Mittwoch, 3. November 2010

Fundstelle: Lautenthal im Harz



Als Abschluss meiner Sammelsaison 2010 wählte ich die Haldenzüge der Harzer Bergstadt Lautenthal an der Straße nach Hahnenklee-Bockswiese aus. Hier bauten jahrhundertelang eine Vielzahl von Gruben auf dem Lautenthaler Gangzug.
Die Halden scheinen nicht oft frequentiert zu werden, denn nur selten sah bzw. sieht man frisch auseinander geschlagenes Gesteinsmaterial, kleine Schürfstellen oder andere Sammler. Auf einigen Haldenabschnitten soll ein Sammelverbot bestehen zum Schutz der sich langsam ausbildenden Schwermetallvegetation und zur Verhinderung von Erosions-schäden. Allerdings sucht man vergebens eine eindeutige Kennzeichnung. Auch die Tatsache, dass die Haldenzüge innerhalb des „Naturparkes Harz“ gelegen sind, und sich der Einsatz schwerer Grab-(Werkzeuge) verbietet, wird den meisten Sammlern unbekannt sein. So bietet sich dem Betrachter ein in großen Teilen fast unberührtes Haldenareal an.

Haldenzug in Lautenthal, Harz. Blick von "Schwarzen Grube, Erzläuferstollen" zum Ostschacht. Stand: 30.10.2010

Im krassen Widerspruch zu den eben genannten Einschränkungen stehen jedoch einige kleine Erdbewegungen und Rodungsarbeiten, vor allem im Bereich des Haldenabschnittes am „Ostschacht“  und „Schacht Kl. St. Jakob“, die offensichtlich seit meinem letzten Kurzbesuch im August 2007 stattfanden. Die Vorfreude auf einem guten Saisonausklang im Gelände war deshalb groß.

Auch dieses Areal wird schon seit Jahrzehnten von Mineralien-Sammlern abgesucht. Die Haldenoberfläche erwies sich bereits 2007 als arm an gutem Micromount-Material. Durch die letzten Haldenbewegungen sollte man eigentlich mehr „höffiges Rohmaterial“ erwarten können, aber leider war dem nicht so. Nur sehr selten fand ich drusiges und klüftiges Gestein und Gangmittel, welches zumindest die Chance auf freistehende Sulfid-Kristalle (Sphalerit, Galenit, und Chalkopyrit) – ggf. nach Absäuern des Calcites zu Hause - erhöhte. Dabei blieb es. Während Kupferkies hin und wieder in kleinen eingewachsenen Körnern zu entdecken war, tut man sich beim Auffinden von Bleiglanz schon schwerer. Unverändert allgegenwärtig bleibt auf den Halden der hohe Anteil an derber Zinkblende. Die Erzbrocken (bis Kindskopfgröße) lassen sich auch heute an der Oberfläche mühelos aufsammeln. Allerdings muss ich feststellen, dass vor drei Jahren mehr, besseres und frischeres Zinkerz gefunden werden konnte. Derber Calcit und Quarz – meist in milchig-grauen dichten Partien, aber auch in kleinen freistehenden klaren Bergkristallen –  vervollständigen das Haldenbild.


Sekundärminerale – außer Hydrozinkit - sind schon seit langer Zeit nur spärlich vertreten. Bei meinen anderen Exkursionen 1981, 1992 und 2001 konnte ich jedesmal ein deutliches Schwinden an interessantem Material erkennen, wen wundert’s? Jetzt, Anfang November 2010 zählen Sekundärmineralien im Haupthaldenareal zu den Raritäten. Nur im Bereich der „Nebenhalden“ oberhalb des Fahrweges zur Wald- und Wandergaststätte „Maaßener Gaipel“ oder auf der Schachthalde der „Schwarzen Grube“ – vermutlich ganz selten von Sammlern aufgesucht – stieg die Anzahl an höffigem Gestein spürbar an. Dem Micromounter bzw. Sammler von Mikromineralien kann ich daher nur empfehlen, seine Suche in den Randgebieten des großen Haldenareals vorzunehmen. 

Haldenzug in Lautenthal, Harz. Blick vom Ostschacht nach Westen. Stand: 30.10.2010


Trotz trüber Aussichten gelang es mir, zwischen „Herzog-Ferdinand-Albrecht-Schacht“ im Osten und dem „Schacht Maaßen“ im Westen eine Vielzahl an Mineralarten zu finden:

Pyrit, Quarz, Cerussit, Malachit, Hemimorphit (viel), Aurichalcit, Pyromorphit, Azurit und Anglesit - alle in kleinen, freistehenden Kristallen;
Sphalerit, Chalkopyrit, Galenit, Goethit/Limonit, Calcit, Aragonit, Siderit, Rosasit  (kugelige Aggregate), Covellin (dünne Überzüge auf Chalkopyrit)   - alles als „Derbmaterial“

Trotz meiner überraschenden Erstfunde an Pyromorphit und Anglesit auf diesen Haldenzügen muss ich hinzufügen, dass alle Stufen nur als „Belegstücke“ zu bezeichnen sind, aus denen sich nur in wenigen Einzelfällen gute Micromounts herstellen lassen. Das Gros der Stüfchen wird eher unmotiviert mit einer simplen Kittkugel eingedost und verschwindet vermutlich ganz hinten in der untersten Schublade - zum Wegschmeißen zu schade.
Erwähnenswert ist nur eine kleine, ca. 3 x 2cm große Gangquarzstufe, die keck glitzernd aus dem Haldengrus ragte und trotz der allesamt beschädigten, bis 5 mm großen, freistehenden Quarzspitzen einfach mitgenommen werden musste, denn sie entschädigt durch eine Vielzahl stark glänzender, optisch ansprechend ineinander verwachsener Pyrit-Kuben (bis 0,4 mm Kantenlänge) in den Zwickeln.

A. Wittern erwähnt in seinem Buch "Mineralien findem im Harz" noch Arsenopyrit, Markasit, Tetraedrit, Ankerit, Brochantit, Cuprit, Langit, Gips sowie Smithsonit - das zur Vervollständigung der Mineralliste für diese Fundstelle.

Mundloch "Schwarze Grube, Alter Stollen". Lautenthal, Harz

Man sollte nicht versäumen, den dort liebevoll angelegten Bergbaulehrpfad abzuwandern. Auf zahlreichen gelben Informationstafeln (sog. "Dennert-Tannen") werden Bergbauhistorie und regionale Lagerstättenkunde erläutert. Etliche Stollenmundlöcher, hölzerne Nachbauten und Kunstgräben sind zu besichtigen. Auch das Bergbaumuseum und Besucherbergwerk „Lautenthals Glück“ im Talgrund an der Innerste ist lohnend.

Weitere Informationen (Links):



Schrieb ich eingangs „Abschluss meiner Sammelsaison“? Natürlich sind damit nur die Exkursionen im Gelände gemeint. Für einen leidenschaftlichen Micromounter geht die Saison in den kalten Herbst- und Wintermonaten erst richtig los. Denn jetzt wird die „Jahresernte“ gesichtet, präpariert und natürlich entsprechende Micromounts hergestellt.

In diesem Zusammenhang fällt mir der Ausspruch der US-amerikanischen Sammlerin Carolyn Weinberger ein, den ich hier gelesen habe und Ihnen nicht vorenthalten möchte:

“Micromounting is the same as 
a field trip without the travel"

In diesem Sinne … auch wenn meine Saison 2010 im Gelände so aufhört, wie sie an anderer Stelle begann: Mengenmäßig insgesamt unbefriedigend; ich hoffe, bei der Aufbereitung der Stücke positiv überrascht zu werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Guten Tag.
Ich freue mich über jeden Kommentar, sei es Lob, Kritik und Ergänzungen direkt zum behandelten Thema (Post). Nur zu!

+++++ Für Sonstiges, wie z.B. "Wo ist mein Kommentar geblieben?" oder andere allgemeine Dinge, die nicht zum eigentlichen Thema gehören, benutzen Sie bitte ausschließlich die o.g. EMail-Adresse. +++++

Micromounter