Donnerstag, 28. Juli 2011

Micromount-Sockel (2)


Zur Montage kleiner Einzelkristalle verwende ich neben den bereits vorgestellten Glasstiftperlen öfters handelsübliche, gebläute Kammzwecken (auch "Blauköpfe" genannt). Diese zeichnen sich gegenüber "normalen" Nägeln durch eine edle blau-schwarze Farbe, einen schönen seidenmatten Glanz sowie - ganz besonders - einen größeren flachen Kopf aus, der für uns die spätere Klebefläche zur Micromount-Dose darstellt. 

Kammzwecken
Ich habe mich für die Abmessungen 1,4 x 12 mm entschieden. Der 1,4-mm-Durchmesser stellt einen guten Kompromiss zwischen möglicher Sockelfläche und Mineralprobe-Größe dar; ich setze diesen Sockel für Kristalle von 0,7 bis 2,5 mm Dicke/Breite ein. Die Kammzwecken kann man noch gut mit den Fingern halten, eine Pinzette ist nicht notwendig. Auch nach Bearbeitung sind sie ausreichend lang bemessen, um das Mineral ausreichend hoch über dem Dosenrand zu präsentieren.  

Bearbeitung? Ja, Sie lesen richtig. Zur Vereinfachung der späteren Montage des Kristalls schleife ich die Spitzen der Kammzwecken mit einem simplen Hobby-Schleifgerät  ab (gibt es für 20,-- Euro mit reichhaltiger Ausstattung mehrmals im Jahr bei den bekannten Lebensmittel-Discountern). Ein einmaliges kurzes "Anditschen" des Schleifkopfes reicht aus, um aus dem für uns nachteiligen, mathematisch-idealisierten "Punkt" der Spitze eine kleine kreisförmige "Fläche" zu schaffen, auf die unser Einkristall bzw. unsere Mikromineralprobe später befestigt wird (vgl. Grafik, Punkte "1" und "2"). Mit ein bisschen Übung schafft man es nach kurzer Zeit, die Spitze zielsicher soweit abzuschleifen, bis man den gewünschten Durchmesser der Klebefläche erreicht hat. Deren Größe sollte sich an der Größe des Kristalls orientieren und diese stets unterschreiten. Hierdurch erspart man sich auch das nachträgliche Lackieren der durch das Kappen entstandenen, metallisch-blanken Fläche.

Prinzipskizze


Drei Beispiele - für eine waagerechte oder senkrechte Montage auf der Kammzwecken-Spitze:
(1) Der Kristall ist 0,75 mm dick und 4 mm lang. Ich schleife die konisch zulaufende Spitze soweit ab, bis sie einen Durchmesser von ca. 0,3 bis 0,4 mm besitzt (vgl. Grafik, Punkt "1");
(2) Der Kristall ist 1 mm dick und 3 mm lang. Ich schleife die Spitze soweit ab, bis sie einen Durchmesser von ca. 0,6 mm besitzt (vgl. Grafik, Punkt "2");
(3) Der Kristall ist 2 mm dick und 4 mm lang. Ich schleife die Spitze komplett ab; ich erhalte einen zylindrischen Stift mit dem Nenndurchmesser der Kammzwecke (hier 1,4 mm; vgl. Grafik, Punkt "3")

Nun, es verlangt schon ein bisschen manuelles Geschick, solche winzigen Kristalle bzw. Stufen auf einer "gekappten Nagelspitze" zu montieren. Dafür sind Sie aber Micromounter und nicht nur Mikromineralsammler …

Benutzen Sie hierfür unbedingt flüssigen (hochwertigen) Sekundenkleber, der  extrem schnell abbinden kann. Die Klebung der Kammzwecke am Dosengrund kann auch mit gelförmigem Kleber erfolgen, sofern Sie Korrekturen anbringen wollen. Die Wahl, ob Sie nun zuerst den Kristall mit dem Sockel und beide anschließend mit der Dose verkleben, oder ob Sie den Kristall auf einen bereits in der Dose befestigten Sockel kleben, überlasse ich Ihrem Geschick und dem Vorhandensein etwaiger Montagehilfsvorrichtungen für solche anspruchsvollen Fälle. Beide Wege führen zum Ziel.
Verwenden Sie nur geringste Mengen des Klebers. Ein kleines Kleber-Tröpfchen von 0,1 mm Durchmesser reicht für eine belastbare Klebung völlig aus. Der Kleberauftrag auf den Kammzwecken-Sockel erfolgt zweckmäßig mit einer kleinen Stecknadel, die wir vorher kurz in den Kleber eintauchen. Vermeiden Sie, dass der Kleber unter dem Kristall hervorquillt oder am Sockel herunterläuft. Das sieht sehr unschön aus.

Für eine 70-Gramm-Dose mit gebläuten Kammzwecken habe ich in einer "Baubedarf-Resterampe" läppische 42 Euro-Cent bezahlt (5,00 Euro/kg, inkl. Kunststoffbox). Dafür habe ich (grob geschätzt) ca. 500 Stück  bekommen. Der Preis eines Sockels ergibt sich zu unschlagbaren 0,09 Euro-Cent. Die Menge reicht für meine nächsten 15 Sammlerjahre aus.
Mein Tipp: Meiden Sie bei Eisenwaren die klassischen Baumärkte. Dort zahlen Sie für die gleiche Menge meist den 10-fachen Kaufpreis. Suchen Sie gezielt in Sonderposten- und Ramschmärkten.
 
Gewindestift
Aber auch andere Kleineisenteile sind als Podest für Mikromineralien geeignet. Bei etwas größeren Proben nehme ich gerne brünierte Gewindestifte nach DIN 914 (salopp "Madenschraube" genannt), M3x10, ca. 2 Euro-Cent je Stück . Auch hier wird die Spitze mit der Schleifgerät nach Anforderung gekappt. Öfters gibt es diese aber schon mit abgeflachter Spitze (siehe Abb.) zu kaufen. Der unterseitige Innensechskant nimmt  den Klebstoff auf, der später nicht mehr sichtbar ist. Eine äußerst saubere Sache. Auch solche Teile kauft man nicht(!) im Baumarkt. 


Achtung / Warnhinweise:
Setzen Sie beim Abschleifen unbedingt eine (möglichst auch seitlich geschlossene) Schutzbrille auf!
Der Funkenflug ist eigentlich vernachlässigbar, trotzdem sollten sich keine brennbaren und entzündlichen Materialen in der Nähe befinden! Achten Sie auf Ihre Fingerspitzen oder benutzen Sie Zangen zum Halten der Kammzwecken beim Kappen!
Rutscht der Kristall vom Sockel, dann ist er schnell mit Kleber "verschmaddert" und nicht mehr sammelnswert. Üben Sie diese Sockelmontagetechnik zunächst mit Abfallkristallen aus, ehe Sie sich an Ihre Schätze heranmachen. Lassen Sie Ihr "Mount" lang genug offen (aber staubfrei) "ausdünsten".


So könnte es dann aussehen (Spitze komplett entfernt):



Freuen Sie sich schon auf die Postings, in denen die anspruchsvolle Montage von Einkristallen auf Pinsel- oder Zahnbürstenborsten, feinen Kaktusstacheln oder Katzen-Whiskers thematisiert wird.

Happy Micromounting!


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