des aktiven Steinbruchbetriebs ist in Sicht:
Ein im Jahr 1996 von der Regierung der Oberpfalz festgelegtes Naturschutzgebiet  hindert die Basalt Pechbrunn GmbH in naher Zukunft am weiteren Abbau des qualitativ hochwertigen Gesteins auch auf der Südflanke des Basaltkörpers. Bislang schlugen alle Bemühungen des Betreibers fehl, eine Abbaugenehmigung in das Naturschutzgebiet mit edellaubholzreichem Blockschuttwald hinein zu erreichen.

Wenn mein Equipment steht, reiche ich Mineral-Bilder nach. Ich bitte um Geduld.

Letzter Blick auf die unterste Sohle (**)


(*) aus: STRUNZ, H. (1975): Die Basalte der Oberpfalz und Ihre Mineralien; in: Der Aufschluß, Zur Mineralogie und Geologie der Oberpfalz (Sonderband 26), Heidelberg 1975.

(**) Alle Bilder zeigen den Abbaustand von 2005



1 Kommentar:

  1. Lieber Micromounter,

    ein sehr schöner, informativer Beitrag. Ich bin direkt am Teichelberg aufgewachsen und bin oft am Wochenende im "Bruch" gewesen.

    Schöne Grüße

    wildcat60

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