Montag, 28. März 2011

Fundstelle: Rohden (Wesergebirge)


Saisonauftakt! Endlich!
Der Steinbruch Rohden, nördlich von Hess. Oldendorf im Naturpark "Weserbergland Schaumburg-Hameln" gelegen, stand auf meiner Liste ganz oben, ist doch nach meinen letzten Besuchen 2006, 2007 und 2008 viel Zeit vergangen.
Im Weserbergland liegen die nördlichsten Hartsteinvorkommen Deutschlands. Die Steinbruchindustrie gewinnt in mehreren Betrieben kalkhaltigen Korallenoolith und greift daher nicht unerheblich in das Landschaftsbild und den Naturhaushalt ein. Der Steinbruchbetrieb in Rohden am Möncheberg wurde am Ende des letzten Jahrhunderts nach Bürgereinwänden durch amtliche Verfügung stillgelegt bzw. gestundet Ein aktiver, geordneter Abbau findet seitdem nicht mehr statt. Die Abbaurechte liegen weiterhin beim heutigen Besitzer, der Wilh. Werhahn KG, die auf dem Steinbruchgelände über ihr Tochterunternehmen DEUTAG ein Asphaltmischwerk unterhält. Genehmigungen sollten hier eingeholt werden.

Frostwirkung
Frisch geschossenes Material kommt deshalb nicht mehr nach. Das Anstehende ist aber sehr brüchig. Seit 2007 durchzieht und umgibt den Steinbruch ein stacheldrahtgekrönter Maschendrahtzaun, der den Zugang zu den gefährlichsten Zonen unterbinden soll. Im südwestlichen Teil auf der untersten Strosse ist allerdings weiterhin ein direkter Zugang zu den Steilwänden möglich. Auch hier ist mit erheblichem Steinschlag – besonders im Frühjahr nach der Schneeschmelze - zu rechnen. Diese Gefahr ist aber unsere Chance auf "frisches Material" (s. obige Abb.).


Nach meinen Erfahrungen (aus 2006) ist das Material hinter dem Zaun, auch auf den höheren Strossen, für Mikromineralsammler sehr uninteressant. Die besten Fundmöglichkeiten gab und gibt es immer noch vor der Absperrung bzw. im frei zugänglichen Bereich.

Der Steinbruch Rohden ist für eine überschaubare Reihe eher "alltäglicher" Mineralien bekannt geworden. Diese stellen sich aber in überdurchschnittlich schöner Ausbildung dar, was uns Mikromineralsammler sehr erfreut (s. unt.).

Kartenausschnitt und Luftbild (ergänzt, nach Google-Maps)
Nachdem ich die BAB A2 zwischen Hannover und Dortmund an der Anschlussstelle Nr. 36 „Rehren / Hess. Oldendorf“ verlassen habe, folgte ich der nach „Hessisch Oldendorf“ ausgeschilderten Straße nach Süden. Die Aufbereitungsanlagen der DEUTAG erkenne ich kurz darauf im Wäldchen auf der rechten Straßenseite. Unmittelbar danach befindet sich die Zufahrt zum Steinbruchgelände.
Rechts der Wiegeanlage führt eine befestigte, weiter ansteigende Zufahrtstraße an den Silos vorbei zu den Zwischenlagerplätzen der Zuschlagsstoffe. Hier eröffnet sich ein erster Blick auf das Anstehende.

Hier links halten
Stand 2007

Hier einige weitere Impressionen der Fundstelle:
Nordwestbereich (eingezäunt)
Fundbereiche links und im Hintergrund
Zugänglicher Südwestbereich    
Fundbereich rechts
Der gestundete Steinbruch bietet auf der untersten Strosse in Gesteinsklüften und in Hohlräumen von Fossilien immer noch geringe Fundmöglichkeiten für den Mikromineralsammler – allerdings erst nach hohem Such- und Klopfaufwand. Etwas einfacher und vielversprechender gestaltet sich die Suche im Sturzmaterial vor den zugänglichen Steilwänden (Helm aufsetzen!). Frisches, nicht angewittertes, drusen- und kluftreiches Material kann man hin und wieder mit viel Glück ohne Grabungsarbeiten entdecken. Offenliegende Drusen bzw. Klüfte sind meist angewittert und lohnen nicht der Mitnahme. Das gute Material (bis 2006) – auch für den Normal- und Großstufensammler –
ist leider knapp geworden; die Fundzeiten mit äußerst attraktiven gelben Sphalerit-, großen Coelestin-, Quarz- und Markasitkristallen sind bis auf weiteres vorbei.


Handstück mit Kluftfüllung aus Dolomit, Calcit Quarz und Markasit
Druse im Anstehenden


Nachgewiesene Minerale (in alphabetischer Reihenfolge):

Aragonit
Selten in kleinen lanzettförmigen, farblos bis milchig-weißen Kristallen bis 1 mm; als Sekundärbildung neben Calcit
"Asphalt"
als Imprägnationen im Korallenoolith; unscheinbar, selten, uninteressant
Baryt
Grauweiße Lamellen auf Calcit, selten mit Endflächenbegrenzung; kann leicht mit Strontianit verwechselt werden; nicht häufig.
Calcit
meist abgeflachte Skalenoeder, aber auch nadelig und tafelig; in vielen flächenreichen Kombinationen. Wasserklare und trübweiß; Zwillinge häufig; bis 15 mm; In Calcit-Auskleidungen der Lagerklüfte des Anstehenden kommen nach Entfernen des Lehms hin und wieder nette Kristallrasen, z.T.  lose Kristallspitzen,  (Skalenoeder, mehrere Generationen übereinander) vor.
Chalkopyrit
Winzige xx auf Calcit und Dolomit, eher selten; Malachit konnte ich noch nicht entdecken.
Coelestin
Milchig-weiße, öfters auch farblose (mit leichtem Blaustich), tafelige xx in typischer Tracht in Vergesellschaftung mit Calcit
Dolomit
Einzelrhomboeder bis 8 mm; weiß, fleischfarben gelb verfärbt, typisch sattelförmig gekrümmte Kristallaggregate bis 2 cm freistehend;
Auch körnig, grobspätig.
Fluorit
Sorry, hierzu liegen mir keine Funde und Beschreibungen vor.
Gips
Selten in kleinen nadeligen, farblos bis milchig-weißen Kristallen bis 0,5 mm, als Verwitterungsbildung neben Pyrit und Limonit; sehr unscheinbar. Auf Rostfahnen auf verwittertem Gestein achten.
Goethit/Limonit
Als Verwitterungsprodukt der eisenhaltigen Sulfide, erdige Massen, dünne Häute auf Calcit, Dolomit und Quarz.
Markasit
Tafelige, typisch speerförmige, oft auch nadelige Kristalle, gerne zu größeren Büscheln bzw. Aggregaten optisch ansprechend gruppiert auf Dolomit und Calcit;  Im frischen Zustand: blank, messingfarben, bei beginnenden Oxidierung auch hellbraun; Gruppen bis 12 mm. Bislang stabil.
Pyrit
Auf Dolomit: kleine Würfel und Kuboktaeder (mit unterschiedlichen Anteilen von Oktaeder und Würfel); reine Oktaeder habe ich bislang noch nicht beobachten können; auch nadelig; bis 2 mm.
In körnigem Dolomit: Dunkelbraune Limonitisierte Pyritoeder bis 3 mm
Quarz
In den Varietäten Bergkristall, Amethyst, Rauchquarz und Chalcedon.
Früher gesucht in großen xx, heute nur noch unscheinbar und klein als Drusenauskleidung.
Schwefel, ged.
sehr selten neben Gips, Limonit und verwitt. Pyrit; körnig
Smithsonit
Gelbgraue Krusten, selten.
Sphalerit
grün bis grüngelbe xx, bis 5 mm auf Quarz, neben Dolomit; heute sehr selten.
Strontianit
xx; sehr selten in Fossilhohlräumen


Feinste Pyrit-xx auf Dolomit (Bildbreite ca. 20 mm)

Markasit auf Calcit. Bildbreite 6 mm


In Rohden ist "Heavy-Duty" angesagt: Vorschlaghammer, schwerer Fäustel und große Meißel sollten Sie mitführen. Das kalkhaltige Gestein kann sich im frischen Zustand als sehr hartnäckig erweisen. Handschuhe und Schutzbrille haben dabei noch nie geschadet. Eine Brechstange bzw. Spitzhacke könnte sich vorteilhaft beim Schutträumen vor der kleinen Bruchkante (in unmittelbarer Zaunnähe) auswirken. Nur in diesem Bereich sollten Sie Ihren Schutzhelm absetzen.
Der Korallenoolith bricht selten dort, wo man es erhofft und wünscht. Bei vielen Stücken wird man die Grobformatierung im Steinbruch abbrechen und sich einen Trimmer zur gezielten Zerkleinerung wünschen. Schnell ist der Rucksack gefüllt und schwer. Daher ein Tipp für die ihre Rücken schonenden "Karrenzieher und -schieber": Die Fundstellen sind vom Werkstor bis zu den Aufschlüssen annähernd barrierefrei zu erreichen. Die Kristalle in Drusen und Klüften stehen meistens frei über dem zerkleinerten Gestein. Nehmen Sie also viel(!) auspolsterndes Verpackungsmaterial mit.

Viel Glück. Kommen Sie gesund wieder.


Literatur und Links:

  • MEYER, I. & DORSTMANN, H.J. (1984) : "Mineraliensammelfahrten im Raum Hannover"; in: Lapis, 9, S. 31-37.
  • WEISS, S. (1990) : "Mineralfundstellen, Deutschland West"; Weise Verlag (München)
  • WITTERN, A. (2001) : "Mineralfundorte in Deutschland"; Schweizerbart (Stuttgart)
  • Kritischer Bericht hier

 

1 Kommentar:

  1. Hallo Micromounter,
    ich wohne in der Nähe des Steinbruchs und lese gerade, dass es noch Stellen gibt, die frei zugänglich sind.....wie komme ich dahin?
    LG Elke Reineking
    Meine Mailadresse ist: ElkeReineking@aol.com

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