Dienstag, 21. Februar 2012

Geosammlung der TU Clausthal (1)



Auch Mikromineralsammler brauchen hin und wieder eine Abwechslung vom stetigen Blick durch das Stereomikroskop auf der Jagd nach seltenen und schönen Kristallen. Die Suche nach neuem Material gestaltet sich derzeit witterungsbedingt als ziemlich "unkomfortabel". Mein Drang, mit dem Eispickel Haldenoberflächen zu lockern oder bis zum Bauch im Flugschnee zu stehen, um im Steinbruch mögliche Klüfte aufzumeißeln, hält sich ebenfalls in Grenzen. Eine gute Gelegenheit also, sich einmal wieder in diversen (geheizten) Museen herumzutreiben und sich dabei auch den "größeren Sachen" zuzuwenden:
Micromounts – das erste und einzige deutschsprachige Internetblog vom Sammler für Sammler – war wieder einmal unterwegs, und zwar zu einer der bedeutendsten geo-wissenschaftlichen Sammlungen in Deutschland, der "Geosammlung" der Technischen Universität Clausthal im (derzeit verschneiten) Oberharz.

Die steile, nur schlecht von Schnee und Eis geräumte Straße von der B241 zum Clausthal-Zellerfelder "Kronenplatz" meisterte ich irgendwie, trotz "suboptimaler" Ganzjahresreifen. Ab dort ging es im Gefälle die "Adolph-Roemer-Straße" hinunter, an dessen Ende sich der Eingang zum Hauptgebäude der TU Clausthal befindet, in der die Geosammlung im 2. Obergeschoß untergebracht ist.

Abb. 1:
(Noch) Eingang am Westflügel des Hauptgebäudes der TU Clausthal,
Adolph-Roemer-Str. 2a
Abb. 2:
Im 2. Obergeschoss des Hauptgebäudes.
Im Hintergrund der Eingang zu den Schauräumen, rechts Vitrinen 
der Lagerstätten-Sammlung, die auch von außerhalb betrachtet
werden können.

Die "Geosammlung" umfasst nach Zusammenfassung der Studiengänge Geologie und Mineralogie und mit Neugestaltung im Sommer 2001 nunmehr mineralogische, geologische und paläontologische Anteile. Die Exponate der beteiligten Institute wurden – auch räumlich – "unter einem Dach zusammengefasst".
Die weltweit bekannten mineralogischen, petrographischen und lagerstättenkundlichen Sammlungen, deren Grundstock bereits im Jahre 1811 in der damaligen, gerade neu konstituierten Bergschule gelegt wurden, sind vor über 10 Jahren durch neu eingerichtete Ausstellungsteile, "Erdgeschichte und Paläontologie" und "Naturgeschichte des Harzes" ergänzt worden.

Die Geosammlung gliedert sich heute folgende Ausstellungsteile, die in separaten Räumen untergebracht ist:

1. Mineralogischer Teil
1.1 Mineraliensammlung (ca. 5.000 Exponate / 200 m²)
1.2 Mineralogische Harzsammlung (ca. 1.000 Exponate / 53 m²)
1.3 Lagerstättensammlung (ca. 3.000 Exponate / 135 m²)

2. Geologisch-paläontologischer Teil
2.1 Erdgeschichte und Paläontologie
2.2 Naturgeschichte des Harzes

Im Rahmen dieses Blogs soll der mineralogische Teil (1.1 bis 1.3) im Vordergrund stehen.

Die Mineralogischen Sammlungen weisen einen Bestand von mehr 120.000, allerdings nicht durchgängig inventarisierten Proben aus. Zusammengefasst bilden sie damit eine der größten Mineraliensammlung in Europa und die drittgrößte universitäre mineralogische Sammlung weltweit. Eine herausragende Bedeutung erfahren die Sammlungen auf dem Gebiet der Erze und Rohstoffe. Viele Stücke stammen aus erschöpften und erloschenen Fundstellen und bilden die Grundlage vergleichender wissenschaftlicher Untersuchungen.
Insgesamt sind ca. 9000 Exponate zugänglich. Sie zeigen die breite Vielfalt der Minerale und informieren über die Entstehung verschiedenster Erze und nichtmetallischer Rohstoffe. Außerdem erhält man einen kleinen Einblick, welche Gesteine und Minerale im Harz zu finden sind.


Durch die Mineraliensammlung (Teil 1.1)

Die kalte Nüchternheit des Raumes erstaunt zunächst, sind doch die Ausstellungsmöbel aus dem Jahre 1907; ich hätte hier mehr "warme" Holztöne erwartet. Die Neon-Beleuchtung von der Decke unterstützt die sterile Atmosphäre, die allerdings nicht unangenehm ist und dem Lehr- und Anschauungszweck dieser Sammlung entspricht. Museales Ambiente mit gedämpfter High-Tech-Beleuchtung habe ich ohnehin nicht erwartet. Die Ästhetik der Minerale tritt hier bewusst zurück. Die Ausrichtung erfolgt "nach Kriterien der wissenschaftlichen Systematik und nach genetischen Aspekten." *)

Abb. 3A und 3B: 
Blick in die Mineraliensammlung. Links und hinten die Vitrinen-Reihe
zum Thema "Mineralien und ihre Bildungsbedingungen"; rechts
freistehende Vitrinen mit den Mineralien sortiert gemäß der
Systematik nach STRUNZ.

Zwischen der langen Festerfront (Südseite) und der fast durchgehenden Vitrinenreihe auf der gegenüberliegenden Längsseite des Raumes sind 14 Stück freistehende Vitrinen aufgebaut, die die gemäß der auf der chemischen Zusammensetzung beruhenden Mineralsystematik von Hugo STRUNZ sortierten Exponate enthalten. Möchte man seine "Reise durch die Systematik" bei den Elementen starten, so muss man hierzu zunächst den gesamten Raum bis zur hintersten Ecke durchschreiten. Mit zunehmender Mineralklasse lichten sich die Vitrinen zusehend. Besonders im Bereich der Silikate klaffen große Lücken (s. Abb. 4). Radioaktive Stufen wurden fast durchgehend entfernt; man wollte und konnte den Auflagen beim Umgang mit diesen Stoffen nicht entsprechen. Schade. Eine schöne Autunitstufe ist mir trotzdem aufgefallen (vgl. Abb. 24). Vergessen?

Abb. 4:
Viel Platz für Ihre Spende

Die Wandvitrinen sind speziellen Themen vorbehalten. So finden sich in ihnen Exponate, die die Mineralisation in Abhängigkeit von physikalisch-chemischen Bildungsbedingungen eindrucksvoll darstellen. Mineralien der magmatischen Abfolge, pegmatitische, hydrothermale, rezente, vulkanische und metamorphe, oberflächennahe Bildungen werden thematisiert. Einige Vitrinen widmen sich speziell den Wachstumsformen, mechanischen und optischen Eigenschaften der Minerale, Pseudomorphosen, Verwitterungsbildungen und Aspekten der Kristallsymmetrie. Ergänzt wird die Sammlung durch Vitrinen mit Schmuck-/Edelsteinen, Salzminerale sowie Meteoriten, Tektiten und Impaktgesteinen.
Äußerst informativ und lehrreich.

Hier einige Impressionen aus der Mineralogischen Sammlung - eine bunte, ganz subjektive Mischung mit einigen Klassikern:


Abb. 5:
Malachit pseudomorph nach Azurit
Tsumeb-Mine, Namibia
Bildbreite ca. 9 cm (!)

Abb. 6:
Gips-Nadeln als rezente Neubildung
Grube Rammelsberg, Goslar, Harz
Bildhöhe ca. 12 cm

Abb. 7:
Schlangengips (und Alabaster)
Walkenried, Südharz, Niedersachsen
Bildbreite ca. 35 cm

Abb. 8:
Dolomit-Rhomboeder
Tsumeb, Namibia
Bildbreite ca. 30 cm

Abb. 9:
Ankerit auf Quarz auf Zinkblende
Freiberg, Sachsen
(Anm.: Ein Stück aus der Grube Beihilfe, Halsbrücke ?)
Bildhöhe ca. 16 cm

Abb. 10:
Hämatit als roter Glaskopf
Knollengrube bei Bad Lauterberg, Harz
Bildbreite: ca. 15 cm

Abb. 11:
Arsen, ged. ("Scherbenkobalt")
Sankt Andreasberg, Harz
Bildbreite ca. 12 cm

Abb. 12:
Relativ große "Pyritsonne" mit Anlauffärbung
Sparta, Randolph Co., Illinois, USA
Bildbreite ca. 17 cm

Abb. 13:
Rammelsbergit und Chloanthit
Schwarzwassertal, Erzgebirge
Bildbreite ca. 7 cm

Abb. 14:
Partzit (olivgrüne Partien) in Baryt
Steinbruch Winterberg, Bad Grund
Bildbreite ca. 10 cm

Abb. 15:
Amethystkristalle auf einem abgebrochenen Morionkristall
Madison Co., Montana
Bildbreite ca. 12 cm

Abb. 16:
Pyrolusit-Nadeln auf Goethit
Grube Eisenkaute bei Bad Marienberg, Westerwald
Bildbreite ca. 12 cm

Abb. 17:
Rhodochrosit
Grube Luise, Horhausen, Westerwald
Bildbreite ca. 8 cm

Abb. 18:
Calcit-Skaleonoder
Lancashire, Großbritannien
Bildbreite ca. 14 cm

Abb. 19:
Aurichalcit, Rosasit
Esfehan, Iran
Bildbreite ca. 12 cm

Abb. 20:
Eingewachsene Boracit-Kristalle
Lüneburg, Nds.
Bildbreite ca. 12 cm

Abb. 21:
Coelestin-Kristalle
Grube Wolkenhügel, Bad Lauterberg, Harz
Bildbreite ca. 20 cm

Abb. 22:
Cyanotrichit
[Vermutlich Grube Glückrad] Oberschulenberg, Harz
Bildbreite ca. 6 cm

Abb. 23:
Lose Kristalle des seltenen Phosphates Struvit
[St. Nikolaikirche], Hamburg
Bildbreite ca. 5 cm

Abb. 24:
Autunit
Von der Typloklität Autun, Frankreich
Bildbreite ca. 10 cm

Man möge die Qualität der Bilder verzeihen. Sie wurden mit einer betagten 4-Megapixel-Kamera im Nahmodus mit Zeitauslöser auf Stativ ohne jegliche Zusatzbeleuchtung durch die spiegelnden Gläser der Vitrinen und ohne Polfilter aufgenommen. Ich hatte schlimmere Ergebnisse erwartet, denn die Spiegelungen waren extrem. Einige davon habe ich grafisch nachbearbeitet und störende Kanten entfernt. Auch die Farben waren gut abgeglichen. Die Beleuchtung von Raum und Vitrinen ist anscheinend sehr "farbneutral", der Himmel war draußen zum Glück bedeckt. Ich hoffe, Sie gefallen trotzdem.

Die systematische Tiefe, wie ich sie im Naturkundemuseum in Berlin kennengelernt habe, findet man hier nicht. Manche Mikromineralstufe in einer Lupendose (z.B. Abb. 22) wirken als Alibi und Lückenfüller. Etliche Stufen waren Spenden. Die Angaben "A.Wilke" und "Nachlass Correns", zwei Namen, die Sammler eigentlich kennen sollten, traten öfters auf.
Einige Klassiker, die man dort (auch) erwartet hätte, suchte man vergebens. Manche Stufe von Harzer Fundstellen hätte man sich eher im Nebenraum gewünscht.
Trotzdem, eine sehenswerte Sammlung. Mit diesem kleinen Fazit verlasse ich diesen Teil der Geosammlung und gehe zurück in den Raum mit der Mineralogischen Harzsammlung (1.2). Meinen Eindrücken hiervon ist der 2. Teil gewidmet.



*) Quelle: Flyer "Geosammlung. Technische Universität Clausthal".






Kommentare:

  1. Hallo,

    die Freiberger Quarzstufe stammt von der Grube Gesegnete Bergmannshoffnung náhe Obergruna.

    Besten Gruß

    AntwortenLöschen
  2. Wer es noch genauer will.....vom 3 Brüder Morgengang der Grube Gesegnete Bergmanns Hoffung.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Besten Dank für die weitere Konkretisierung. Vielleicht lesen Verantwortliche der Geosammlung diese Hinweise und ändern das Schild an der Stufe entsprechend ab.

      Löschen

Guten Tag.
Ich freue mich über jeden Kommentar, sei es Lob, Kritik und Ergänzungen direkt zum behandelten Thema (Post). Nur zu!

+++++ Für Sonstiges, wie z.B. "Wo ist mein Kommentar geblieben?" oder andere allgemeine Dinge, die nicht zum eigentlichen Thema gehören, benutzen Sie bitte ausschließlich die o.g. EMail-Adresse. +++++

Micromounter