Sonntag, 1. Dezember 2013

MM-Präparation 14. Reinigung (3)



Der Weg von der im Gelände gefundenen Gesteinsprobe mit Mikromineralien bis zum fertigen Micromount ist manchmal lang und mühsam. Begleiten Sie mich auf dem Weg dorthin.


Herbst- und Winterzeit = Erkältungszeit. Gerne greift man zur Nasensprayflasche vom Arzt oder Apotheker, um die Schleimhäute im verstopften oder triefenden Riechorgan zum Abschwellen zu bringen. Die leeren Pumpsprayflaschen sollten Sie nicht einfach entsorgen, sondern zur Reinigung von Mikromineralstufen einsetzen, wenn sie schon einmal da sind. (Eine weitere bekloppte Idee aus dem Hause Micromounter)


Gegenstand:
Dosierspray-Behälter, 15 ml (Nasenspray)

Einsatzbereich:
Reinigung von kleinen Mikromineralstufen, wo übliche Sprüheinrichtungen zu groß oder zu energiereich sind, oder sich das Eintauchen in die Reinigungsflüssigkeit (oder ein Schwenken darin) verbietet oder keinen Erfolg zeigt. Bevorzugt für empfindliche, nadelige und sonst zerbrechliche Minerale bzw. Kristalle.
Kleinflächige, sanfte Benetzung von Gesteinsproben mit Chemikalien aller Art.

Grundanforderungen:
1. Wiederfüll- und verschließbar.  
Oberteil (Sprühkopf ) und Unterteil (Behälter) müssen lösbar miteinander verbunden sein. Das ist bei manchen Herstellern nicht der Fall; deren vollverschweißten Einweg-Plastikfläschchen sind für unsere Zwecke nicht zu gebrauchen. Sehr gut geeignet sind Klarglasbehälter mit Kunststoff-Spraykopf.
2. Feinster Düsenstrahl.
Für alle Anwendungsfälle gilt: Der erzeugte Flüssigkeitsnebel sollte ziemlich homogen, d.h. die Tröpfchengröße möglichst einheitlich sein. Manche Pumpsprayköpfe liefern ein krudes Gemisch aus zartestem Schleiernebel und einem kontinuierlichem harten Flüssigkeitsstrahl. Solche Düsen sollten wir nicht einsetzen, da der harte Strahl ausreichen kann, um kleine Kristalle abbrechen zu lassen.



Ein ausgewogenes Sprühbild bietet „Nasivin®“ und das Zeug von „ratiopharm®“
bei der Reinigung mit Wasser und Chemikalien


Anwendung:
In Abhängigkeit von Tröpfchengröße und erzielter Austrittsgeschwindigkeit - also der Güte der erfolgten Zerstäubung -  ergeben sich unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten:

Bei der mechanischen Reinigung mit Wasser sollte der durch das Pumpen erzeugte Sprühstrahl nicht zu hart (=gerichtet, geringer Öffnungswinkel des Sprühkegels), aber auch nicht zu fein (=ungerichtet, großer Öffnungswinkel des Sprühkegels) sein. Ein bisschen „Power“ muss schon dahinterstecken, um feine Schmutzpartikel von der Stufe oder den Kristallen wegspülen zu können. Ein feiner Nebel führt zwar zur Benetzung der Probe aber nicht unbedingt zum Ablösen der Schmutzpartikel.
Dieser kommt uns beim Einsatz von verdünnten Säuren und Laugen sowie organischen Lösungsmittel (sofern diese nicht den Kunststoff der Düse angreifen!) gut gelegen. Hierbei benötigen wird keine größere Aufprallenergie der Tröpfchen auf die zu reinigende Oberfläche. Reine Feinst-Zerstäuber, die einen weichen Nebel erzeugen, sorgen für eine vollflächige Benetzung der Oberflächen bei geringstem Chemikalieneinsatz.

Zunächst reinigen wir den Flaschenkörper und den abgeschraubten Pumpsprühkopf gründlich mit Leitungswasser. Das alte Etikett sollte entfernt und die Flasche mit einer neuen, eindeutigen Beschriftung versehen werden. So wissen Sie einerseits, was später eingefüllt wird/ist, und andererseits kommen Dritte nicht in die Gefahr einer Verwechslung (und sich z.B. Salzsäure in die Nase zu sprühen). Am sichersten ist es natürlich, die Fläschchen vor dem Zugriff Dritter zu schützen.
Nach Testen des Zerstäubungsbildes und der Güte der Düse können Sie den späteren Einsatzbereich festlegen (hart/weich – spülen/benetzen). Sollte mit Wasser gereinigt werden, so empfehle ich die Verwendung von destillierten, besser noch: demineralisiertem Wasser.

Zweckmäßig ist es, die zu reinigende Stufe zwischen Daumen und Zeigefinger der einen Hand zu nehmen und mit der anderen Hand gezielte Pumpstöße am Fläschchen auszuführen. Durch Variation des Abstandes zwischen Düse und Kristall können Sie „einstellen“, mit welcher Energie die Reinigungsflüssigkeits-Tröpfchen auftreffen. Bei geringem Abstand ist sie - nachvollziehbarerweise  - am höchsten, gleichzeitig steigt die Gefahr der Beschädigung oder Zerstörung der Stufe. Eine weitere Möglichkeit, auf den Sprühnebel  Einfluss zu nehmen, ist die Geschwindigkeit, mit der man den Pumpmechanismus betätigt. Nach meinen Erfahrungen führt ein zu langsames Drücken des Dosierkopfes zu einem „Heraussabbern“ mit zu hohem „Strahlanteil“ zu Ungunsten des feinen Nebels. Da ist ein wenig Übung und Fingerspitzengefühl gefragt, einen guten Kompromiss zu finden. Ist Ihnen die feste Sprühmenge (Dosierung) je Hub zu hoch, so drücken Sie nicht ganz bis zum Anschlag durch.

Filigrane Agardit-Kristalle (z.B. aus der Grube Clara), kleine Silberbäumchen, feinnadelige Malachit-, Kakoxen- und Weinschenkit-Kügelchen usw. überstehen diese Prozedur i.d.R. schadlos.

Das Benetzen durch andere Chemikalien erfolgt äußerst kleinflächig. Nach einiger Übung werden Sie es schaffen, fein selektiv zu reinigen und Bereiche auszusparen. Das ist vor allem sinnvoll, wenn Sie z.B. nur kleine Partien absäuern wollen.

Alternativen:
Für den Zweck der Benetzung: ausrangierte Parfumflakons mit Zerstäuber; diese gibt es öfters billig vom Flohmarkt (aus Omas Zeiten mit angebauter Pumpblase) oder gleich ganz umsonst, wenn Sie in Drogeriemärkten nach leeren Probefläschen (mit Zerstäuber!) fragen, die im Regal zwischen den unzähligen Parfum-Packungen stehen bzw. kleben. Zum Wegspülen von Schmutzpartikeln eignen sich diese nur selten.

Kosten:
0 bis max. 50 Cent

Vorteile:
Abfallprodukt
geringe Kosten
ausgewogenes, feines Sprühbild
sanfte, stufenschonende Reinigungs“kraft“

Nachteile:
Nicht bekannt



wird fortgesetzt


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