Donnerstag, 12. Dezember 2013

Mineralogisches Museum Hamburg (1)



Etwas abseits des emsigen Treibens im Hamburger Hafen und an der Alster versteckt sich in Nähe des markanten Fernsehturms ein in vielen Hinsichten außergewöhnliches mineralogisches Museum, dessen Besuch ich den Lesern sehr empfehlen kann. So viel schon vorweg.

Leider ist diese Fotoreportage nicht mehr rechtzeitig zur »mineralien hamburg 2013«, die vor wenigen Tagen stattfand, fertig geworden, bietet doch dieses Museum eine perfekte Ergänzung zur (angeblich) viertgrößten Mineralienbörse weltweit. Frustrierte Börsenbesucher, die – sieht man von den lohnenden Sonderschauen einmal ab – in den vier Messehallen zwischen ´zig Tonnen an Schmuck, Edelsteinen sowie handgemachten „Fossilien“ im Nachgang der Münchener Börse (wieder einmal) nur wenig Neues und Erquickliches in Sachen Mineralien erblicken konnten, sollten im »Mineralogischen Museum Hamburg« ihre Laune spürbar aufbessern können. Dieses ist nicht weit von den Messehallen entfernt. Nun, dann in 2014 …

Aber auch unabhängig von dieser Massenveranstaltung sollte man diesem feinen Museum seine Aufwartung machen. Etwas hinderlich können sich die sehr eingeschränkten Öffnungszeiten erweisen; diese sind:

Mittwoch 10:00 – 18:00 Uhr | Sonntag 10:00 – 17:00 Uhr | an Feiertagen geschlossen


Bild 1:
Immer in Sichtweite - der Heinrich-Hertz-Turm
im Stadtteil St. Pauli, 272 m hoch
Bild 2:
Eingang zur Schausammlung

Wenn ich oben „versteckt“ schreibe, dann ist dieses wörtlich zu nehmen. Nur allzu schnell ist man am Eingang vorbeigefahren, die Beschriftung an der zurückgesetzten Hauswand springt nicht sofort ins Auge (besonders wenn man stadtauswärts fährt) und die Hausnummerierung scheint eigenen Regeln zu folgen. Als kleine Orientierung kann eine „Grünflächenlücke“ dienen, die sich plötzlich in der Bebauung auftut. Der Museumseingang selbst ist von der Straße nicht einsehbar.
Die Parkplatzsituation ist durch die unmittelbare Nähe zur Universität und durch die dichte Wohnhausbebauung an beiden Besuchstagen „angespannt“ … nun, in welcher Großstadt nicht?


Bild 3:
Detail aus einer Landschafts-Sandstein-Platte im Atrium. Diese 
landschaftsähnlichen Strukturen im Sandstein sind durch Auflösung 
und Wiederausfällung von Eisenverbindungen in Porenräumen 
entstanden.
FO: Kanab, Utah, U.S.A. | Bildbreite ca. 50 cm

Die wissenschaftlichen Sammlungen des Mineralogischen Museum gehören nach Online-Angaben zu den größten mineralogischen Sammlungen in Deutschland, deren Anfänge bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen. Durch sukzessive Übernahmen diverser bedeutender Privat- und Vereinssammlungen bis Ende des 20. Jahrhunderts schraubte man die Gesamtzahl der mineralogischen Sammlungsobjekte auf ca. 80.000 Proben hoch. Hierbei überwiegen die Mineralien. Mehr als die Hälfte aller bekannten Mineralspezies sind in unterschiedlichen Ausbildungsformen und Varietäten von einer Vielzahl unterschiedlichster Fundorte weltweit vertreten.
Für Ausbildungszwecke ist eine rund 1.300 Stück umfassende Sammlung von formatierten Handstücken der wichtigsten Gesteinstypen vorhanden. Weiterhin besitzt das Museum Erzproben vieler Lagerstätten.
Als Spezialität muss die Spezialsammlung von Edel- und Schmucksteinen, ihren Imitationen und Synthesen sowie eine bedeutende Meteoriten-Sammlung mit knapp 1000 außerirdischen Proben (von 713 verschiedene Meteoritenfunden und –fällen) genannt werden.
Die Konzentrationen auf bestimmte Regionen der Erde haben zu bedeutenden regionalen Sammlungen geführt. Das Mineralogische Museum ist im Besitz eines bedeutenden Archivs chilenischer Minerale und einer großen Sammlung von Pegmatitmineralen aus dem polnischen Strzegom (ehem. Striegau). Weitere Schwerpunkte liegen in Namibia, Südafrika und in deutschen Fundorten.


Bild 4:
Museumsatrium mit Empore


Bild 5:
Im Hintergrund einige der auffälligen Schaufenstervitrinen


Bild 6:
Meteoriten (links) und Achate (rechts)


Bild 7:
Nicht minder interessant: Der Nebenraum

Vom Sammlungsbestand des Mineralogischen Museums kann verständlicherweise nur ein kleiner Teil öffentlich gezeigt werden. Kernstück der imposanten Schausammlung sind über 1500 ausgewählte Mineralienstufen in „recht farbenfrohen“ Schaufenstervitrinen im Erdgeschoss.
Neben einigen Vitrinen mit Sonderthemen sind die Schaustufen nach der Strunz’schen Systematik sortiert.
Im Erdgeschoss des Museumbaues, den man nach Baustil und Inneneinrichtung schnell in die Zeit zwischen 1956 und 1964 einstufen kann, wird darüber hinaus eine feine Auswahl von Meteoritengezeigt. Als echter Hingucker erweist sich der 424 kg schwere Eisenmeteorit aus Namibia; er soll der größte in Deutschland ausgestellte Meteorit sein. Daneben erwarten den Besucher etliche Objekte zum Thema Achate, fossile Hölzer, Rohstoffe und Lumineszenz von Mineralen.
In einem vom zentralen Atrium des Hauses abgehenden Nebenraum findet man eine Auswahl von (lokalen) Gesteinen nordischer Geschiebe. Gesteine der Kontinente und vom Meeresgrund helfen, den Aufbau der Erde zu verstehen. Freunde der Minerale werden sich besonders an den Exponaten aus der Lagerstätte Ramsbeck (Sauerland) sowie an den Stufen aus bekannten norwegischen Pegmatit-Vorkommen erfreuen.


Bild 8:
Geschnittene Scheibe des Meteorblocks Canyon Diablo aus Nickeleisen
(mit 7-8% Ni)mit Einschlüssen aus Troilit und Schreibersit 
Fund 1891, Barringer-Krater, Arizona (U.S.A.)
Bildbreite ca. 40 cm




Bild 9-11:
Einige Achate aus der Schausammlung

Bild 12:
„Filigranachat“ aus Tennessee, U.S.A.

Im Obergeschoss findet man die Exponate zur Sammlung der Edel- und Schmucksteine. Imitationen und Synthesen werden genauso thematisiert wie die Behandlungen und Manipulationen zu deren Qualitätsverbesserung.
Auf der gegenüberliegenden Seite der Empore erwarten den Besucher eine Reihe freistehender Vollglasvitrinen mit Stufen von weltberühmten Mineralvorkommen. Das Sammlerherz erfreut sich beim Anblick exquisiter Exponate von der Tsumeb Mine und aus dem Erongo-Gebirge in Namibia. Seltene und schöne Minerale der Kalahari Manganerzlagerstätten in Südafrika sowie eine Auswahl von MSH-Material aus Kanada stehen dem kaum nach. Weitere Schauvitrinen informieren über aktuelle Forschungsarbeiten und mineralogische Erstbeschreibungen am Institut der Universität. Pultvitrinen zu einem Sonderthema (bei meinem Besuch waren dieses „Kupfer, Kupfererze und Kupferminerale“) ergänzen und komplettieren die Schausammlung, die sich auf einer Fläche von ca. 500 m² präsentiert.


Bild 13:
Obergeschoss mit Ausstellungsteil Edel- und Schmucksteine 
(im Hintergrund) sowie den Pultvitrinen der Sonderausstellung

Bild 14:
Obergeschoss. Blick zurück mit Ausstellungsteil Tsumeb, Erongo, 
Kalahari und Mount St. Hillaire

Bild 15:
Blickfang im Atrium – „Groß“artiges


In den Teilen (2) bis (7) möchte ich mich den einzelnen Räumen und Themen widmen sowie ausgewählte Schaustücke fotografisch vorstellen – als Fotostrecke ohne viel großes Blabla. Wer sich überraschen lassen möchte, sollte vielleicht direkt zu Teil (8) gehen; dort gibt es noch ein paar zusätzliche Informationen, Bemerkungen und Kritiken.

Struktur:
Teil (2) – Nebenraum mit Geschiebe, Ramsbeck und Pegmatitminerale : Direktlink
Teil (3) – Erdgeschoss Sondervitrinen : Direktlink
Teil (4) – Erdgeschoss Schauvitrinen Elemente bis Phosphate : Direktlink
Teil (5) – Erdgeschoss Schauvitrinen Borate bis Silikate : Direktlink
Teil (6) – Obergeschoss Tsumbed, Erongo : Direktlink
Teil (7) – Obergeschoss Kalahari-Manganerzfeld und Sonstige : Direktlink
Teil (8) – Zusammenfassung und Bewertung : Direktlink

Das Fotografieren der Exponate hinter den Glasscheiben erwies sich wieder einmal als sehr schwierig. Ein Großteil der Aufnahmen wurde mit einer Uralt-Kompakt-Digitalkamera mit (heute) lächerlichen 4 Megapixeln mit Langzeitbelichtung im Makromodus erstellt, um Blitzreflektionen am Glas zu vermeiden und die Exponate möglichst bildfüllend darzustellen. Ich bitte schon jetzt um Nachsicht, dass die Qualität der Bilder nicht optimal ist, hoffe aber, dass Sie sich nach Anblick der Fotoreihen für einen persönlichen Besuch im Mineralien Museum Hamburg entscheiden mögen.

Viel Spaß.


Weiter mit Teil (2): hier



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