Samstag, 4. Februar 2012

MM-Präparation 3: Sortieren



Der Weg von der im Gelände gefundenen Gesteinsprobe mit Mikromineralien bis zum fertigen Micromount ist manchmal lang und mühsam. Begleiten Sie mich auf dem Weg dorthin.

(Fortsetzung)

Das erste grobe Sichten des Rohmaterials und die etwaige Markierung wichtiger Stellen auf den Proben mit kleinen Klebepfeilen (vgl. hier) sind eng mit dem 1. Sortierdurchlauf verknüpft.  Angesichts der im Vergleich zum Normal- und Handstufensammler möglichen, immensen Probenanzahl, durch die sich normalerweise ein Mikromineralsammler, der zu dem viel Material "auf Verdacht" nach Hause schleppt, "durchwühlen" muss, ist eine rationelle und zeitsparende Arbeitsweise fast zwingend notwendig, will man nicht früher oder später im Material ersticken. Sichten und Sortieren sollten deshalb gleichzeitig stattfinden. Es macht also wenig Sinn, die gerade gesichteten und bereits wieder abgelegten Stücke nochmals zum Sortieren in die Hand zu nehmen.

Sortieren  (alle Durchläufe)
Selten liegt das Rohmaterial so vor, dass man es gleich ohne weitere Behandlung in die Sammeldose kleben oder kitten kann. Manche Stücke haben bereits die optimale Größe und brauchen nur noch gereinigt werden, manche müssen stark getrimmt werden, benötigen aber eine chemische Behandlung, bei manchen Stücken ist rein gar nichts Sammelwürdiges zu entdecken; sie sollten ggf. weiter zerkleinert werden. Bei jeder Gesteinsprobe ergibt sich u.U. eine unterschiedliche Behandlungsprozedur bis zur fertig montierten Stufe. Als "Prozedur"(hier gleichgesetzt mit "Verfahren", oder - für unsere mathematisch-orientierten Sammler – mit "Algorithmus") verstehe ich hier eine festgelegte Abfolge von einzelnen, in sich abgeschlossenen Verfahrens- bzw. Behandlungsschritten, nennen wir sie "Grundoperationen". Beispiele hierfür: "Zerkleinern", "Reinigen" und "Absäuern".
 
Das primäre Ziel des Sortierens ist es, möglichst viele Gesteinsstücke zeitweilig für eine identische, sich anschließende Grundoperation zusammenzufassen, damit die Aufgabe, Fundstücke in die Sammlung zu integrieren (oder für den Handel bereitzustellen), möglichst effektiv erfüllt wird. Die Angleichung des von Gesteinsprobe zu Gesteinsprobe differierenden Bearbeitungslevels innerhalb einer einheitlichen Behandlungsprozedur ist ein weiteres Ziel. In die Praxis umgesetzt: Jeder einzelne Stein (aus dem Haufwerk) wird nicht nacheinander gesichtet, zerteilt, erneut gesichtet (und ggf. sortiert), gereinigt usw., sondern möglichst viele Steine werden gemeinsam gesichtet, zerteilt, gereinigt usw. Ihre Socken waschen, trocknen, stopfen usw. Sie ja auch nicht einzeln nacheinander,  sondern erst, wenn sich eine ausreichende Anzahl für eine gewisse Behandlung angesammelt hat.
Auch wenn die Sortierarbeit für die folgenden Grundoperationen viel Zeit in Anspruch nimmt, so ist der Gesamtaufwand für eine Gesteinsmenge immer noch geringer als der Aufwand bei einer Einzelbehandlung für jeden Stein vom "Rohling" bis zur fertigen Stufe.

Das sekundäre Ziel des Sortierens ist die Reduzierung der Probenanzahl. Sammelwertes Material wird vom Abfall getrennt. Bei einer überschaubaren Gesteinsmenge von einem Aufschluss bietet sich beim ersten Sortierdurchlauf auch gleich eine Klassifizierung der übriggebliebenen Proben an.


Auch auf (und bei) Mineralien-Börsen muss sortiert,
die "Spreu vom Weizen getrennt" werden.


Nach soviel Theorie nun ein paar praktische Vorschläge zum Sortieren, dass man auch als eigenständige Grundoperation innerhalb der Behandlungsprozedur verstehen kann:

Um auch das Sortieren effektiv zu gestalten, sollten die Geräte auf dem Arbeitsplatz zweckmäßig angeordnet sein: In der Mitte vor uns steht das Binokular. Je nach Bauart Ihres Binokulars empfiehlt sich ein mechanischer Schutz des Triebes gegen das Eindringen von Gesteinskrümel, die beim Wenden der Proben massenhaft herabfallen. Der Einsatz eines preisgünstigen Zweitgerätes (gebraucht, mit durchschnittlichen optischen Eigenschaften) nur für diese "Drecksarbeit" bietet sich hierbei an. Rechtshänder postieren Ihr vorbereitetes Material (in Sortierunterlage, wie Schale, Tablett, leere Pralinenschachtel usw.) oder das komplette Haufwerk rechts vom Binokular. Links davon befindet sich ein hohes Gefäß, das alle Gesteinsstücke aufnimmt, von denen Sie annehmen, dass sich unter der leeren oder uninteressanten Oberfläche noch einiges Interessantes verbergen könnte, und die ohne Rücksichtsmaßnahme zerteilt werden können. Genau darüber, ebenfalls links vom Mikroskop kommt ein hohes Gefäß für das absolut taube Material, dass nicht einmal zerkleinert werden muss (Ihre "persönliche Bergehalde"). Ist vorhersehbar, dass das taube Material überwiegt, so sollten die beiden Gefäße auf der linken Seite vertauscht werden. Oberhalb und halbrechts auf dem Arbeitsplatz befinden sich Sortierunterlagen in der benötigten Anzahl, auf die wir das brauchbare Material ablegen. Markierungspfeile liegen vorbereitet auf der rechten Seite.
Linkshänder richten ihren Arbeitsplatz spiegelbildlich ein.


Was für ein Aufwand für einen Schuhkarton voll Material, werden Sie denken? Sicherlich, für geringe Stückzahlen lohnt der Aufwand nicht. Entscheiden Sie selbst, ab welcher Anzahl Sie diesen Aufwand - beim 1. Sortierdurchlauf, wohlgemerkt - betreiben wollen. Aber, haben Sie schon an den 2., 3. und vielleicht 4. Sortierdurchlauf gedacht? Hier bekommen Sie erneut das Material unter die Lupe, dass Sie am Anfang als "weiter zu zerkleinernde Stücke" separiert und nun fein zerteilt haben, denn Sie sind ja Mikromineralsammler. Ehe Sie sich vergucken, können da plötzlich mehrere Tausend(!) Brösel vor Ihnen liegen, die nach Sichtung und Sortierung "schreien". Ein typischer Kandidat für solche extreme Mengenpotenzierung ist Material mit Sekundärmineralisationen von der Bergwerkshalde oder "Poröses" (z.B. aus der Eifel).


Ajoit von der "New Cornelia Mine", Pina County, Arizona, U.S.A.
Bildbreite: ca. 5,5 mm
Samml. & Foto: R. Santee, Bloomingdale, New Jersey, U.S.A. *)

Rechtshänder nehmen den Rohling mit der rechten Hand, führen ihn unter das Binokular und drehen ihn mit beiden Händen, um alle Seiten zu betrachten. Taubes und zu zerkleinerndes Material wird von der linken Hand aufgenommen und in das entsprechende Gefäß gelegt. Geübte fingern hier schon mit der rechten nach dem nächsten Stück. Ist der Rohling interessant, legen wir ihn mit der rechten Hand in eines am Kopf des Arbeitsplatzes postierten Gefäßes ab. So kommen wir nicht durcheinander.

Stellen Sie die Vergrößerung des Binokulars nicht zu hoch ein. Nach meiner Ansicht reicht hier 15- bis 20-fach völlig aus. Es geht schneller und ist augenschonender, wenn Sie die Pupille über ein größeres Sichtfeld bewegen als bei hoher Vergrößerung das Gesteinsstück mit der Hand im engen Sichtfeld nachzuführen. Haben Sie Bereiche entdeckt, die eine höhere Vergrößerung (40- bis 60-fach) erforderlich machen, so wechseln Sie nicht ständig die Vergrößerungen (bei Zoom-Mikroskopen) hin und her. Das kostet nicht nur viel Zeit, sondern belastet auch die Mechanik Ihres Gerätes. Legen Sie diese Kandidaten zunächst zur Seite und mustern sie am Ende des Sortierdurchlaufes gemeinsam bei nun angepasster Vergrößerung.
Auch wenn es nach Akkord und wenig nach Spaß klingt, beim 2. Sortierdurchlauf setze ich pro Minute 10 bis 12 Probestücke um, kleine Ruhepausen für die Augen alle 15 Minuten inklusive. Beim 1. Sortieren sollte man sich jedoch mehr Zeit nehmen.


Folgende, erste Sortiereinteilung hat sich als zweckmäßig erwiesen:

A
Taubes Material, offensichtlicher Abfall
--> sofortige Entsorgung
B
Material oberflächlich ohne sammelwerte Mineralisation, aber mit Potential
--> Zerkleinerung, Wieder-vorlage
C
Grob verschmutztes Material (sofern nicht zu B und D1 gehörig)
--> Reinigen mit Wasser, Wiedervorlage
D1
Material mit wasserlöslichen Mineralien
--> Formatierung
D2
Wasch-sensibles Material, z.B. haarförmige Minerale, die zum Verkleben neigen (Kakoxen, Amianth u.a.)
--> Formatierung
E1
Material für sofortige Säurebehandlung
--> Säurebehandlung
E2
Material für Säurebehandlung nach vorheriger Zerkleinerung
--> Zerkleinerung, anschl. nach E1 od. Säurebe-handl.
F
Unklare, Sonderfälle und alle anderen Problemkinder, die mehr Zeit benötigen

X
"Ihre Ausbeute"

X1
Material (1. Wahl)
--> Formatierung
X2
Material (2. Wahl, gute Doubletten),
--> Formatierung
X3
Material (2.-3.Wahl, zum Tauschen und Verschenken)
--> Formatierung

Anmerkungen:

E2 – Zur Schonung empfindlicher Kristalle sollten Stufen, die für eine Säurebehandlung vorgesehen sind (z.B. Wegätzen von Calcit in Klüften), im Vorfeld dieser formatiert werden.

F – Gehen Sie mit Muße und viel Zeit an die Spezialfälle heran. Am besten für lange Winterabende zurücklegen. Stark poröses Material, das zum Zerfall neigt, muss vor dem nächsten Behandlungsschritt stabilisiert werden. In diese Sparte gehören auch Funde, von denen Sie annehmen, dass es sich um verschlepptes Material handeln könnte und von einem anderen Aufschluss stammt. Beim ersten Zweifel sollten Sie es unverzüglich aussortieren und einer gesonderten Behandlung unterziehen.

X1,X2,X3 – Diese Feinunterteilung des übrig gebliebenen Materials - Ihre Essenz – ist beim 1. Sortierdurchlauf meist nicht sinnvoll und sollte dem letzten Sortierdurchlauf vorbehalten werden, da mit jedem Sichten/Sortieren weiteres Material aus den Fraktionen B bis F hinzukommt.

               

Zum Sortieren (und Sichten) benötigen Sie optische Hilfsmittel. Was Sie hierbei beachten sollten, schildere ich in Folge 4 dieser Reihe.

(wird fortgesetzt)




*) mit freundlicher Genehmigung







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