Montag, 18. November 2013

MM-Präparation 9: Formatierung (5)



Der Weg von der im Gelände gefundenen Gesteinsprobe mit Mikromineralien bis zum fertigen Micromount ist manchmal lang und mühsam. Begleiten Sie mich auf dem Weg dorthin.

(Fortsetzung)


Geschliffene Oberflächen haben stets etwas „Künstliches“. Beim Sammeln natürlicher Bildungen sollten wir den Einsatz von Schleif- und Sägewerkzeugen stets auf ein Minimum beschränken, sofern diese Oberflächen später sichtbar sind.

Beim Sammeln und Montieren von Mikromineralien sehe ich im Wesentlichen zwei Anwendungsfälle, in denen uns ein Schleifwerkzeug nützliche Dienste erweisen kann:

1. Beim Herauspräparieren eingewachsener Kristalle
2. Beim Modellieren der rückseitigen Klebe-/Montagefläche

Für diese Zwecke reicht ein „Multifunktionswerkzeugset“ oder „Elektro-Kombiwerkzeug, das auch in regelmäßigen Abständen bei den Lebensmittel-Discountern für ca. 20,-- Euro angeboten wird, aus. Das Set enthält u.a. auch kleine, unterschiedlich geformte Schleifkörper (Korund- und Diamantbesetzt) sowie – nützlich – eine biegsame Antriebswelle. Beigelegte kleine, runde Schleifpapierblätter inkl. Trägerscheibe sind ein ausgezeichnetes Hilfsmittel beim späteren Herstellen der Montagesockel. Ein Kauf lohnt nicht schon deshalb. Die Qualität vom Discounter reicht für unsere Zwecke völlig aus.

Synchisit.
Fundort: Steinbruch Lohninger, Rauris/Pinzgau, Österreich.
Bildbreite: 5,3 mm (Aufn. 1982 | Diapositiv-Scan)

Nur wenige Male in 35 Jahren habe ich Kristalle oder Kristallgruppen aus einer harten Matrix mit einem Schleifwerkzeug herauspräpariert. Meistens ließen sich die Objekte der Begierde chemisch oder durch leichtes Kratzen/Sticheln von Hand ausreichend freistellen. In derben Quarz eingewachsene Kristalle oder die “berühmten“ Granate aus dem Glimmerschiefer der Alpen sind z.B. Kandidaten, bei denen man den Einsatz der „Minifräse“ wenigstens prüfen sollte. Je nach Metamorphosierungsgrad des Gesteins lassen sich Granat und Schiefer nicht klar von einander trennen. Beschädigungen der Kristalle beim Sticheln sind vorprogrammiert. Auch viele Feldspäte haben die leidliche Eigenschaft, an- oder eingewachsene Begleitminerale entweder mit deren Beschädigung oder unter eigener Zerstörung „freizugeben“. Bruchlinien im Gestein durchziehen in der Regel Feldspat und Begleitmineral. Hier sind Schleifgeräte erste Wahl bei der Formatierung.

Der Spalt zwischen Mikromineralstufe und einem Montagesockel sollte möglichst klein gehalten werden: Die Klebehaftung ist höher, die Klebstoffmenge kann reduziert werden.
Mit Hilfe eines kleinen Schleifkopfes – zylindrische eigen sich besser als kegelförmige – wird die Ruckseite (die spätere Klebefläche) entsprechend der Kontur des Montagesockels geschliffen. Im Normalfall erfolgt der Schliff plan oder annähernd plan.
Auch zum Aufrauen glatteste Matrix (Quarz, manche vulkanische Schmelze, Hüttenschlacke) zur Erhöhung der Klebewirkung haben sich Schleifwerkzeuge als probates Mittel für den Mikromineralsammler erwiesen.

Apophyllit | Fundort: Poona, Indien
Bildbreite: ca. 3,3 mm
Samml. & Foto: R. Santee, Bloomingdale, New Jersey, U.S.A. *)


Das Schleifen sollte in zeitlichen Abständen erfolgen. Ist die Schleif“session“ zu lang, werden Sie ein unangenehmes taubes Gefühl, ein fieses Kribbeln in den Fingerspitzen spüren. Geben Sie Ihren glattgeschmirgelten Fingerkuppen und abgefrästen Fingernägeln ein bisschen Zeit zum Regenerieren ;-)
Das Festhalten der manchmal empfindlichen Gesteinsstücke ist nicht einfach und bedarf etwas Erfahrung. Schnell entgleitet Ihnen eine Probe und schießt, durch den Drehimpuls des Schleifkopfes angetrieben, durch die Gegend. Schützen Sie sich hiervor mit dem Tragen einer Schutzbrille.
Manche Matrix (schwermetallhaltige Schlacke, asbesthaltige Gesteine u.ä.) sollte nicht ohne Staubmaske bearbeitet werden. Sorgen Sie zeitgleich für eine gute Raumbelüftung. Auch die Benutzung von Ohrstöpseln wird dringendst empfohlen.

BEIM FORMATIEREN SCHUTZBRILLE TRAGEN!



(wird fortgesetzt)



*) mit freundlicher Genehmigung


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