Dienstag, 28. August 2012

MM-Präparation 6: Formatierung (2)



Der Weg von der im Gelände gefundenen Gesteinsprobe mit Mikromineralien bis zum fertigen Micromount ist manchmal lang und mühsam. Begleiten Sie mich auf dem Weg dorthin.

(Fortsetzung)


Formatieren ist ein wesentlicher Arbeitsschritt beim Micromounting. Wenn Sie nicht Ihr gutes Sammlermaterial ruinieren wollen, müssen Sie sorgfältig und bedacht vorgehen. Die Wahl der richtigen Werkzeuge ist dabei sehr wichtig. Manchmal ist es auch sinnvoll, sich besonders wertvolle Stücke für „später“ zurückzulegen – wenn man mehr Geschick und Erfahrungangesammelt hat. Letztere steigt proportional mit der Anzahl der ruinierten Stücke, sagt ein amerikanischer Sammlerkollege. Es gilt, diese zu minimieren.


Heikles Material zum Formatieren:
Churchit-(Y) | Y[PO4]•2H2O | früher: „Weinschenkit“| auf Limonit/Goethit
Grube Leonie, Auerbach, Oberpfalz, Bayern
Bildbreite: 3,4 mm | Foto & Samml. Micromounter

             Vor der Formatierung sollte man sich von der Lage und dem Zustand der heraus zu präparierenden Kristalle informieren. Eine weitere Sichtung unter dem Stereomikroskop zeigt uns, wo sich die Kristallgruppen und Klüfte auf der Probe befinden und ob sich bereits Risse im Gestein zeigen. Unter Umständen ist es sinnvoll, die Partien durch kleine Klebefeile zu markieren (sofern nicht schon beim Sortieren geschehen)
Sollte die Stufe sichtbare Risse aufweisen, die die Kristallgruppe nicht tangieren, sollte man die Stufe auf eine geeignete Unterlage legen und die Risse klassisch mit Hammer und Meißel aufweiten, um bereits am Anfang der Formatierung  überschüssiges Material leicht zu entfernen. 


Schutzmaßnahmen – Man kann es auch übertreiben

Nach Quintin Wights Standardwerk „The Complete Book of Micromounting“ sehen besonders amerikanische Micromounter hier (und überhaupt) manchmal spezielle Maßnahmen zum Schutz der freien Kristalle und offenen Klüfte gegen Erschütterung und Beschädigung bei der schlagenden Bearbeitung vor. Allerdings ist mir nicht bekannt, dass Sammler in Europa vor der Formatierung
  • Klüfte mit Gelantine oder Gummitragant-Lösung ausgießen, um sie nach der Formatierung mit heißem Wasser auszuwaschen; 
  • Klüfte mit flüssigem Wachs füllen, das am Ende mit kochendem Wasser entfernt wird, und 
  • freie Kristalle mit Rasierschaum/-gel bedecken.
 Diese Methoden muten uns beileibe fremd und überzogen an. Besonders die „Schutzmaßnahme“ Wachsfüllung hat ihre Tücken, da sich hinterher immer noch ein dünner Wachsfilm auf den Kristallen befindet, der den Glanz signifikant beeinflusst und nur durch den Einsatz (meist giftiger) organischer Säuren rückstandsfrei entfernen lässt.
Bei haarförmigen und wasserlöslichen Mineralen haben diese Techniken ihre Grenzen. Wight’s Antwort bei diesen Stufen: Am besten ein „kleines Stoßgebet“ vor dem Hammerschlag ausbringen …
Denken Sie sich Ihren Teil (und kommentieren ihn unten!). Ich halte mich zu den „Auswüchsen“ im Mutterland des Micromounting zunächst zurück.

Ein Abdecken der empfindlichen Zonen durch weichen Zellstoff (Taschentuch- oder Toilettenpapierfetzen), der mit Klebeband fixiert wird, hat sich als erprobte, nicht übertriebene Methode zum Schutz empfindlich freiliegender Kristalle beim Formatieren erwiesen.



Probate Mittel zur Formatierung der Stüfchen (1: leichter, scharfer
Flachmeißel;2: Fliesenhammer; 3: stabile Unterlage (hier eine
runde Stahlplatte);
4: Steinknacke; 5: Multifunktionsgerät mit
Schleifkopf)

 Zum endgültigen Formatieren stehen dem Mikromineral-Liebhaber einige brauchbare Hilfsmittel zur Verfügung. Im Wesentlichen sind diese:

Hammer und Meißel
Knacke (Trimmer, Steinquetsche)
Zange
Säge
Schleifeinrichtungen


Hammer und Meißel und die Suche nach der passenden Unterlage

Der Griff zu Hammer und Meißel sollte wohl überlegt sein, denn die Gefahr einer Beschädigung bzw. Zerstörung der Stufe durch die eingebrachte Schlagenergie ist relativ hoch.

Eine geeignete Unterlage für die Formatierung mit Hammer und Meißel ist die, die einerseits dem Schlag ausreichenden Widerstand entgegensetzt und andererseits die Gesteinsprobe nicht mit dem Hammerschlag durch die Szenerie fliegen lässt.
             Als Unterlage ungeeignet hat sich Erdboden erwiesen. Wenn er zu weich ist, prügeln Sie die Gesteinsprobe mit jedem Hammerschlag tiefer in die Erde, ohne einen nennenswerten Gesteinsabschlag zu erreichen. Auch das Formatieren auf der harten Grassode ist nicht vorteilhaft, da die Schlagenergie größtenteils absorbiert wird und sich hinterher auf der Stufe hässliche, kaum mehr zu entfernende Grasflecken zeigen. Lose Sand- und Kiesbette zeigen ähnliche Eigenschaften.
             Als probate Unterlagen können z.B. dicke Baumstammscheiben (Hartholz) oder dicke Telefonbücher dienlich sein. Wohl dem, der in einer Großstadt wohnt. Führen Sie mit der einen Hand den Hammer, mit der anderen halten Sie den Meißel, ohne das Gesteinsstück zu berühren.
             Auch zähe Stahlplatten, Ambosse oder Eisenbahnschienenstücke haben sich als hilfreich erwiesen. Die Gefahr eines Eisenabschlages ist hier sehr gering. In diesem Zusammenhang mein Hinweis, als Hammer eines Gesteinshammer (z.B. Geologenhammer) zu benutzen. Der Hammer für Zimmerleute und Dachdecken ist zu weich; Metallsplitter könnten sich lösen.
Die Gesteinsprobe muss hier fixiert werden: Es gehört ein bisschen Übung dazu, mit der einen Hand die Stufe und gleichzeitig den Meißel (in der Faust) zu halten, und zwar so, dass sich die Schneide am gewünschten Ort befindet und die Unterseite der Faust die Stufe auf die Unterlage drückt, damit der Stein nicht durch die Umgebung fliegt. Mit der  anderen Hand wird der Hammer geführt. Leichte und geschärfte Flachmeißel haben sich als vorteilhaft erwiesen. Am Rande: auch in Zeiten hoher Stahlpreise lohnt der Gang zur Schrottkiste eines benachbarten Schlossereibetriebes, wo Sie noch günstig eine gute Unterlage bekommen können.
             Egal für welche Unterlage zum Formatieren Sie sich letztendlich entscheiden: Sorgen Sie für einen Schutz unter der Unterlage, sei es auch nur als Geräuschdämpfung. Empfindliche Keramikfliesen oder Glastische und der Nachbar von Nebenan danken es Ihnen.

Manche – auch Fossiliensammler – schwören noch auf den alten Sand- oder Reissack, damit das Gesteinsstück annähernd hohlraumfrei fixiert wird und man beide Hände zum Formatierungsschlag einsetzen kann. Ich kann mich damit nicht anfreunden. 


Detail Fliesenhammerkopf mit Hartmetall-Einsatz

Besonders beim Formatieren kleiner oder eher „weicher“ Gesteinsproben kommen bei mir Fliesenhämmer zum Einsatz - besonders dann, wenn der Einsatz meiner Präzisionsknacke (s. unt.) nicht unbedingt erforderlich ist. Die Fliesenhammerköpfe wiegen meist 50 g, der komplette Hammer selten mehr als 80 g. Damit lässt sich kaum für den richtigen Durchzug sorgen. (Deshalb wird man dieses Werkzeug selten beim Schaustufensammler antreffen). Bei weichem oder körnigem Gestein reicht die Schlagkraft, die man sehr fein „dosieren“ kann, aber aus. Ist der Hammerstiel sehr elastisch und hat rückfedernde Eigenschafen, lassen sich sehr wirkungsvoll und vor allem schonend überflüssige Matrix entfernen oder gezielt lokal begrenzte Kristallgruppen separieren.
             Ich benutze ausschließlich Fliesenhämmer mit flacher Schneide, in die ein besonders schlagzähes Hartmetallstück eingesetzt ist (s. Abb.). Zum einen ist der eigentliche Hammerkopf i.d.R. auf Dauer zu weich – auch wenn Cr-V-Stahl, gehärtet und angelassen draufsteht -, zum anderen kann man mit runden Spitzen kaum einen Bruch an der gewünschten Linie im Gestein erreichen.
Einige der Hämmer habe ich zerlegt; ich benutze nur den Kopf zum Formatieren – quasi als kleinen, leichten Meißel mit hohen Standzeiten mit einer Schneidenbreite von 6 bis 8 mm. Nicht repräsentativ, aber es soll nicht unerwähnt bleiben, dass ich meine Hämmer in einem „Outlet-Baumarkt“ zum Stückpreis von 1,35 Euro gekauft habe. Da greift man beherzt zu und legt sich einen (sehr) großen Vorrat an. Normalerweis kostet dieses kleine, feine Werkzeug für Mikromineralsammler das Zehnfache. Vielleicht ergibt sich bei Ihnen eine ähnliche Möglichkeit zum kostengünstigen Erwerb.

Hammer und Meißel bieten sich vor allem dann an, wenn man über keine Knacke verfügen kann oder das Gestein/die Stufe durch eine Knacke Schaden nimmt. Dies ist insbesondere bei sehr porösem oder weichem Gestein der Fall. Die Knacke „knackt“ dann nicht, sie (zer)quetscht.

BEIM FORMATIEREN SCHUTZBRILLE TRAGEN!


(wird fortgesetzt)




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