Dienstag, 24. Januar 2012

MM-Präparation 1: Auspacken



Der Weg von der im Gelände gefundenen Gesteinsprobe mit Mikromineralien bis zum fertigen Micromount ist manchmal lang und mühsam. Begleiten Sie mich auf dem Weg dorthin.

Auspacken
Zunächst heißt es, das Rohmaterial vorsichtig aus der Verpackung zu befreien und sofort zweckmäßigerweise in Gefäße zu legen, die einerseits das gesamte Material bzw. die Paragenese zusammenhalten und andererseits eine Vorsortierung zulassen. Hierfür eignen sich besonders kleine Schälchen aus dem Handel - Verpackungsmüll quasi, wie z.B. leere Pralinenpackungen, Trays für Ü-Eier, Schokoladen-Osterhasen und Zahnpastatuben, Styroporschalen unter Obst und Gemüse, flache Tabletts u.v.a.m. 

Großflächig ausgebreitetes Rohmaterial

Spätestens an dieser Stelle sind die Daten, die wir im bereits im Gelände auf der Verpackung notiert haben (Fundort, Funddatum, Paragenese, ggf. Finder, besondere Fundumstände), auf jedes Sortiergefäß penibel zu übertragen. Unter Umständen ist es zweckmäßig, sogar jedes individuelle Gesteinsstück separat zu kennzeichnen. Sofern Sie als Sortierunterlagen Kunststoffverpackungen gewählt haben, so können diese mit wasserfesten Markern(Fabr. Edding od. gleichw.) direkt beschriftet werden.

Rohmaterial, das am Aufschluss im Gelände nicht weiter eingepackt wurde (sog. "Eimerware"), wird nun vorsichtig ausgebreitet und auf die Sortierunterlagen verteilt. Auch hier gilt es, akkurat zu kennzeichnen.

Ist das Rohmaterial nass und mit Erde verschmutzt, so lassen wir es zunächst durchtrocknen, da sich die Rückstände besser entfernen lassen. Durch eine voreilige Waschaktion werden etwaige wasserlösliche Minerale beschädigt oder vernichtet. Lichtempfindliches Material sollte dunkel zwischengelagert werden. Lose, trockene Erde wird durch sanftes Klopfen auf die Stufe vorsichtig entfernt, organische Reste (Laub, Moos, Flechten) werden so weit es geht mechanisch gelöst. Kleine Brösel und abgeplatzte Gesteinsstücken, die in der Verpackung zurückbleiben, auch die kleinen Krümel am Eimerboden werden nicht entsorgt, denn sie könnten kleine Kristalle enthalten. Man sammelt den "Abfall" separat in einer flachen Schale, die man direkt unter dem Mikroskop durchmustern kann.

Ist das Rohmaterial ausgepackt, ausgebreitet und gekennzeichnet, schließt sich der nächste Bearbeitungsschritt, die erste Durchsicht unter dem Binokular an. Bei absehbaren Unterbrechungen der Arbeitsschritte sollte das Material möglichst staubgeschützt und dunkel zwischengelagert werden.

Wulfenit-Kristall von der Rowley Mine, Pina County, Arizona, U.S.A
Bildbreite: ca. 6 mm
Samml. & Foto: R. Santee, Bloomingdale, New Jersey, U.S.A. *)

Auch wenn es schwerfällt und die Neugier auf die anderen Funde, die ausgepackt werden wollen,  einen zerfrisst: Arbeiten Sie ausschließlich im sog. "Batchbetrieb". Packen Sie stets nur das Material von einer einzigen Fundstelle aus. Erst nachdem Sie die dazugehörigen Funde komplett bearbeitet haben, d.h. der letzte Deckel der beschrifteten Micromount-Dose geschlossen ist, sollten Sie das Material der nächsten Fundstelle bearbeiten. Ehe Sie sich versehen, liegen sonst etliche Sortierschälchen mit unterschiedlichem Material in irgendeiner Ecke, die Sie nach wiederholten Bearbeitungsunterbrechungen nicht mehr genau zuordnen können, denn die notwendige Disziplin zum akkuraten Kennzeichen des Rohmaterials zu diesem Zeitpunkt der Fundbearbeitung lässt schnell nach. Ich spreche da leider aus Erfahrung. Besonders wenn die Materialmenge von einem Fundort recht gering ist, ist man geneigt, mehrere Fundstellen parallel zu bearbeiten. Zwischendurch erhält man auch von bekannten Sammlern einiges (unverpacktes) Fremdmaterial und legt es dazu. Schlabbert man noch an der Kennzeichnung, dann ist das Chaos vorprogrammiert. Ich habe schon einiges Material wegwerfen müssen, da ich es nicht mehr zuordnen konnte. Die Meinung, das Material wird äußerst kurzfristig bearbeitet und braucht deshalb nicht für einen kurzen Zeitraum gekennzeichnet zu werden, hat sich durch "fehlende Gedächtnisleistung" und Überschätzung des Freizeitkontingents schnell als irrig herausgestellt.

(wird fortgesetzt)



*) mit freundlicher Genehmigung


 

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